Der Weg zur 3. Version der GNU General Public License

Neuigkeiten rund um GNU/Linux
Benutzeravatar
puntarenas
Beiträge: 712
Registriert: 28.05.2005 15:07:05

Beitrag von puntarenas » 27.01.2006 11:49:55

Während er in seiner Mail an die LKML ja hauptsächlich argumentiert, daß der Kernel bisher eben nicht für "any later Version" der GPL lizensiert ist, rutscht Linus plötzlich dieser verworrene Satz dazwischen:
Linus Torvalds hat geschrieben:I think it's insane to require people to make their private signing keys available, for example.
I wouldn't do it.
Dann geht es wieder im ursprünglichen Tenor weiter, daß er nicht glaube der Lizenzwechsel würde stattfinden, da er persönlich keine Lust habe, seinen Code zu konvertieren.

Auf NewsForge gab es einen meiner Meinung nach sehr zutreffenden Beitrag zum Thema, den ich, da ich es nicht besser ausdrücken könnte, einfach mal zitiere:
Linus deserves full respect and appreciation, for his work, his vision, and his historical achievements.

However, with great power comes great responsibility, and Linus can't disregard, for example, the GPL v3 role against DRM and patents.

A big chunk of our freedom is in Linus's hands, and he must be very careful and sensible about his choices and our future.

---
Stefano Spinucci
Natürlich muß weiterhin kontrovers diskutiert werden und natürlich ist auch nicht alles automatisch gut und richtig, nur weil es von RMS verbreitet wird, aber Linus sollte längst mitbekommen haben, daß seine Aüßerungen, ob berechtigterweise oder nicht, sofort besonders hohe Wellen schlagen.

Ich meine, wenn sogar das heute-journal, ... lassen wir das ...

Ich werde jedenfalls mit Spannung verfolgen, wie sich die Geschichte entwickelt. Die GPL3 ist ja noch nicht einmal fertig.

Gruß
puntarenas

Benutzeravatar
Joghurt
Beiträge: 5244
Registriert: 30.01.2003 15:27:31
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Beitrag von Joghurt » 27.01.2006 15:57:26

puntarenas hat geschrieben:
Linus Torvalds hat geschrieben:I think it's insane to require people to make their private signing keys available, for example.
I wouldn't do it.
Die Äußerung habe ich auch nicht verstanden, der Draft sagt:
Draft GPLv3 hat geschrieben:Complete Corresponding Source Code also includes any encryption or authorization codes necessary to install and/or execute the source code of the work, perhaps modified by you, in the recommended or principal context of use, such that its functioning in all circumstances is identical to that of the work, except as altered by your modifications. It also includes any decryption codes necessary to access or unseal the work's output.
Ein privater Key müsste nur dann herausgegeben werden, wenn das Programm ohne nicht funktioniert oder verändert werden kann.

123456
Beiträge: 6126
Registriert: 08.03.2003 14:07:24

Beitrag von 123456 » 27.01.2006 16:08:17

Joghurt hat geschrieben:Die Äußerung habe ich auch nicht verstanden
Ich denke, Linus hat sich die GPLv3 nicht besonders gut durchgelesen und das Nichtverstehen liegt auf seiner Seite.
Ein privater Key müsste nur dann herausgegeben werden, wenn das Programm ohne nicht funktioniert oder verändert werden kann.
Das ist doch ein guter Schutz gegen das DRM Zeugs...

PS: ich halte diese ganze aufgeregte Diskussion für ein Missverständnis.

Benutzeravatar
startx
Beiträge: 3165
Registriert: 07.12.2002 19:29:48
Wohnort: london

Beitrag von startx » 01.02.2006 12:49:13

so, jetzt hat Alan Cox auch was dazu gesagt.

:)

http://www.heise.de/newsticker/meldung/69085
squeeze - gnome / diverse ibm thinkpad

Benutzeravatar
puntarenas
Beiträge: 712
Registriert: 28.05.2005 15:07:05

Beitrag von puntarenas » 02.02.2006 19:46:00

Kleines Update: Linus legt nach.

Wie weit ist eigentlich Hurd? Hatte da nicht neulich eine deutsche Hochschule einiges vorangetrieben? Eigentlich fehlen doch nur ca. 1000 Treiber und ein wenig Feinschliff.

Gruß
puntarenas

Benutzeravatar
startx
Beiträge: 3165
Registriert: 07.12.2002 19:29:48
Wohnort: london

Beitrag von startx » 03.02.2006 09:06:11

Wie weit ist eigentlich Hurd?
mein persönlicher statusbericht:

- hurd auf mach bootet, netzwerk ist okay. ich kann chatten, habe einen apache2
am laufen und das geht auch alles ganz okay. perl funktiniert wohl auch.
leider geht php nicht wegen fehlender bibliotheken. wenn ich mal ne woche urlaub hätte würde ich mich da ranwagen.

- X funktioniert (auch xorg) , hab ich mich aber nicht näher mit beschäftigt. von kde und gnome werden erfolge berichtet.

wenn tatsächlich ernsthaftes interesse an hurd hat, sagt mir bescheid. ich überlege schon seit nem halben jahr eine mehrsprachige GNU/Hurd community einzurichten und suche dringends Leute dafür ... ;)
squeeze - gnome / diverse ibm thinkpad

Benutzeravatar
puntarenas
Beiträge: 712
Registriert: 28.05.2005 15:07:05

Beitrag von puntarenas » 03.02.2006 12:24:14

Im Moment gibt es für mich keinen Grund, von Linux zu wechseln, der Kernel läuft stabil und schnell und meine Hardware wird unterstützt. Mal sehen, was die Zukunft bringt.
Ist aber schön zu hören, daß Hurd langsam in die Pötte kommt. Noch ein wenig Feinschliff und die besagten 1000 Treiber und Linus kann seinen DRM verseuchten Alt-GPL-Kram behalten, ich hoffe er findet dann irgendwo noch ein Stück Hardware, daß ihm ermöglicht seinen frisch gepatchten Kernel zu booten. :D

Naja, und wenn nicht kann er sich ja immer noch die Sourcen ausdrucken und sich daran erfreuen, ich meine falls sein Drucker ihm das erlaubt. Schöne neue Welt.


Gruß
puntarenas

Benutzeravatar
Joghurt
Beiträge: 5244
Registriert: 30.01.2003 15:27:31
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Beitrag von Joghurt » 03.02.2006 14:27:15

puntarenas hat geschrieben:ich hoffe er findet dann irgendwo noch ein Stück Hardware, daß ihm ermöglicht seinen frisch gepatchten Kernel zu booten.
Linus wird da wesentlich weniger Probleme als die HURD-Leute haben. NVidia und Co werden ihre Spezifikationen wohl nie wieder freigeben, geschweige denn ihre Treiber unter GPL veröffentlichen.

Benutzeravatar
puntarenas
Beiträge: 712
Registriert: 28.05.2005 15:07:05

Beitrag von puntarenas » 03.02.2006 16:36:12

Das macht die Sache auf lange Sicht ja auch so bedrohlich. Vielleicht muß ich irgendwann mein GNU-System in einer teuer erworbenen Closed-Source VM-Ware auf einem noch teureren und undurchsichtigeren Windows-Kernel laufen lassen, weil alles andere nicht mehr möglich ist.
Dann kann ich es mir natürlich auch gleich schenken und mich den Gegebenheiten unterordnen. Es ist ein Stück weit wie mit der Gentechnik. Fakten schaffen und Alternativen unmöglich machen, den Rest erledigt die normative Kraft des Faktischen von allein. Wer wird sich denn schon gegen gentechnisch "verbesserte" Kulturpflanzen in freier Wildbahn ausprechen, wenn es keine anderen mehr gibt? Da preise ich doch lieber den Vanillegeschmack meiner Erdbeeren, die sich aktiv gegen Ungeziefer verteidigen und mich gegen Pocken impfen wärend meine Landwirte sich über die jüngste Rabattaktion der letzen verbliebenen Saatgutriesen freuen.

Ebenso im Softwarebereich, wenn die Kontrolle erstmal nahezu lückenlos etabliert ist, kann man sich die teure Gehirnwäsche aus den Marketingabteilungen sparen. Niemand wird den Kram ablehnen, weil dies zugleich den Verzicht auf jegliche Computernutzung bedeuten würde, auch wenn einem diese "freie Wahl" natürlich unbenommen bleibt.

Daß Torvalds sich nicht aktiv gegen diese Entwicklung stellen möchte, ist zunächst einmal natürlich seine persönliche Entscheidung und wie er selbst schreibt, das muß nicht jedem so passen. Leider befürchte ich, daß damit ein großer Teil des Widerstandes aus dem Linuxumfeld untergraben wird und gerade hier hat sich eben ein Gutteil der Opensourcebewegung angesiedelt.

Gruß
puntarenas

Benutzeravatar
BeS
Moderator
Beiträge: 3233
Registriert: 17.04.2002 18:30:21
Lizenz eigener Beiträge: MIT Lizenz
Wohnort: Stuttgart
Kontaktdaten:

Beitrag von BeS » 14.02.2006 17:41:19

Hallo,
für alle die es noch nicht mitbekommen haben.
Es gibt mittlerweile ein Video und ein Mitschrieb von der Konferenz am MIT als die GPLv3 vorgestellt wurde.
Nachdem Richard Stallman kurz ein paar grundsätzliche Sachen erklärt geht Eben Moglen Schritt für Schritt durch die neue Lizenz und erklärt diese sehr ausführlich.

Video: http://gplv3.fsf.org/av/gplv3-draft1-re ... gg.torrent
Transcript: http://www.ifso.ie/documents/gplv3-laun ... 01-16.html

Ich denke das ist sehr hilfreich um die Änderungen GPLv2->GPLv3 und die GPL als ganzes zu verstehen.
Deine Unterstützung für Freie Software kostet dich nur wenige Minuten: www.fsfe.org/support

Ich spreche von Freier Software!

Benutzeravatar
puntarenas
Beiträge: 712
Registriert: 28.05.2005 15:07:05

Beitrag von puntarenas » 16.02.2006 13:23:47

Meister Torvalds bekräftigt nochmals seine Position:
(...) we asked Torvalds today if he would "feel differently about v3 of the GPL if it were made clear that only keys required to execute the code fall under the requirement for disclosure."

Torvalds replied:

No. And I understand the GPLv3 requirements quite well, thank you. When the FSF says that I mis-understood, they have their heads up their asses.

They have different goals than I do. I think it's perfectly ok to have keys that are required for installation/running. I don't think it has anything to do with source code.
Quelle: NewsForge

Danke BeS für den Link zum Video, ich muß gleich mal bittorrent anwerfen und mir das zu Gemüte führen.

Gruß
puntarenas

Benutzeravatar
startx
Beiträge: 3165
Registriert: 07.12.2002 19:29:48
Wohnort: london

Beitrag von startx » 16.02.2006 17:04:25

They have different goals than I do. I think it's perfectly ok to have keys that are required for installation/running. I don't think it has anything to do with source code.
also für mich scheint klar dass wenn er bei dieser position bleibt, dass es okay ist wenn ein programm nur mit schlüssel installiert/gestartet werden kann, dann unterscheidet sich sein verständnis von "frei" sehr deutlich von meinem.

ich sehe da grossen ärger auf die community zukommen, ich willst nicht beschreien aber bei so einer position beschwört torvalds ja einen fork geradezu herauf.
squeeze - gnome / diverse ibm thinkpad

Benutzeravatar
peschmae
Beiträge: 4844
Registriert: 07.01.2003 12:50:33
Lizenz eigener Beiträge: MIT Lizenz
Wohnort: nirgendwo im irgendwo

Beitrag von peschmae » 16.02.2006 19:04:36

Dass Torvalds "frei" nicht wichtig ist ist eigentlich keine Neuigkeit; das war schon immer so. Ist aber eigentlich auch egal.

Und forken - wozu sollte man das jetzt konkret?

MfG Peschmä
"er hätte nicht in die usa ziehen dürfen - die versauen alles" -- Snoopy

Benutzeravatar
startx
Beiträge: 3165
Registriert: 07.12.2002 19:29:48
Wohnort: london

Beitrag von startx » 16.02.2006 19:56:41

Und forken - wozu sollte man das jetzt konkret?
nicht jetzt, aber dann wenn der kernel funktionen mitbringen soll um
zu überprüfen ob die schlüssel zum starten/installieren/abspielen von software/content
gültig sind.

weiterer streit könnte aufkommen wenn kernelentwickler ihren code unter die gpl v3 stellen wollen, da torvalds ablehnung ja definitiv scheint. zumindest war sein konfrontationskurs mit der fsf noch nie so deutlich und ich kann mir vorstellen das langfristig einfach einige leute für die "free" was anderes bedeutet schlicht kein vertrauen mehr in torvalds haben.
squeeze - gnome / diverse ibm thinkpad

Benutzeravatar
BeS
Moderator
Beiträge: 3233
Registriert: 17.04.2002 18:30:21
Lizenz eigener Beiträge: MIT Lizenz
Wohnort: Stuttgart
Kontaktdaten:

Beitrag von BeS » 17.02.2006 01:24:31

startx hat geschrieben: nicht jetzt, aber dann wenn der kernel funktionen mitbringen soll um
zu überprüfen ob die schlüssel zum starten/installieren/abspielen von software/content
gültig sind.
ich denke mal das fällt nicht unter die DRM Klausel.
Die DRM Klausel sagt aus: Wenn ein GPL Programm auf System A läuft, dann muß es auch auf System A laufen und die gleiche Aufgabe erfüllen können nachdem ich es modifiziert habe. Es geht also um Schlüssel, Prüfsummen und ähnliches die ein Programm auf System A lauffähig machen. Ich muß dann die Möglichkeit erhalten, nach meiner Modifikation des Programms, wieder passende Schlüssel, Prüfsummen oder ähnliches erzeugen zu können, damit meine modifizerte Version auch wieder lauffähig ist.

Programmcode der z.B. die DRM Schlüssel von Musik-Dateien überprüft hat damit im Normalfall nichts zu tun.
weiterer streit könnte aufkommen wenn kernelentwickler ihren code unter die gpl v3 stellen wollen, da torvalds ablehnung ja definitiv scheint. zumindest war sein konfrontationskurs mit der fsf noch nie so deutlich und ich kann mir vorstellen das langfristig einfach einige leute für die "free" was anderes bedeutet schlicht kein vertrauen mehr in torvalds haben.
Das mag sein. Allerdings bringt dir hier ein fork nichts, da Linus natürlich auch das Urheberrecht an seinem Code in dem Fork hält. Ein Fork müsste also gleichzeitig den ganzen Code von Linus und evtl. anderen, die auf GPLv2 bestehen, entfernen/ersetzen, damit ein Fork auf GPLv3 umlizenziert werden könnte.

Es wäre also ein etwas aufwändigeres Unterfangen. Ich denke da ist die Chance größer das, wenn die Mehrheit der Kernel-Hacker GPLv3 will, irgendwann der Druck auf Linus so groß wird, dass er diesem nachgibt.
Aber ich denke für solche Spekulationen ist es noch zu früh.
Deine Unterstützung für Freie Software kostet dich nur wenige Minuten: www.fsfe.org/support

Ich spreche von Freier Software!

Antworten