Der Weg zur 3. Version der GNU General Public License

Neuigkeiten rund um GNU/Linux
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Beitrag von jhr-online » 25.09.2006 15:41:03

Ich muss gestehen, das wird mir zu viel Information, um sie nebenbei zu lesen und daraus resultiert ein einfaches, aber thematisch schwerwiegendes Problem für mich: Ich hab keine Ahnung! Vielleicht kannst du, ub13, da du wohl einige Ahnung hast, noch mal kurz - vielleicht dre, vier Sätze - auf Deutsch schreiben, wo überhaupt die Positionen liegen? Ich weiß, es ist ein bisschen dreist, dich darum zu bitten, aber ich glaube, das würde einigen Mitlesern hier sehr helfen. Ich persönlich kann nicht mehr abschätzen, was ich lesen muss, um im Zusammenhang zu bleiben...

jhr
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Beitrag von BeS » 25.09.2006 16:23:10

Hallo jhr,
Wenn ich es im Detail erkläre wird mein Text wahrscheinlich schnell ähnlich lang wird die die Texte die ich verlinkt habe und die sind dir ja zu lang. Deswegen versuche ich es mal relativ knapp auf den Punkt zu bringen, mit dem Nachteil, dass evtl. ein paar Details verloren gehen.

Ziel der GPL war es schon immer dem Computer Benutzer die Freiheit zu geben die Software für jeden Zweck zu verwenden, sie an seine Bedürfnisse anzupassen und sie weiter zu geben (verändert oder im original) und diese Freiheit auch für jeden Benutzer zu garantieren.
Als GPLv2 ~1990 geschrieben wurde, gab es im Prinzip nur eine Möglichkeit diese Freiheit zu umgehen: Ich nehme GPL Code und verbreite das original oder modifizierte Versionen unter einer anderen Lizenz die diese Freiheit einschränkt. Die Lösung war einfach: Copyleft (== Weitergabe muss immer unter der gleichen Lizenz geschehen).

Heute, 15 Jahre später hat man noch andere Möglichkeiten die Freiheit, die die GPL garantieren will, einzuschränken weswegen es für eine 3. Version der GPL Zeit wird.
- Softwarepatente: Ich gebe dir eine Kopie eines GPL Programms, die Kopie steht auch unter der GPL, vom Urheberrecht her hast du also alle Freiheiten ABER ich habe auch noch Patente auf Ideen die in dem Programm implementiert sind und wenn du deine Freiheit die dir die GPL gegeben hat ausübst, dann verklage ich dich eben wegen Patentverletzung. Die Lösung: Wenn man GPLv3 Code weitergibt, gibt man jedem automatisch eine Lizenz für die Patente die man selber hat und die die Verwendung des Codes, in der Form wie es die GPL eigentlich erlaubt, einschränken könnten.
- DRM: Ich verkaufe dir eine Computer mit GPL Software, sobald du aber von deiner Freiheit gebrauch machst, als die Software für deine Bedürfnisse anpasst, akzeptiert der Computer die Software nicht mehr. Du hast also ein Programm, du hast den Quellcode und eine Lizenz die sagt "ja, du darfst die Software an deine Bedürfnisse anpassen" aber wenn du es machst sagt die Hardware "Nein, ohne mich". Lösung: Zum Quellcode eines Programms gehört alles was nötig ist um die Freiheiten auch auszuüben. Wenn dafür also eine spezielle Signatur des binary nötig ist, dann musst du mir die Möglichkeit geben mein binary zu signieren.

Linus Torvalds und einige Kernel Hacker sind jetzt der Meinung, dass diese Löcher, die in der GPLv2 durch neue Technik und neue Gesetze entstanden sind, bestehen bleiben sollen, die GPL also geschwächt werden soll. Während die FSF natürlich will, dass die GPL in der Zukunft genauso gut funktioniert wie in der Vergangenheit und sie deswegen an die neue Umwelt anpasst.
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Beitrag von jhr-online » 25.09.2006 16:42:46

1. Entschuldige, dass ich oben ub13 angesprochen hatte. Ich meinte dich BeS, hatte aber eben zeitgleich einen anderen Thread vor Augen; man soll einfach nicht zwei Sachen gleichzeitig machen... :D
2. Danke für den Überblick. Soweit hab ich's kapiert. Ich bin mal gespannt wie das weitergeht. Insbesondere, da es ja ernsthafte Probleme geben könnte, wenn jemand GPL2 und GPL3-Software kombinieren will, was ja sofort passieren würde, wenn der Kernel v2 bliebe...

jhr
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Beitrag von BeS » 25.09.2006 16:50:16

jhr-online hat geschrieben:1. Entschuldige, dass ich oben ub13 angesprochen hatte. Ich meinte dich BeS, hatte aber eben zeitgleich einen anderen Thread vor Augen; man soll einfach nicht zwei Sachen gleichzeitig machen... :D
kein Problem.
2. Danke für den Überblick. Soweit hab ich's kapiert. Ich bin mal gespannt wie das weitergeht. Insbesondere, da es ja ernsthafte Probleme geben könnte, wenn jemand GPL2 und GPL3-Software kombinieren will, was ja sofort passieren würde, wenn der Kernel v2 bliebe...
Ich sehe hier kein Problem. Wir haben heute einen "GPLv2 only" Kernel und drum herum ein ganzes OS mit teilweise "GPLv2 only" kompatiblen und teilweise "GPLv2 only" inkompatiblen Lizenzen. Die Zahl der "GPLv2 only" inkompatiblen Lizenzen wird sich in Zukunft um eins erhöhen, mehr passiert aber auch nicht. Juristisches Problem entsteht dadurch nicht und gleich nach dem Kernel wird alles erkennbar einfacher, da GPLv3 mit mehr Lizenzen kompatibel sein wird (z.B. Eclipse Lizenz, Apache Lizenz,...) als es GPLv2 war.
Für Kernel code kannst du in Zukunft natürlich weiterhin max. "GPLv2 or later" verwenden. Das ist juristisch aber kein Problem, allerdings schwächt es alle Anwender, da durch die Löcher in GPLv2 eben die Freiheit jedes einzelnen eingeschränkt werden kann. Das ist aber wie gesagt kein technisches oder juristisches Problem, sondern "nur" eine imho traurige Entwicklung.

Aber wenn selbst Bruce Perens mittlerweile davon redet, dass es nach 15 Jahren Linux möglicherweise Zeit für einen neuen Kernel wird... :o
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Beitrag von BeS » 28.03.2007 18:47:12

Nachdem es lange etwas ruhiger um die GPLv3 war, ist heute der dritte Entwurf erschienen.

Alle nötigen Infos dazu und was sich genau geändert hat findet ihr hier: http://gplv3.fsf.org/gpl3-dd3-guide

Der dritte Entwurf steht jetzt für 60 Tage zur Diskussion. Während dieser Zeit können schon Änderungen, auf der Basis von Kommentaren, in den Entwurf eingearbeitet und veröffentlicht werden. Außerdem sollen häufige Fragen in der Form von Blog-Einträgen auf der GPLv3 Seite beantwortet werden.

Nach den 60 Tagen wird ein letzter Entwurf veröffentliche, welcher 30 Tage zur Diskussion stehen wird. Kurz nach diesen 30 Tagen wird dann die Endgültige GPLv3 veröffentlicht.

Mit der Veröffentlichung des 3. Entwurfs befinden wir uns jetzt also wirklich im Endspurt zur fertigen GPLv3. Jeder der sich also noch einbringen will, sollte es jetzt tun.
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Beitrag von jhr-online » 28.03.2007 20:40:13

Das klingt auf den ersten Blick ganz toll, aber so gut ist mein Englisch beim besten Willen nicht, dass ich auch noch juristische Raffinessen da herauslesen kann. Vielleicht kann's ein anderer... Ich kann mich so nicht beteiligen.

jhr
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Beitrag von BeS » 29.03.2007 00:28:59

jhr-online hat geschrieben:Das klingt auf den ersten Blick ganz toll, aber so gut ist mein Englisch beim besten Willen nicht, dass ich auch noch juristische Raffinessen da herauslesen kann.
Es müssen nicht immer Kommentare sein, die tiefe juristische Fragen aufwerfen. Auch allgemeine Kommentare, z.B. wenn für dich etwas total unverständlich ist und du dir eine einfachere und klarere Formulierung wünscht, allgemeine Gedanken zu einer bestimmten Klausel oder Kommentare zur Formulierung oder Struktur der Lizenz sind gern gesehen.
Also keine Angst, dass deine Meinung oder Idee zu wenig "juristisch" ist, wenn dir irgendwas auffällt, dann trage es ruhig ins Kommentar-System ein.

Ich habe ja bereits erwähnt, dass man jetzt in Blog-Beiträgen häufige Fragen und ähnliches beantworten will. Der erste Artikel ist bereits online: http://www.fsf.org/blogs/licensing/2007 ... randfather

Für alle die bei den Blog-Einträgen auf dem laufenden bleiben wollen empfiehlt sich dieser RSS-Feed: http://www.fsf.org/blogs/licensing/RSS
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Beitrag von BeS » 04.04.2007 16:58:22

Richard Stallman war die letzten Tage in Brüssel und hat dort einen Vortrag zum 3. Entwurf der GPLv3 gehalten. Wer also mal in normalem Englisch und nicht nur im Juristen-Englisch etwas über den aktuellen Stand erfahren will und was es z.B. mit dem MS-Novell Deal auf sich hat, dem kann ich die Mitschrift[0] des Vortrags nur empfehlen.

Am Anschluss gab RMS dann noch ein Interview, welches man hier[1] finden kann.

[0] http://fsfeurope.org/projects/gplv3/bru ... transcript
[1] http://www.groklaw.net/article.php?stor ... 3114157109
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Beitrag von BeS » 04.06.2007 11:36:35

Der "last Call" Draft der GPLv3 ist veröffentlicht. Alles nötige finden man hier: http://gplv3.fsf.org/.

Wir stehen jetzt also kurz vor der endgültigen Veröffentlichung einer aktualisierten GNU General Public License.

Die Änderungen:
  • GPLv3 ist jetzt mit der Apache2.0 Lizenz kompatibel
  • Diskriminierende Patentabkommen nach dem 28.May werden mit GPLv3 nicht zulässig sein. Damit ist der MS-Novell Deal noch mit GPLv3 möglich, da einen Weg gefunden hat diesen gegen MS zu verwenden. Genaueres hierzu: Why Upgrade to GPL Version 3 (kurz gesagt, geht es um die Gutscheine die MS, nach der Auffassung einiger Anwälte, zum Distributer macht, wodurch das MS-Novell Patent abkommen auf alle Anwender ausgeweitet wird).
  • Ein neuer Paragraph der zwischen Distribution von Software und der Beauftragung eines dritten zum hosten deiner Software unterscheidet.
  • Die Referenz zu einer US-Definition von "consumer product" wurde entfernt und durch eine explizite Definition ersetzt.



Weitere Links:

- Press Release
- Guide to the "last call" draft
- Richard Stallman: Why upgrade to GPLv3
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puntarenas
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Beitrag von puntarenas » 17.06.2007 13:02:10

Sicherlich nicht die erste Diskussion zur GPL3 zwischen Linus Torvalds und einem leidenschaftlichen GPL3-Befürworter, aber ich fand die Lektüre des zugegebenermaßen sehr langen Threads auf der LKML bis zum Ende sehr lohnenswert: Artikel auf kerneltrap.org

Dadurch dass ich Linus Torvalds Argumentationskette einmal nicht aus dem Kontext gerissen nachvollziehen konnte, schienen mir seine Argumente für sich sehr schlüssig und er ist ja nun wahrlich kein Dummkopf, Stringenz ist also kein Zufall. Aus seinen Mokassins betrachtet kann ich nun verstehen, warum er die GPL2 der Neufassung deutlich den Vorzug gibt.

Ich bin mal so frech und zitiere einfach einen der Kommentare zum Artikel, wozu noch einmal schreiben, wenn damit IMHO ein sehr gutes Fazit bereits von jemand anderem gezogen wurde:
free software vs open source
or call it "spirit of the license vs literal legal wording".

wow, that was a good read. though long, i think i fully understand both sides now. thanks, jeremy!

here's my chronological understanding (with a general elaboration following):

1. RMS believes in "free software"
2. RMS tries to literally capture beliefs in GPLv2 based on technological experiences to date
3. Linus believes in "open source"
4. Linus adopts GPLv2 as literal wording supports his beliefs
5. "software as a network service" and "hardware-enforced software-signing" become widespread
6. RMS updates GPL to account for new technology in light of "free software" beliefs
7. Linus criticizes GPLv3 because the updates conflict with his "open source" beliefs

the problem:

* Linus says that the spirit of the GPL has changed, when it hasn't; only the literal wording has changed to account for unforeseen industry changes
* the FSF won't "agree to disagree"

it's the age-old "free software vs open source" debate. one is highly philosophical, the other very pragmatic. one is communistic (all software free for all people), one is capitalistic (tit-for-tat). one side wonders why Linus uses a license at all if he truly believes "open source" pragmatism will win out, where the other wonders why the FSF is so opinionated about "free software" in their licenses.

the GPL tries to capture and enforce the beliefs of RMS and FSF. but just as a physical, tangible biography (or even autobiography) cannot capture the spirit of a person, GPLv2 in its physical, tangible wording did not capture the spirit of the FSF, specifically in regard to future advancements. so GPLv3 was born to further the "free software" cause in today's environment, and Linus disagrees with it. that would be fine, but Linus is the posterboy for FOSS (free AND open source software) and we can't have the appearance of division in the face of non-free & closed source competition. so one side badmouths the other, and the other perpetuates the argument.

one thing to keep in mind is what shaped (to some degree) RMS's ideas of "freedom": the inability to modify a printer driver. maybe if back then RMS had been given the source code, but due to DRM (which cryptographically verifying object code before execution is) was unable to use it, then GPLv2 would have better expressed RMS's ideas of "freedom" and conflicted with Linus' "open" ideas.

"can't we all just get along?" ;-)
Woran die Diskussion generell leidet ist IMHO das Argumentieren in hinkenden Vergleichen (Autos und der Reifenwechsel, ...). Darüber hinaus versuchen beide Seiten auch gern einmal, dem Gegenüber aus schlampigen Formulierungen einen Strick zu drehen, anstatt den Geist der Aussagen des Anderen zu erfassen und darauf einzugehen (RHEL auf CD-Rom ist ReadOnly, verletzt daher RedHat die GPL?). In diesem Sinne lassen sich dann auch IMHO unmöglich alle denkbaren Szenarien (Was ist, wenn Software sich in einem ROM befindet, also auf der Hardware keine veränderte Fassung eingespielt werden kann? Was, wenn dies durch teures/proprietäres Equipment dem Hersteller aber doch möglich ist?) in einer Lizenz erschlagen, weshalb seitens der FSF wohl auch immer wieder der Geist der GPL in den Vordergrund gerückt wird.

Wie auch immer, ich bin froh dass die GPL3 bald kommen wird und eine Menge Software (GNU/Linux anyone?) wird die neue Fassung adaptieren, der Kernel wird wohl erstmal unter Version2 verbleiben. Aber was heißt schon der Kernel, vielleicht haben wir bald ein freies Solaris unter GPL3, vielleicht kommt aber auch Hurd in die Puschen wenn Linux zunehmend tivoisiert wird und vielleicht hat ja auch Linus eines Tages "Fun" daran, aus pragmatischen Gründen einen Lizenzwechsel von Linux loszutreten. Natürlich besteht auch immer die Gefahr einer Spaltung der Community und Microsoft arbeitet mithilfe Novells und anderer ja auch mit Hochdruck daran, aber ich denke gerade hier wird der philosophische Hintergrund Freier Software zum Weiterbestehen beitragen.

Ich freue mich auf eine spannende Zukunft
puntarenas mit 0.02€

azerty
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Beitrag von azerty » 17.06.2007 23:49:57

BeS hat geschrieben: [*] GPLv3 ist jetzt mit der Apache2.0 Lizenz kompatibel
Werden außer der Apache-Lizenz auch noch andere Lizenzen wie die Lucent Public License kompatibel zur GPL oder bleibt es nur bei Apache?

@ Puntarenas:
Allein der Anreiz ein freies Solaris (und damit hoffentlich viele neue Innovationen/Know-How) zu erhalten, macht für mich den Wechsel zur GPLv3 schmackhaft. Das durch die GPLv3 auch noch meine und unsere Rechte gestärkt werden ist dann "nur" noch das Schmankerl.
Bin daher absolut _für_ die GPLv3.

Wie schätzt ihr die Sache ein? Könnte der Kernel von einem GPLv3-Solaris den Linux-Kernel ersetzen?

Und noch ne Verständnisfrage: Solaris ist doch noch nicht GPLv3? Was ist denn dann OpenSolaris und Nexenta??
Zuletzt geändert von azerty am 19.06.2007 17:57:39, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von BeS » 18.06.2007 00:22:37

azerty hat geschrieben: Werden außer der Apache-Lizenz auch noch andere Lizenzen wie die Lucent Public License kompatibel zur GPL oder bleibt es nur bei Apache?
Laut dieser Seite kommt momentan nur die Apache Lizenz 2.0 dazu. Ich denke da wird sich aber noch was tun, z.B. soll die neue Affero GPL zur GPLv3 kompatibel sein. Auch wurde mal gesagt, dass die Eclipse Lizenz zur GPLv3 kompatibel sein soll. Ich denke das wird man dann endgültig sehen wenn die GPLv3 steht.
Wie schätzt ihr die Sache ein? Könnte der Kernel von einem GPLv3-Solaris den Linux-Kernel ersetzen?
Ich denke es wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit GNU/Solaris Systeme geben. Es gibt ja schon erste Versuche wie Nexenta. Ob sich das durchsetzt und in welchen Bereichen wird wohl in erster Linie von den Anwendern abhängen, ich denke die GPLv3 könnte das für den einen oder anderen durchaus interessant(er) machen. Ohne das ich jetzt im Detail die Vor-/Nachteile der beiden Kernel kenne, kann ich mir gut vorstellen, dass je nach Einsatzgebiet der eine oder der andere seine Vorzüge haben könnte.
Und noch ne Verständnisfrage: Solaris ist doch noch nicht GPLv3? Was ist denn dann OpenSolaris und Nexenta??
Solaris steht momentan unter der CDDL, was auch eine Freie Software Lizenz ist (allerdings nicht zur GPL kompatibel). OpenSolaris ist eben Solaris unter eine Freien Software Lizenz (ähnlich wie JDK vs OpenJDK), ich weiß aber nicht wie vollständig das ist, afaik ist es noch nicht möglich ein 100% freies OpenSolaris System zu installieren, da nicht alles bei OpenSolaris frei ist. Nexenta ist der Versuch den OpenSolaris Kernel (der unter der CDDL steht) in ein GNU-System zu integrieren. Es reiht sich also quasi in GNU/Linux, GNU/Hurd, GNU/kBSD als GNU/Solaris ein.
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Beitrag von puntarenas » 18.06.2007 12:30:51

azerty hat geschrieben: @ Puntarenas:
Allein der Anreiz ein freies Solaris (und damit hoffentlich viele neue Innovationen/Know-How) zu erhalten, macht für mich den Wechsel zur GPLv3 schmackhaft. Das durch die GPLv3 auch noch meine und unsere Rechte gestärkt werden ist dann "nur" noch das Schmankerl.
Bin daher absolut _für_ die GPLv3.
Mir ist jetzt nicht ganz klar, wie du das meinst. Solaris wird ja nicht automatisch mit Erscheinen der GPL3 unter dieser lizensiert, diesen Schritt kann nur Sun vollziehen und entschieden ist dort soweit ich weiß noch nichts.
Definitiv umgestellt werden die GNU-Utilities der FSF und damit dürfte spannend werden, was Linspire und die ganzen Microsoftpartner, die ihre Abkommen nach besagtem 28. Mai geschlossen haben, dann in ihrer Distribution ausliefern.
Wie schätzt ihr die Sache ein? Könnte der Kernel von einem GPLv3-Solaris den Linux-Kernel ersetzen?
Ich bin ehrlich gesagt Laie und Solaris kenne ich nur vom Hörensagen. Allerdings beinhaltet der Linuxkernel schon eine beachtliche Treiberanzahl und diesbezüglich dürfte Solaris sicherlich hinterherhinken. Prinzipiell dürfte er Linux also wohl natürlich ersetzen können, praktisch aber wohl nicht schmerzfrei und sofort.
Und noch ne Verständnisfrage: Solaris ist doch noch nicht GPLv3? Was ist denn dann OpenSolaris und Nexenta??
Hat BeS ja schon beantwortet, interessant fand ich aber die Aussage von Linus Torvalds, dass Solaris unter GPL3 möglicherweise ein Anreiz sein könnte, auch Linux auf diese umzustellen, einfach um einen Codeaustausch zu ermöglichen. Und wenn sie schon dabei sind, vielleicht wird Java ja auch noch auf GPL3 umgestellt, die Welt könnte so schön sein...

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Beitrag von azerty » 18.06.2007 19:01:48

@ puntarenas:

Soweit ich weiß hat SUN angekündigt bei erscheinen der GPLv3 Solaris auf diese Lizenz umzustellen, was Linus Torvalds ja auch "interessant" fand, wie du auch schon erwähnt hast.

Erst vor kurzem gabs zu Solaris @ GPLv3 auch nen Thread im Forum, inkl. verlinktem Interview mit einem SUN-Boss der meinte dass Solaris das "bessere Linux" werden könnte, deswegen frage ich mich was an Solaris besser wie GNU/Linux ist bzw. sein soll?
.

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Beitrag von BeS » 27.06.2007 21:20:59

Es ist soweit! Ab Freitag werden wir eine neue GPL haben!
On Friday, June 29, at 12 noon (EDT), the Free Software Foundation will
officially release the GNU GPL version 3. Please join us in celebration
as we bring to a close eighteen months of public outreach and comment,
in revision of the world's most popular free software license.

Beyond the creation of an improved license, the process of drafting
version 3 has helped highlight vital issues for the community of free
software users. This is a moment to thank the thousands who participated
by commenting on the license, and those that represented stakeholders
through the GPLv3 committee process.

Now with the release of GPLv3, we will see new defenses extended to free
software. These defenses will continue the long history of fighting all
efforts to make free software proprietary.

Please join us as we stream live footage of Richard Stallman announcing
GPLv3 from Noon (EDT) at http://www.fsf.org.

If you are in the Boston area you can also join us at the FSF offices
from 11:30am. Please let us know at <info(at)fsf(dot)org> if you would like to
attend.

--
Peter T. Brown
Executive Director
Free Software Foundation
51 Franklin St. 5th Floor
Boston, MA 02110-1301 USA

Media contact for this event:
Brett Smith
617-542-5942
brett(at)fsf(dot)org


About the FSF

The Free Software Foundation, founded in 1985, is dedicated
to promoting computer users' right to use, study, copy,
modify, and redistribute computer programs. The FSF promotes
the development and use of free (as in freedom)
software--particularly the GNU operating system and its
GNU/Linux variants--and free documentation for free
software. The FSF also helps to spread awareness of the
ethical and political issues of freedom in the use of
software. Their Web site, located at http://www.fsf.org, is an
important source of information about GNU/Linux. Donations
to support their work can be made at http://donate.fsf.org.
Their headquarters are in Boston, MA, USA



_______________________________________________
Info-gplv3 mailing list
Weitere Infos:
https://www.fsfe.org/en/fellows/ciaran/ ... riday_29th
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