Der 3. Weltkrieg, divide et impera

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TomL
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von TomL » 16.01.2018 15:47:55

Unter Rückbesinnung auf den Threadtitel möchte ich hier kurz auf die aktuelle (!) Beteiligung Deutschlands am 3. Weltkrieg oder besser ausgedrückt, an Kriegen überall auf der Welt hinweisen... mindestens als Profiteur, aber vermutlich auch als Unterstützer, vielleicht aber sogar auch als Verursacher - wg. des Profits. Ein Bericht gestern abend in der ARD:

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage ... d=49174472

:oops:

Und dann erinnere ich mich wieder an Mausfelds Kritik an der fragmentierten Berichterstattung, die keine Zusammenhänge herstellt, zwischen Flucht (nach Deutschland (und EU)) und Ursachen für die Flucht.
vg, Thomas

katzenfan
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von katzenfan » 16.01.2018 18:26:57

@ChronoBoost
Ich halte nur Gesetze für ilegitim, die andere auf meine Kosten leben lassen.
Wer lebt auf Deine Kosten, und, auf wessen Kosten lebst Du selbst?

Die Klärung beider Teilfragen ist untrennbar miteinander verbunden.

In der heutigen Gesellschaft, (bzw. in der menschlichen überhaupt), kommt, kraft Arbeitsteilung, keiner ohne den anderen aus; oder baust Du Dir all Deine Lebensmittel selbst an? Erzeugst Du Dir all Deine Energie selber, die Du so im Alltag für PC, Küche, Wäsche, etc. benötigst? Wohl kaum; in den meisten Fällen wird hier auf die Tätigkeit anderer zurückgegriffen. Eigentlich müssten danach Lebensmittel am teuersten sein, denn ohne die geht nix. Die Realität ist, sie werden sogar weggeworfen.

Warum, meinst Du, hat es einen Länderfinanzausgleich?

Genau aus dem Grunde, die Chancen aller im Bunde relativ ausgewogen zu halten.

Im Bunde hättest Du schon längst einen Bürgerkrieg, würde sich, bspw., der Norden vom Süden, bspw., wirtschaftlich total abgehängt fühlen. In der Folge eines Bürgerkrieges hätten sie übrigens alle für lange Zeit erst mal nix.

Warum, meinst Du, ist der innereuropäische Länderfinanzausgleich unabdingbar und wird so kommen, wie das Amen in der Kirche?

Genau aus dem Grunde, die Chancen aller in Europa/EU relativ ausgewogen zu halten.

Vom Rest der Welt schreibe ich hier mal nicht, solange wie diese Regionen nicht für die Entwicklung bei sich selbst Verantwortung zeigen.

TomL
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von TomL » 16.01.2018 18:49:03

katzenfan hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.01.2018 18:26:57
Vom Rest der Welt schreibe ich hier mal nicht, solange wie diese Regionen nicht für die Entwicklung bei sich selbst Verantwortung zeigen.
Ja, das stimmt.... die kriegen echt nix auffe reihe... und selbst dann nicht, wo die doch mit dem gerade abgeschlossenen Freihandelsabkommen zwischen EU und Afrika und darüber hinaus z.B. durch Rheinmetall wirklich alle mögliche Unterstützung kriegen. Wenn man mal nach dem Stichwort "Freihandelsabkommen Afrika" sucht, sieht man, was das für undankbare und unfähige Gesellen dahinten sind... nix kriegen die von alleine auffe Reihe... aber ne Europa-Invasion starten... das könnense ...

s.c.n.r. .... :evil:
vg, Thomas

ChronoBoost
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von ChronoBoost » 16.01.2018 21:59:44

hikaru hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.01.2018 11:47:43
Umverteilung ist aber der zentrale Punkt eines Sozialsystems. Natürlich wäre es schön, wenn dabei im Schnitt jeder bei ±0 rauskäme, aber das funktioniert eben nur in der Schönwettertheorie. Und natürlich gibt es Menschen, die diese Imperfektion im System ausnutzen, aber das ändert nichts am Prinzip, dass Umverteilung ein in einer Gesellschaft sinnvolles Konzept ist.
Einspruch! :)

Das ist dann wohl der Kern des Dissenses, nämlich die Frage welche Aufgaben dem Staat zufallen sollten und welche nicht. Bei fast 50% Staatsquote (von den Regulierungen mal ganz abgesehen), bleibt anscheinend nicht mehr viel übrig, was nicht in den Aufgabenbereich des Staates fallen soll.

Ich bin jetzt mal so frei bzw. faul und zitiere aus den einschlägigen Quellen (ich hoffe das entspricht der Netiquette), denn besser könnte ich meine Perspektive wohl mit eigenen Worten auch nicht formulieren:
Ludwig von Mises hat geschrieben: As regards the social apparatus of repression and coercion, the government, there cannot be any question of freedom. Government is essentially the negation of liberty. It is the recourse to violence or threat of violence in order to make all people obey the orders of the government, whether they like it or not. As far as the government’s jurisdiction extends, there is coercion, not freedom. Government is a necessary institution, the means to make the social system of cooperation work smoothly without being disturbed by violent acts on the part of gangsters whether of domestic or of foreign origin. Government is not, as some people like to say, a necessary evil; it is not an evil, but a means, the only means available to make peaceful human coexistence possible. But it is the opposite of liberty. It is beating, imprisoning, hanging. Whatever a government does it is ultimately supported by the actions of armed constables.
Deshalb sollte es eine Begrenzung staatlichen Handelns geben:
Milton Friedman hat geschrieben: Government has three primary functions. It should provide for military defense of the nation. It should enforce contracts between individuals. It should protect citizens from crimes against themselves or their property. When government -- in pursuit of good intentions tries to rearrange the economy, legislate morality, or help special interests, the cost come in inefficiency, lack of motivation, and loss of freedom. Government should be a referee, not an active player.
Eine mehr auf die Effizienz staatlichen Handelns abzielende Begründung der Beschränkung des Staates:
Milton Friedman hat geschrieben: There are four ways in which you can spend money. You can spend your own money on yourself. When you do that, why then you really watch out what you’re doing, and you try to get the most for your money. Then you can spend your own money on somebody else. For example, I buy a birthday present for someone. Well, then I’m not so careful about the content of the present, but I’m very careful about the cost. Then, I can spend somebody else’s money on myself. And if I spend somebody else’s money on myself, then I’m sure going to have a good lunch! Finally, I can spend somebody else’s money on somebody else. And if I spend somebody else’s money on somebody else, I’m not concerned about how much it is, and I’m not concerned about what I get. And that’s government. And that’s close to 40% of our national income.
und noch etwas über Fairness, Gier und freiwilligen Austausch:
Thomas Sowell hat geschrieben: Since this is an era when many people are concerned about 'fairness' and 'social justice,' what is your 'fair share' of what someone else has worked for?
Thomas Sowell hat geschrieben: I have never understood why it is 'greed' to want to keep the money you have earned but not greed to want to take somebody else's money.
Milton Friedman hat geschrieben: The key insight of Adam Smith's Wealth of Nations is misleadingly simple: if an exchange between two parties is voluntary, it will not take place unless both believe they will benefit from it. Most economic fallacies derive from the neglect of this simple insight, from the tendency to assume that there is a fixed pie, that one party can gain only at the expense of another.

katzenfan
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von katzenfan » 17.01.2018 00:27:45

@TomL
die kriegen echt nix auffe reihe... sieht man, was das für undankbare und unfähige Gesellen dahinten sind... nix kriegen die von alleine auffe Reihe... aber ne Europa-Invasion starten... das könnense ...
Deine Antwort ist mir zu unverständlich. Und, übrigens, von "Afrika" schrieb ich nicht.

TomL
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von TomL » 17.01.2018 11:29:04

katzenfan hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
17.01.2018 00:27:45
Deine Antwort ist mir zu unverständlich. Und, übrigens, von "Afrika" schrieb ich nicht.
Das war zu erwarten... weil meine Antwort purer Zynismus war.....
katzenfan hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.01.2018 18:26:57
Vom Rest der Welt schreibe ich hier mal nicht, solange wie diese Regionen nicht für die Entwicklung bei sich selbst Verantwortung zeigen.
Gehört Afrika nicht zum Rest der Welt?

Der Rest der Welt ist -so bedauerlich das auch anscheinend für einige ist- nicht nur die westliche Welt ausserhalb Deutschlands.... da gibts noch ein bischen mehr. Und wie wir verhindern, dass der Rest der nicht-westlichen Welt erfolgreich Verantwortung für sich selber übernehmen kann, kannst Du z.B. mit Kommentaren und Statements im Web zum von mir erwähnten Freihandelsabkommen mit Afrika nachlesen. Das Stichwort Rheinmetall schließt an das Thema mit dem Link der ARD-Mediathek-Link etwas oberhalb an... was einen dann zwangsläufig zur Zerstörung jeglicher Infrastruktur im nahen und mittleren Osten führt ... die ja anerkanntermaßen auch zum Rest der Welt gehört. Beides sorgt jedenfalls sehr erfolgreich dafür, dass wir dort die Verantwortung übernommen haben.... zwar ausschließlich destruktiv, aber immerhin.

Ich kann mich leider nicht mehr so recht dran erinnern, wie Mausfeld das noch gesagt hat... irgendwie so, dass sich ein jeder seine Realität selber passend zurecht redet und die subjektiven Wahrnehmungen abweichend von der Wirklichkeit auf die eigenen Vorstellungen einstimmt... war das Stichwort "verleugnen" ? *grübel*grübel*grübel*
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hikaru
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von hikaru » 17.01.2018 12:04:18

ChronoBoost hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.01.2018 21:59:44
hikaru hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.01.2018 11:47:43
Umverteilung ist aber der zentrale Punkt eines Sozialsystems. Natürlich wäre es schön, wenn dabei im Schnitt jeder bei ±0 rauskäme, aber das funktioniert eben nur in der Schönwettertheorie. Und natürlich gibt es Menschen, die diese Imperfektion im System ausnutzen, aber das ändert nichts am Prinzip, dass Umverteilung ein in einer Gesellschaft sinnvolles Konzept ist.
Einspruch! :)
Ok, jetzt bin ich einigermaßen platt! Ich hätte nicht gedacht, dass wir hier erst die Grundlagen der Zivilisation erarbeiten müssen.
Sei es drum, fangen wir also beim Urschleim an: Der Mensch ist, wie die meisten großen Primaten, ein Gruppentier. Im Rahmen seiner kulturellen Entwicklung (die an sich übrigens kein Merkmal des Homo Sapiens ist, auch bei anderen Primaten lassen sich kulturelle Handlungen beobachten) hat er eine immer weiterreichende Aufgabenteilung herausgebildet. Das war in der Regel für alle Beteiligten vorteilhaft.
Ältere Angehörige (30+?) einer Urmenschensippe waren irgendwann zu gebrechlich für die Nahrungsbeschaffung. Eigentlich hätten sie nun verhungern müssen, aber sie wurden von anderen Mitgliedern der Sippe mitversorgt. Dafür haben die Älteren Aufgaben übernommen, für die körperliche Fitness nicht so wichtig war (Kinder hüten, manche Haushaltsaufgaben, kulturelle Handlungen). Möglicherweise waren die Jüngeren überhaupt nur in der Lage genug Nahrung für alle ranzuschaffen, weil sie von eingen Aufgaben entlastet waren (mit einem Kind auf dem Arm jagt es sich schlecht).

Für diese Aufgabenteilung braucht es irgendeine Form von Organisation. Im Laufe der Zeit wurden menschliche Gesellschaften immer größer, nicht zuletzt durch Siedlungsdruck und militärische Notwendigkeiten. Im Zuge dieses Gesellschaftswachstums hat sich diese Organisation von Aufgabenteilung verinstitutionalisiert, wobei der persönliche Aspekt verloren ging. Den vorläufigen Endpunkt dieses Prozesses nennen wir heute "Staat". "Der Staat" ist demnach nicht irgendein abgehobenes Etwas, sondern der emergente Zustand der Gesamtheit seiner Bürger. Ganz platt: "Der Staat sind wir alle."
ChronoBoost hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.01.2018 21:59:44
Das ist dann wohl der Kern des Dissenses, nämlich die Frage welche Aufgaben dem Staat zufallen sollten und welche nicht. Bei fast 50% Staatsquote (von den Regulierungen mal ganz abgesehen), bleibt anscheinend nicht mehr viel übrig, was nicht in den Aufgabenbereich des Staates fallen soll.
Vor dem eben dargestellten Hintergrund spielt die Staatsquote keine Rolle. In der Urmenschengesellschaft war die "Staatsquote" an Verbrauchsgegenständen vermutlich nahe 100%, denn praktisch alles wurde geteilt.
Die Staatsquote wird erst interessant, wenn das Konzept des Privateigentums an Verbrauchsgegenständen (oder in der historisch bedingt industriell geprägten Kommunismustheorie: Produktionsmitteln) eingeführt wird. Erst mit dem Konzept von "Meins!" ist nämlich überhaupt die Frage formulierbar, ob ich mit der Zuteilung von Verbrauchsgegenständen an mich (oder andere) durch die Gesellschaft (den Staat) zufrieden bin.
Genau auf die Beantwortung dieser Frage laufen alle Diskussionen über die Staatsquote hinaus. Es geht im Kern nicht darum, ob der Staat (die Gesellschaft) zu viel regelt, sondern um die Meinung, er täte dies nicht auf die richtige Weise. Die Diskussion um die Staatsquote ist nur ein Scheingefecht in dem es darum geht, dem falsch handelnden Staat Teile seiner Kontrolle über das Leben seiner Bürger zu entziehen und diese Kontrolle auf Andere umzuverteilen (meist vermeintlich auf den jeweiligen Bürger selbst).
Ein Scheingefecht ist es deshalb, weil der Ansatz am eigentlichen Problem vorbei geht. Das Problem ist nicht, dass der Staat zu viel kontrolliert, sondern dass er es auf die falsche Weise tut. Der richtige Ansatz wäre also nicht, dem Staat Kontrolle zu entziehen, sondern seine Arbeitsweise zu reparieren.

Genau dieser Reparaturgedanke steht ursprünglich hinter Ideen wie Demokratie und Kommunismus, denn beiden liegt die Erkenntnis zugrunde, dass "der Staat" daran krankt, nicht mehr mit "der Gesellschaft" deckungsgleich zu sein, weil Staatsvertreter aus egoistischen Gründen aufgehört haben, Gesellschaftsvertreter (oder griffiger: Volksvertreter) zu sein.
ChronoBoost hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.01.2018 21:59:44
Ich bin jetzt mal so frei bzw. faul und zitiere aus den einschlägigen Quellen (ich hoffe das entspricht der Netiquette), denn besser könnte ich meine Perspektive wohl mit eigenen Worten auch nicht formulieren:
Ist ok. Ich behandle deine Zitate jetzt mal alle auf der Metaebene, weil sie alle auf dem selben Hintergrund fußen.
Dieser Hintergrund ist die Einschätzung, dass "der Staat" als ein Synonym für "die Gesellschaft" eine Utopie ist. Anders als der idealisierte Staat aus den Theorien von Demokratie und Kommunismus war der reale Staat nie ein Synonym für "die Gesellschaft" und wird es auch nie sein, da er in der Praxis immer "Staatspersonal" braucht (Legislative, Exekutive, Judikative) welche aus fehlbaren Menschen besteht und daher inhärent korrumpierbar ist.

Speziell zu Friedman sei dann noch angemerkt, dass er im historischen Kontext natürlich Kind seiner Zeit und Umgebung ist und auch in diesem Kontext gesehen werden muss. Das Gleiche gilt übrigens für die Vertreter des Kommunismus, was mir leider in Betrachtungen zu dem Thema meist zu kurz kommt und woraus leider zu oft intellektuelle Kurzschlüsse folgen, die dann entweder in Vergötterungen oder Verteufelungen gipfeln.
Allen gemein ist, dass ihre Ideen in der Theorie zwar gute Ansätze sind, in der Praxis aber daran kranken, auf echte Menschen mit Fehlern angewendet werden zu müssen. Die sture Umsetzung der Theorien endet dann mit schöner Regelmäßigkeit auch in Katastrophen.

Wie hilft uns all das Theoriegebabbel nun dabei, unsere Probleme zu lösen?
Antwort: Gar nicht. Die grundlegenden gesellschaftlichen Probleme sind nicht lösbar, weil sie auf dem fehlbaren Charakter der menschlichen Natur basieren. Wir können unsere Probleme höchstens von A nach B und wieder zurück schieben, was wir auch mit schöner Regelmäßigkeit tun, wenn wir vom Status Quo mal wieder die Nase voll haben.

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von katzenfan » 17.01.2018 12:34:45

TomL hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
17.01.2018 11:29:04
Gehört Afrika nicht zum Rest der Welt?
Ja, sicher; Afrika ist aber groß, und es hat hier durchaus Hilfsprojekte, die auf lokaler Ebene Hilfe zur Selbsthilfe geben, genauso wie in anderen Regionen.
dass sich ein jeder seine Realität selber passend zurecht redet und die subjektiven Wahrnehmungen abweichend von der Wirklichkeit auf die eigenen Vorstellungen einstimmt...
Es hat viele Realitäten; eine globale Realität. - siehe Überfischung und Verschmutzung der Meere; dutzend regionale Realitäten, die vom jeweiligen geographischen Umfeld mitgeprägt werdene, bspw. via Wüste, Meer, Gebirge, Wald/Regenwald; tausende individuelle Realitäten, die sich dann im jeweiligen Umfeld dadurch zeigen, daß es dem einen gelingt, für sich und/oder andere was zu bewirken, dem anderen nicht.

Selbst bei positivsten Prognosen wird es bei den derzeitigen klimatischen Verhältnissen bspw. nicht gelingen, die Sahara nach europäischen Maßstäben zu besiedeln.

Die Kunst besteht überall darin, herauszufinden, was vom Wünschenswerten überhaupt machbar ist und dieses dann umzusetzen.

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von TomL » 17.01.2018 12:45:36

katzenfan hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
17.01.2018 12:34:45
Afrika ist aber groß, und es hat hier durchaus Hilfsprojekte, die auf lokaler Ebene Hilfe zur Selbsthilfe geben, genauso wie in anderen Regionen.
Ja, Nestle, Müller-Milch und Rheinmetall machen das vorbildlich... nicht wahr.... :roll:

Die Arte-Doku " Bottled Life" zeigt, wie Hilfsprojekte zu sein haben... ebenso wie oben der Link zum ARD-Bericht über Rheinmetall. Vielleicht schaust Du Dir das einfach mal an.

Sorry... ich glaube, so wird das nix....
vg, Thomas

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Lohengrin
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von Lohengrin » 18.01.2018 03:45:48

SGibbi hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
12.01.2018 02:03:40
oder die bittere Armut in den ehemaligen Deutschen Kolonien in Afrika, die uns als ehemalige Kolonialherren beschämen sollte.
Ich war vor ein paar Monaten in Namibia.
Die Deutschen haben diese Kolonie 1915 de facto an die Briten verloren.
An der Alte Feste in Windhoek steht ein Schild, dass die von den Deutschen erbaut wurde, um den Frieden zwischen den miteinander verfeindeten Herero und Nama zu sichern. 1904 waren die beiden dann gegen die Deutschen verbündet. Ich sehe da Parallelen zu Afghanistan heute.
1915 waren dann die Herero mit den Briten gegen die Deutschen verbündet. Und etwas später wurden sie von den Briten interniert.

Besonders interessant war ein Gespräch mit einer Frau, die sich als Herero sieht. Ihr biologischer Vater ist Bure, aber eingetragen ist ein Damara. Ihre Mutter sah sich als Herero. Die Mutter der Mutter war Herero. Und der Vater der Mutter war Deutscher.
Ich fragte sie, ob sie sich wegen ihrer Abstammung als Täter und Opfer in einer Person sieht. Ihre Antwort war, dass, wer Versöhnung wolle, kein Geld fordern würde.
Es gibt ja Leute, die meinen, dass schon ein Opfer sei, wer ein deutsches Großelter habe. Besonders schwer trifft es dann die, die vier davon haben. 8O
Die Frau war an einer Beziehung zu mir interessiert, um in Deutschland leben zu können. Ich habe das abgelehnt, weil ich das nicht der anonymen Allgemeinheit in Deutschland aufs Auge drücken will. Aber ich habe ihr geraten, wegen ihrer Abstammung einen deutschen Pass zu holen. Ihr Opa ist deutsch, ihre Mutter ist deutsch, sie ist deutsch. Das hatte sie aber bereits versucht. Ohne Erfolg.
Danach sprach ich mit einem 65jährigen Namibier, von dem jedes seiner vier Großeltern in Deutschland geboren war. Auch er hatte schon erfolglos versucht, einen deutschen Pass zu bekommen. Er hätte gerne von der Rente aus Deutschland Dauerurlaub in Namibia gemacht.

Das Reiterdenkmal wurde vor Jahren von seinem Sockel entfernt, und vor die Alte Feste gestellt. Auf dem alten Sockel steht eine Statue von Nujoma, direkt vor dem Independence Memorial, das von Nordkorea gebaut wurde, und auch so aussieht.
Inzwischen steht das Reiterdenkmal in der Alte Feste, so dass man es nur sieht, wenn man rein geht. Auf dem Sockel vor der Alte Feste steht jetzt ein Monument mit einem schwarzen Mann und einer schwarzen Frau mit gesprengten Ketten. Darunter ein Bild wie ein Deutscher zwei Schwarze aufgehängt hat. Darüber der Text aus der Hymne: Their blood waters our freedom.
Ich bin dann in ein Bürogebäude neben der Alten Feste gegangen, und habe einen durchs Gitter, herangerufen, wollte von ihm wissen, wer der Kerl auf dem Pferd sei. Das war ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter, der mich dann gleich in sein Büro bat. Er meinte, es sei Kaiser Wilhelm II. Der war es aber nicht, wegen der Hand. Da ich wusste, dass der Enkel von Hendrik Witbooi, der Swapo-Politiker Dr hc Hendrik Witbooi den Kopf seines Großvaters aus dem Überseemuseum in Bremen nach Namibia geholt hat, sprachen wir über den. Der Mann sagte mir, dass der Kopf nicht beerdigt worden sei, sondern im Keller des Museums liege, und irgendwann mal im Independance Memorial feierlich ausgestellt würde.

In Namibia herrscht unglaubliche Verwaltung. Stundenlang schlangestehen und Formulare ausfüllen, ist normal. Man muss zum Wechseln von Bargeld seinen Pass vorlegen, und der Mensch am Schalter muss von Hand eintragen, in welcher Stückelung er das Geld ausgezahlt hat. Beim Bahnfahren muss man seine Fahrkarte unterschreiben, sie wird am Anfang der Reise gelocht, am Ende eingesammelt, und alles wird dokumentiert. Beim Kauf eines Kasten Bieres mit Rückgabe einer leeren Kiste, steht man erst bei der Leergutannahme, der Name wird aufgeschrieben und ins Büro gebracht. An der Kasse dann geht jemand ins Büro und holt den Zettel, dann kommt ein Vorgesetzter, der einen Code eingibt, und am Ende zeichnet ein Wachmann am Ausgang den Kassenzettel ab.
Den Fahrkartenschalter der Eisenbahn muss man suchen. Es gibt kein Schild. Ein Verwalter dort fragte mich, was man denn besser machen könne. Ich sagte, dass ein Schild an der Straße hilfreich sei. Die Antwort war, dass das seit über einem Jahr bestellt sei, aber noch nicht geliefert worden sei. Auf die Idee, so ein Schild mit Pappe und Stift selbst zu malen, kommen die nicht. Ist möglicherweise unerwünscht. Könnte sich ja einer dran verletzten. Und wenn das nicht genehmigt ist. Uijuijui...

Man könnte in Namibia einiges Technisches machen. Man könnte in der fast immer wolkenlosen Wüste eine Wasserstoffproduktion aufbauen, 20 Jahre lang die Hälfte des komprimierten Wasserstoffs als Bezahlung per Schiff nach Deutschland holen, und dann das Ding denen überlassen.
Aber das ist nicht gewünscht. Stattdessen sind da Heerscharen von deutschen Wissenschaftlern, die Nashörner zählen und jahrelang ihre Doktorarbeit darüber schreiben, während sie in eingezäunten Unterkünften residieren und von fünf Leuten bedient werden, die pro Tag 10 Euro bekommen, während Nahrungsmittel teurer als in Deutschland sind.

In Hostels gibt es praktisch keinen weißen Arbeiter. Arme weiße Arbeiter gibt es auch, aber nicht da, wo Touristen sind. Die Touristen haben es offensichtlich gerne, von vielen Schwarzen bedient zu werden. Und sie geben kaum Trinkgeld, so haben mir es jedenfalls einige der Arbeiter gesagt, nachdem ich sie danach gefragt hatte.
Wenn sie dann bekifft waren, erzählten mir die deutschen Touristen oder Doktoranden, dass alle Menschen das Recht hätten, in Deutschland zu leben und von der anonymen Allgemeinheit dort versorgt zu werden.
Auf meine Anmerkung, dass er, wenn er ohne Visum durch die Wüste nach Angola geht, vllt beschossen wird, aber sicherlich, wenn er dort kontrolliert wird, nach Deutschland abgeschoben wird, und Einreiseverbot erhält, kam dann die entsetzte Frage, ob ich denn nicht an die Menschenrechte glauben würde.
Besoffene sprechen oft die Wahrheit. Es geht um Glauben. Das ist etwas Religiöses.

Vor einer Schule fand ich einen Geschichte-Test für Klasse 10.
Die letzte Frage war "Benenne zwei Merkmale eines faschistischen Staats und gibt jeweils ein Beispiel!".
Meine Antwort wäre gewesen "Führerkult und Terror gegen Ungehorsame. Beispiel: In jedem Laden ein Bild vom Präsidenten mit den albernen Ehrentiteln His Excellency und Doktor humoris causa, und Schulverweis für mich.".

Ich hatte vor meiner Reise mit dem Gedanken gespielt, nach Namibia auszuwandern, habe das aber schnell verworfen.
Ich befürchte, in Namibia das erlebt zu haben, wohin die Reise in Deutschland geht.

Und einen Rastamann aus Malawi habe ich noch getroffen. Der hat ua mit einer Gruppe von zehn europäischen Frauen in den 20ern getrommelt. Das Gespräch mit ihm war sehr interessant. Er ist aus Malawi, fühlt sich einer Kultur angehörig, die auf Jamaica von Leuten aus Westafrika gelebt wird, und sieht einen Enkel des Haile Selassi als Kandidaten für den Königsthron der kommenden Eine-Welt-Regierung, weil der in direkter Linie von Salomon abstamme.
Da fügten sich bei mir einige Puzzlestücke zusammen. Und damit bin ich bei der Überschrift: Der 3. Weltkrieg, divide et impera.

Wir sollten vor lauter Schämen nicht das Beobachten und Denken vergessen!
Zuletzt geändert von Lohengrin am 18.01.2018 06:45:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von SGibbi » 18.01.2018 04:41:38

Lohengrin hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 03:45:48
Ich war vor ein paar Monaten in Namibia.
Ich kann nicht mithalten. Dank für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Erste Hand Informationen sind stets sehr wichtig und übertreffen die Einschätzung.

Ich denke, jede Nation und jedes Volk hat seinen ganz eigenen Stolz. Bei US-Farbigen sind Deutsche vergleichsweise beliebt. Obgleich ich nicht weiß warum. Und ob das überhaupt ehrlich gemeint ist. Es könnte ja auch Angst sein. Daß wir uns nicht in allen Teilen der Welt beliebt gemacht haben, ist auch mir nicht entgangen.

Obgleich ich selbst damit angefangen habe, bin ich erstaunt, welche Akzeptanz und Diskussion Afrika hier bekommen hat. Nee, bin technischer Ingenieur. Wenn ich es könnte, würde ich dort fertigen lassen. Zugegeben, weil es billig ist. Aber auch, um den Menschen in ihrer Heimat ein (hoffentlich) vernünftiges Einkommen zu geben.

Leben und Leben lassen.

Mehr Antwort an Andere, sobald ich Zeit finde, das alles mal zu lesen.
The police are uneducated, evil, and sadistic. Do not trust them.
(Ian Murdock)

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von Lohengrin » 18.01.2018 05:19:37

Ist zwar schon fast ein Jahr alt, aber es ist mein Lieblingsthema.
Jana66 hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
26.01.2017 19:59:48
stellt sich mir eine Frage: Ist Juristik wirklich eine Wissenschaft oder Willkür?
...
Naturwissenschaft beruht auf halbwegs genauen Voraussagen (Naturgesetze) für allgemein nachvollziehbare Erfahrungswerte, Experimente, Tatsachen. "Rechtswissenschaften" beeinflussen jedoch die gesellschaftlichen und moralischen Erfahrungswerte und Tatsachen.
...
Alles in allem ein großer Unterschied zur recht objektiven Naturwissenschaft??? Deren Tatsachen und Ergebnisse und Vorhersagen (Gesetze) sind von jedem anderen Naturwissenschaftler verifizierbar. Eindeutiges Ziel ist die Vorhersage von natürlichen oder technisch geschaffenen Gegebenheiten. Keine gesellschaftliche oder soziale Willkür. Es gibt wohl keinen Naturwissenschaftler, der ein Naturgesetz selbst schafft oder schaffen will. (Es gibt leider auch unbeweisbare Erfahrungssaetze, z. B. Maxwellsche Gleichungen.)
Das Problem ist, dass der Begriff Gesetz zwei Bedeutungen hat.

Der Naturwissenschaftler beschreibt mit seinen Gesetzen etwas, das messbar ist. Er misst, wendet seine Gesetze auf die Messwerte an, und macht Vorhersagen für andere Messwerte. Wenn die Vorhersage stimmt, dann sind die Gesetze richtig. Wenn nicht, sind sie falsch. Das Ganze ist reproduzierbar und falsifizierbar.

Der Jurist stellt Forderungen an andere Menschen. Er will sein gewünschtes Ergebnis haben, und formuliert seine Forderung als Gesetz, um dem den Anschein von Wissenschaft zu geben. Aber hier soll sich das Ergebnis dem Gesetz anpassen, und nicht umgekehrt.
Dass inzwischen ein Wust von Gesetzen existiert, die eine groteske Ansammlung von Widersprüchen sind, führt nicht dazu, dass Juristen ausgelacht werden. Stattdessen wirkt ein massenpsychologischer Effekt, nämlich etwas Religiöses. Mit heiligen Handlungen und Sprüchen wird das Denken betäubt, und die Herde rennt blind in die vom Leithammel vorgegebene Richtung.
Die meisten Juristen sind, wie bei anderen Religionen auch, selbst Gläubige. Aber die hochrangigen Führer wissen, was gespielt wird, sonst wären sie nämlich nicht in diese hohen Ränge aufgestiegen.

Ein wichtiges Ereignis zur Errichtung des Rechtsstaats war die Französische Revolution und dessen Fortsetzung durch Napoleon.
Die alte Religion sollte vernichtet werden. Stattdessen wurde die neue Religion auf dem Reißbrett entworfen. Funktioniert hat es nicht sofort. Es kam, wie immer, wenn man Religionen zu schnell verändern will, zur Katastrophe. Aus den Trümmern entsteht dann das alte System wieder, hat allerdings eine Veränderung erhalten. Erst im Laufe der nächsten Generationen kommt es zur großen Veränderung.

Die Menschen in 500 Jahren werden über diese Zeit genauso verwundert sein wie wir es über die Religiösität des Mittelalters sind.
Näheres dazu steht in Psychologie der Massen von Gustave Le Bon.


Ich bemerke seit Jahren alle paar Wochen einen mir neuen juristischen Klopper. Ich nehme es inzwischen einfach nur noch zur Kenntnis, denn ich weiß, dass es bei Bekehrungsversuchen keinen Unterschied macht, ob man einen oder hundert davon nennt. Man erzeugt bei Gläubigen dadurch nur Feindschaft.
Harry, hol schon mal das Rasiermesser!

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von Lohengrin » 18.01.2018 06:25:55

SGibbi hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 04:41:38
Ich denke, jede Nation und jedes Volk hat seinen ganz eigenen Stolz.
Ein beliebter Fehler ist es, Völker als etwas Konstantes anzusehen. Völker entwickeln sich. Aus mehreren Völkern kann ein Volk werden. Und ein Volk kann in Teile zerfallen.
Ein anderer Fehler, der weltweit nur von wenigen gemacht wird, aber ein Dogma der Eine-Welt-Bewegung ist, ist, dass es keine Völker gäbe, dass wir alle gleich seien. Wer das verinnerlicht hat, erkennt nicht mehr, wo jemand anders als er ist. Damit verliert er die Chance, von dem anderen zu lernen.
Ich bin zB sehr beeindruckt von Chinesen. Ich verstehe nämlich nicht, wie die ticken, aber ich weiß, dass das, was die tun, auch funktioniert.
Die Behauptung, dass Männer und Frauen gleich seien, ist noch so ein Dogma. Ich halte diese Dogmen der Nichtexistenz von Unterschieden für ein Mittel zur Verblödung, leider ein sehr erfolgreiches.
SGibbi hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 04:41:38
Wenn ich es könnte, würde ich dort fertigen lassen. Zugegeben, weil es billig ist. Aber auch, um den Menschen in ihrer Heimat ein (hoffentlich) vernünftiges Einkommen zu geben.
Da hast du es in Namibia sehr schwer. Du musst nämlich nach Quote einstellen. Besonders wichtig sind formally disadvantaged persons. Du solltest besser nicht nach recently disadvantaged fragen. Es ist in Namibia sehr schwer, brauchbares Personal zu finden. Und wenn du es gefunden hast, darfst du es nicht einstellen.

Der hier übliche Ablauf des Lebens, wo Information noch relativ effizient verteilt wird, funktioniert dort einfach nicht. Es gibt zum Beispiel keinen aktuellen Zugfahrplan. An Geschäften hängen keine Öffnungszeiten. Du fragst dich von Pontius nach Pilatus durch, und jeder, der Information hat, sorgt sich anscheinend darum, sein Monopol darauf zu behalten. Ich wolle die Rössing Uranmine besuchen, und ging acht Tage vor dem gemeldeten Termin zu deren Büro. Dort sagte man mir, dass es ausnahmsweise schon eine Woche früher soweit sei, also am nächsten Tag. Ich sagte das im Hostel anderen Gästen, und vier weitere, die gar nicht wussten, dass es diese Mine gibt, wollten dann auch dort hin. Der Bus war dann auch fast leer. Wie viele in der nächsten Woche gesagt bekommen haben, dass es dann erst wieder in vier Wochen so weit sei, weiß ich nicht.
Bei Rössing funktionierte dann die Powerpoint-Präsentation nicht. Wir bekamen dann aber eine Hochglanzbroschüre mit viel Blabla. Die technische Information war miserabel bis falsch, mal Milli statt Mikro, Zahlen über eingespartes Kohlendioxid, die nach Überschlagsrechnung Faktor 50 daneben lagen. Die hübschen Frauen, die uns begleiteten, hatten leider keine Ahnung und konnten nur ihren Text ablesen. Wichtig war aber, dass keiner am Abend vorher Alkohol trinken durfte, weil es dort eine Null-Promille-Genze auf dem Grundstück gibt. Dabei waren wir nur im Vortragsraum, im Bus und auf dem eingezäunten Aussichtspunkt, der natürlich wieder nach seiner Exzellenz benannt war.

In einem Hostel war es anscheinend üblich, dass da Diebe reinkommen und Mobiltelefone suchen. Die Tür öffnete mit einem Zahlencode, der seit Wochen nicht verändert wurde. Das Problem ließe sich leicht lösen, indem man einen Menschen an die Tür stellt. Es waren genug Arbeiter beschäftigt, insbesondere mehrmals täglich auf einer Sandfläche die Fußspuren wegzuharken. Ich hätte ja erwartet, dass das erfolgreiche Verhindern von Diebstahl dem Hostel einen Wettbewerbsvorteil bringt. Aber anscheinend ist das dort egal.
Das Grundstück war mit einem Elektrozaun auf der Mauer abgesichert. Der war nicht gegen Paviane gedacht, sondern gegen Menschen. Wenn das funktioniert, dann sind die Diebe dort tatsächlich zu blöd, Elektrikerwerkzeug zu benutzen.
Harry, hol schon mal das Rasiermesser!

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hikaru
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von hikaru » 18.01.2018 11:10:21

SGibbi hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 04:41:38
Ich denke, jede Nation und jedes Volk hat seinen ganz eigenen Stolz.
Das ist richtig und wäre kein Problem, wenn sich dieser Stolz nicht allein auf die Zugehörigkeit zu einer Nation oder einem Volk beziehen würde.
Stolz ist man auf etwas, das einen von anderen abhebt. Einem bestimmten Volk anzugehören hebt einen aber nicht von anderen ab, es unterscheidet einen höchstens. Insbesondere liegt in einer Volkszugehörigkeit kein persönlicher Verdienst und ich finde, nur darauf kann man wirklich stolz sein - gern auch stellvertretend auf die Leistungen Anderer, zu denen man selbst beigetragen hat (besonders Eltern auf ihre Kinder, aber auch Lehrer auf ihre Schüler oder Trainer auf ihre Sportler).
SGibbi hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 04:41:38
Bei US-Farbigen sind Deutsche vergleichsweise beliebt. Obgleich ich nicht weiß warum. Und ob das überhaupt ehrlich gemeint ist. Es könnte ja auch Angst sein. Daß wir uns nicht in allen Teilen der Welt beliebt gemacht haben, ist auch mir nicht entgangen.
Ich denke es ist (überwiegend) ernst gemeint und hat im Wesentlichen zwei Ursachen:

1. Schwarzen US-Militärangehörigen wurde wohl nach dem zweiten Weltkrieg von Deutschen weniger Rassismus entgegengebracht, als von den eigenen weißen Kameraden. Nicht dass das nach heutigen Maßstäben auch nur als annähernd politisch korrekt angesehen werden könnte, aber den Effekt gab es wohl.
Das mag daran liegen, dass A: gegenüber Deutschen selbst der schwarze US-Soldat in einer Machtposition war, weshalb sich Deutsche in ihrem natürlich vorhandenen Rassismus zurückgehalten haben, und B: die Deutschen den "schwarzen Untermenschen" im Gegensatz zum "jüdischen Untermenschen" nicht so sehr als kulturelle Bedrohung ansahen. Auch heute noch ist der deutsche Rassismus gegenüber Schwarzen ein Klacks gegenüber dem, was in den USA üblich ist.

2. Das ist mehr auf (gebildete) US-Bürger allgemein gemünzt als speziell auf Schwarze: Abseits vom Nazi-Klischee wird Deutschland in den USA viel mehr als eine große Kulturnation gesehen als hierzulande. Auch die "deutsche" Arbeitsmoral und Technik ist da nach wie vor legendär (zumindest war sie es vor VW ;) ). Beides flößt im positiven Sinn Respekt ein.

Ich hatte vor einigen Jahren auf einer Urlaubsreise eine Gruppe US-Schüler (15-17 Jahre) in meiner Reisegruppe, von denen die meisten sogar ganz passables Deutsch sprachen. Darunter war auch ein Mädchen das nach US-Maßstäben als "schwarz" gilt (nach brasilianischen Maßstäben als "weiß"), das mir sagte, dass sie gern in Gesellschaft von Deutschen bzw. (West?)Europäern allgemein ist, weil ihre Hautfarbe da kein omnipräsentes Thema ist, was sie in den USA nur aus ihrem engsten Freundeskreis kennt.

Lohengrin hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 05:19:37
Das Problem ist, dass der Begriff Gesetz zwei Bedeutungen hat.

Der Naturwissenschaftler beschreibt mit seinen Gesetzen etwas, das messbar ist. Er misst, wendet seine Gesetze auf die Messwerte an, und macht Vorhersagen für andere Messwerte. Wenn die Vorhersage stimmt, dann sind die Gesetze richtig. Wenn nicht, sind sie falsch. Das Ganze ist reproduzierbar und falsifizierbar.

Der Jurist stellt Forderungen an andere Menschen. Er will sein gewünschtes Ergebnis haben, und formuliert seine Forderung als Gesetz, um dem den Anschein von Wissenschaft zu geben. Aber hier soll sich das Ergebnis dem Gesetz anpassen, und nicht umgekehrt.
Deshalb nutze ich im naturwissenschaftlichen Kontext fast immer das Wort "Naturgesetz", denn da wird mMn sofort klar, dass das nicht verhandelbar ist. Im juristischen Kontext geht das leider nicht. "Juristengesetz" ist ohne Darstellung des Kontrasts nicht verständlich.
Lohengrin hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 06:25:55
Ich bin zB sehr beeindruckt von Chinesen. Ich verstehe nämlich nicht, wie die ticken, aber ich weiß, dass das, was die tun, auch funktioniert.
Mir geht es genauso, und ich arbeite nun seit über 10 Jahren mit verschiedenen Chinesen zusammen. Ich habe ein paar Eigenheiten aufgeschnappt, die manches an Ansichten und Verhalten erklären, aber ich habe immer noch kein schlüssiges Gesamtbild.
Unter den ganzen chinesischen Kollegen gibt es genau einen der so weit in die deutsche Gesellschaft assimiliert ist, dass er allein in ihr klar kommt. Alle anderen sind auf Rücksichtnahme oder gar Hilfe seitens der Deutschen angewiesen. Und ich habe den Eindruck, dass ihn seine Assimilation von den anderen Chinesen ein Stück weit entfremdet hat. Intern haben wir den Running Gag, ihn doppelt zu zählen: "Es sitzen sieben Personen am Tisch, vier Deutsche und vier Chinesen."

Zum Rest deine Beiträge:
Vielen Dank für die interessanten Einblicke!

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SGibbi
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von SGibbi » 18.01.2018 14:26:57

hikaru hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 11:10:21
Lohengrin hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 06:25:55
Ich bin zB sehr beeindruckt von Chinesen. Ich verstehe nämlich nicht, wie die ticken, aber ich weiß, dass das, was die tun, auch funktioniert.
Mir geht es genauso, und ich arbeite nun seit über 10 Jahren mit verschiedenen Chinesen zusammen. Ich habe ein paar Eigenheiten aufgeschnappt, die manches an Ansichten und Verhalten erklären, aber (...) Zum Rest deine Beiträge: Vielen Dank für die interessanten Einblicke!
Meine Antwort muß recht kurz ausfallen. Da es offensichtlich um den Job geht, soll sie dennoch kommen. Zeitweise dachte ich, ich könnte Japaner erkennen. Ich kann es bis Heute nicht, oft sind es Shenzen Chinesen. Dann dachte ich, ich könne Koreaner erkennen. Tatsächlich kann ich nicht einmal Nord- und Südkorea unterscheiden, zumindest nicht, wenn die vor mir stehen.

Mein erster intensiver Kontakt mit Asien war ein Studentenjob bei JVC in Frankfurt. Als Inhaber des VHS Videorecorder Patent waren die damals (späte 1980er) ziemlich groß und eitel, und da ich gerne Reis esse, konnte ich in der Kantine auch Kontakt zu wirklich "hohen Tieren" gewinnen. Ähnlich lief es mit TEAC in Wiesbaden.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur empfehlen, Asiaten, gleich welchen, das offene Gespräch anzubieten. Wir Europäer sind für die durchsichtig wie Fensterglas, was sich unangenehm anfühlen kann. Zuletzt wurde ich hier in München von einer Indonesierin auf meine Mietfähigkeit geprüft. Bei solchen Themen braucht es dann doch Fingerspitzngefühl. Tatsächlich sind alle mir bekannten Asiaten fürchterlich neugierig, daher einem offenen Gespräch niemals abgeneigt. Sie geben dann auch sehr viiel von sich selbst preis, falls Du das bemerkst und anerkennst. Du darfst halt nicht "mauern",(Leiche im Keller) nur dann klappt das schon.

Du mußt allerdings aufpassen, wann es genug ist. Das merkt man als Europäer nicht. Kommt von einem Asiaten die Frage "was wollen Sie noch" ist das Gespräch höflichst zu beenden. "I was alone at home going downtown to meet some people" verstehen Asiaten zwar überhaupt nicht, lassen es aber als Entschuldigung durchgehen.

Falls Du eine schöne Asiatin (Philippinin) ansehen willst: www.ilovelux.com. Ich bin auf sie aufmerksam geworden, weil sie ein Kochbuch zum Thema Muttermilch geschrieben hat. Besonders das alte Teaser Video (von Mike Ho) mochte ich sehr. Egal wie Du es siehst, es räumt mit vielen Vorurteilen gegenüber Asiaten auf. Ich hätte nicht einmal erkannt, daß sie überhaupt eine Asiatin ist.

Asiaten schätzen Offenheit und Ehrlichkeit. Und selbstrtedend Respekt vor ihrer eigenen Kultur, die man als Europäer erfragen darf. Mit ein wenig Anstand klappt das dann in aller Regel.
The police are uneducated, evil, and sadistic. Do not trust them.
(Ian Murdock)

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