Prüfungen am Computer ablegen

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paedubucher
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Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von paedubucher » 31.12.2017 15:42:54

Hat hier jemand schon mit dem Ablegen von Prüfungen/Klausuren am Computer Erfahrungen gemacht? Hier eine Anekdote dazu:

Ich studiere Informatik an einer Fachhochschule. Dieses Semester hatten wir eine Vorlesung zum Thema Datenbanken. Der Professor – nennen wir ihn Cybert – ist ein durch und durch moderner Mensch: mit Tablet und Smartphone ausgerüstet hält er seine Vorlesung, die so lange dauert, bis er seine Kinder von der Krippe abholen muss. SQL, relationale Datenbanken und Normalisierung wurden behandelt und als eher altbacken und überholt abgetan. Cybert redet oft von Digitalisierung und hält nur wenig von bedrucktem Papier.

Darum will Cybert auch, dass die Studierenden die Prüfung digital ablegen – zumindest was seinen Teil des Stoffes betrifft, denn es gibt noch den Themenbereich relationale Algebra, der von einem anderen Professor behandelt worden ist. Dieser soll traditionell auf Papier geprüft werden. Aber Cybert will sich nicht mit Papier herumschlagen müssen.

Damit die Prüfung digital durchgeführt werden kann, müssen die Studierenden auf ihren Laptops eine spezielle Software installieren, den Safe Exam Browser. Dieser läuft – auf Windows und MacOS – im sogenannten Kiosk-Mode, der verhindert, dass der Kandidat während der Prüfung andere Applikationen öffnen oder auf die Zwischenablage zugreifen kann. Linux-User müssen einen Laptop mit Windows mitbringen oder von der Schule ein Prüfungsgerät ausleihen.

Um sicherzustellen, dass die Software auch wirklich bei allen Studierenden läuft, wurde ein Probedurchgang mit alten Prüfungsfragen absolviert. Zwar hatte ich den Safe Exam Browser installiert, konnte jedoch die Probeprüfung nicht starten. Von der Fehlermeldung nicht schlauer geworden bat ich den Assistenten um Hilfe. Dieser erkundigte sich, ob denn die richtige Version des Safe Exam Browsers installiert worden sei. Auf die Antwort, dass die neueste Version von der offiziellen Webseite installiert worden sei, entegnete er, dass nur die Version funktioniere, die auf der Schulplattform abgelegt worden ist.

Tatsächlich erstellt der Browser beim Start eine Prüfsumme um mögliche Manipulationen an der Software auszuschliessen. Unterscheidet sich die Version auch nur in einem Bit von der vorgesehenen, kann die Prüfung nicht gestartet werden. Zugegeben: das ergibt aus sicherheitstechnischer Perspektive Sinn.

Nach einer Neuinstallation mit der betreffenden Version ging es dann auch einen Schritt weiter. Doch wieder funktionierte etwas nicht, denn beim nächsten Schritt muss man sich auf der Schulplattform einloggen. Da ich dem oft von Sicherheitsexperten geäusserten Rat folgend einen Passwortmanager verwende und der Zugriff auf eine weitere Anwendung vom Safe Exam Browser unterbunden wird, konnte ich nicht auf den Passwortmanager zugreifen und mich somit nicht einloggen.

Das Passwort für die Schulplattform, das zudem als WiFi-Passwort auf mehreren meiner Geräten inklusive dem für die Prüfung verwendeten Laptop hinterlegt ist, musste also geändert werden. Dies war schnell getan, doch musste das neue Passwort anschliessend für die WiFi-Verbindung hinterlegt werden, damit im Falle eines kurzen Unterbruchs eine neue Verbindung mit dem Netzwerk erstellt werden kann.

Endlich funktionierte alles, die Probeprüfung konnte bearbeitet und erfolgreich abgeschlossen werden. Schnell noch das temporär gewählte Passwort wieder durch die sichere Variante aus dem Passwortmanager ersetzen, damit die WiFi-Verbindung auf dem Smartphone, auf dem Kindle und unter Linux – für die Prüfung musste Windows verwendet werden, denn der Safe Exam Browser läuft auf Linux nicht im Kiosk-Mode – auch wieder funktioniert. Leider konnte das Passwort nicht auf die vorherige Version zurückgestellt werden, da die Passwort-Policy der Hochschule das nicht erlaubt. So musste also das kürzere, leichter merkbare und somit durchaus weniger sichere Passwort beibehalten bzw. auf allen anderen Geräten und Installationen angepasst werden.

Nach der Prüfung konnte ich noch ein Gespräch zwischen dem Assistenten, der für die technische Umsetzung der Probeprüfung verantwortlich war, und Cybert mitlauschen. Der Assistent empfehlte Cybert, die Prüfung sicherheitshalber auch als ausgedruckte Version dabei zu haben, nur für alle Fälle… Das Argument des Papiersparens würde dann wegfallen. Dem musste sich Cybert also entschieden verwehren! Das für die technische Umsetzung der Prüfung vorgesehene Zeitbudget von 80 Stunden sei – ich hoffe, ich habe mich dabei verhört! –, so der Assistent, auch bald aufgebraucht.

Auf die Tatsache hingewiesen, dass die neueste Version des Safe Exam Browsers, der übrigens mit Systemrechten laufen muss, einige Sicherheitslücken schliesse, die in der zu verwendenden Version noch klafften, meinte der Assistent, dass man für die wirkliche Prüfung schon noch eine neuere Version verwenden könnte. In der letzten Vorlesungsstunde, als über die Prüfung informiert wurde, war aber wiederum von Version 2.1.7 die Rede – die Version mit den Sicherheitslücken. Diese Version müsse zwingend an der Prüfung verwendet werden.

Unterm Strich müssen sich ca. 30 Studierende eine Software auf ihren Rechner installieren, die bekannte Sicherheitslücken aufweist. Diejenigen, die zur Speicherung ihres sicheren Schulpassworts einen Passwort-Manager verwenden, müssen dieses anpassen. Weiter müssen alle Kandidaten mindestens 15 Minuten früher zur Prüfung erscheinen, damit genügend Zeit besteht, die Technik noch einmal zu testen. Sollte es auch nur an einem Rechner nicht funktionieren, würde das den ganzen Prüfungsablauf nach hinten schieben und zwar für alle Kandidaten. Der Assistent hat scheinbar mehrere Tage oder gar Wochen Zusatzaufwand. Aber Hauptsache Cybert muss sich nicht mit Papier herumplagen. In der Ökonomie bezeichnet man dies auch als externalisierte Kosten.

Nun frage ich mich: Muss das so schlecht sein? Ginge das nicht irgendwie besser? Hat jemand positive Erfahrungen mit elektronischen Prüfungen gemacht? Wenn ja: welche Infrastruktur kam dabei zum Einsatz? Programieren auf Papier ist zugegebenermassen umständlich, aber wenn unter einem Jahrgang von Informatik-Studierenden ausnahmslos das Bedürfnis vorherrscht, die Prüfung doch bitte auf Papier ablegen zu können, muss etwas grundlegend falsch gelaufen sein.
Habe nun, ach! Java
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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von MSfree » 31.12.2017 17:16:06

Ganz ehrlich, an deiner Stelle würde ich glatt ein Prüfungsgerät von der Schule beantragen, alles andere wäre mir viel zu riskant. Auch deinen Kommolitonen würde ich empfehlen, das zu tun. So viele Geräte, wie dann gebraucht würden, hat die Hochschule wahrscheinlich gar nicht, so daß die Prüfungsleitung dann wohl gezwungen wäre, die Prüfung in Papierform durchzuführen.

Zu meiner Zeit wurden praktische Programmierprüfungen noch mit Floppydisketten durchgeführt. Man bekam die vorbereitete Floppy ausgehändigt, konnte davon booten und die Aufgaben erledigen. Die Ergebnisse wurden auf die Floppy gespeichert und dann abgegeben. Magnetspeicher statt Papier. :mrgreen:

Aber, beim dem, was du sonst noch zu den Modalitäten schreibst, hätte ich jedenfalls keine Lust, meinen eigenen Laptop für die unerwünschte Software zu opfern. Entweder die Stellen die passende Hardware oder gehen auf die Papierform.

Wie sieht es eigentlich aus, wenn du diesen Safebrowser in einer unter Windows laufenden VM installierst? Die könnte man hinterher wenigstens rückstandslos löschen (und zum Schummeln könnte man auf das Hostsystem zurückgreifen).

paedubucher
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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von paedubucher » 31.12.2017 17:29:14

MSfree hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 17:16:06
Ganz ehrlich, an deiner Stelle würde ich glatt ein Prüfungsgerät von der Schule beantragen, alles andere wäre mir viel zu riskant.
Die Frist dazu ist leider schon abgelaufen, aber beim nächsten Mal werde ich das auch tun, gerade nach den gemachten Erfahrungen.
MSfree hat geschrieben: Auch deinen Kommolitonen würde ich empfehlen, das zu tun. So viele Geräte, wie dann gebraucht würden, hat die Hochschule wahrscheinlich gar nicht, so daß die Prüfungsleitung dann wohl gezwungen wäre, die Prüfung in Papierform durchzuführen.
So eine Aktion werde ich bei nächsten Mal organisieren. Ich brauche nur zwei, drei Mitstreiter und schon gewinnt die Sache an Fahrt.
MSfree hat geschrieben: Zu meiner Zeit wurden praktische Programmierprüfungen noch mit Floppydisketten durchgeführt. Man bekam die vorbereitete Floppy ausgehändigt, konnte davon booten und die Aufgaben erledigen. Die Ergebnisse wurden auf die Floppy gespeichert und dann abgegeben. Magnetspeicher statt Papier. :mrgreen:
Mit einem speziellen Prüfungsraum und einem Prüfungsnetzwerk liesse sich so eine Variante auch mit moderneren Mitteln umsetzen.
MSfree hat geschrieben: Aber, beim dem, was du sonst noch zu den Modalitäten schreibst, hätte ich jedenfalls keine Lust, meinen eigenen Laptop für die unerwünschte Software zu opfern. Entweder die Stellen die passende Hardware oder gehen auf die Papierform.
Meine Windows-Installation habe ich mir damit jetzt schon verseucht. Nächstes Jahr gibt es einen neuen Rechner, 1366x768 Pixel sind für die Welt da draussen einfach zu wenig. Dort kommt mir dann kein Windows mehr drauf, und für Prüfungen verwende ich dann schulisches Gerät oder mein aktuelles Gerät, das mir dann als Ersatz dient.
MSfree hat geschrieben: Wie sieht es eigentlich aus, wenn du diesen Safebrowser in einer unter Windows laufenden VM installierst? Die könnte man hinterher wenigstens rückstandslos löschen (und zum Schummeln könnte man auf das Hostsystem zurückgreifen).
Der Safe Exam Browser erkennt, dass er auf einer VM läuft. Ein Kollege hat es nämlich vor der Prüfung versucht. Ein ordentlicher Hack liesse sich so umsetzen: Zu Hause lässt man eine Kiste mit dem Safe Exam Browser laufen und verbindet sie per VPN mit der Schule. Dann greift man per RDP auf die Kiste zu Hause zu und macht die Prüfung damit. Oder kann eine Applikation etwa verweigern, ihren Inhalt bei bestehender RDP-Verbindung anzuzeigen? Die Software stammt übrigens von der ETH, da haben dort sicher den ein oder anderen schlauen Kopf. Von daher kann ich mir vorstellen, dass auch dieser Hack nicht funktionieren würde.
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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von uname » 31.12.2017 18:25:37

Habe nicht alles gelesen. Dein Prof. hat IT nicht verstanden. Aber ist vielleicht Standard und billig. Danke für den Einblick in den heutigen Studienalltag. Früher hätte man Zeit und Geld für Papier und nicht für Installation verwendet ;-) Muss aber alles modern sein. Faul ist er auch. Wofür hat man Hilfskräfte? Wo ist die Kameraüberwachung? Würde immer ein gestelltes Gerät verwenden. Auf meinen Privatrechner kommen auch keine Firmendaten oder umgekehrt. Und am Ende wenn was bei BYOD schief geht ist man selbst der Dumme.

Wer garantiert die Sicherheit der privaten Daten auf BYOD-Geräten mit unbennter bzw. ungewollter Software? Sie ist ja nicht mal sicher, was deren Aufgabe sein sollte ;-)


Scheinbar ist es gar kein Browser ...


Hier mal einen sicheren Browser. Auf USB und booten. Evtl. leicht anpassen. Kostet auch nichts. Booten moderne Geräte noch von USB?

https://webconverger.org

Gerne in Verbindung mit https://www.limesurvey.org/de

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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von Meillo » 31.12.2017 20:58:22

Schade, dass ihr scheinbar keine Studenten mit Behinderungen habt, die entweder gar keine Computer nutzten koennen (das waere natuerlich lustig in der Informatik) oder nur in speziellen Softwareumgebungen arbeiten koennen. Fuer die muesste man ja einen Fallback haben. Wuerde mich stark interessieren wie der dann aussehen wuerde.


Programmieren von Hand auf Papier sind zwar nicht unbedingt das was dem Berufsalltag entspricht, aber es lehrt einige wichtige Lektionen, darum finde ich das (nachdem ich es durchgemacht habe) nicht mehr falsch. Viel wichtiger fand ich aber, wenn man zu Pruefungen Material und Informationen mitnehmen durfte. Da sollte IMO die Loesung liegen: Lasst den Studenten doch ihre Rechner offen, macht dafuer die Aufgaben schwerer. ;-) Also stellt Aufgaben, bei denen man selbststaendig denken muss, dann hilft einem das Internet auch nichts. Bloss einen WLAN-Stoersender muesste man natuerlich aufstellen ... oder als Pruefer ebenfalls dem dann zwangslaeufig entstehenden Chatraum beitreten und das dort Geschiebene in die Bewertung einfliessen lassen. ;-)

Ich selber halte von diesem ganzen Technik-Schnick-Schnack nichts. Gedacht hat man schon immer mit Stift und Papier, dafuer braucht's keine Computer. Als Pruefling wuerde mich die Technik nur ablenken. Lieber waer's mir also ohne. (Bloss beim Schreiben von reinem Text bin ich mit zehn Fingern sehr viel schneller ... und lesbarer. ;-) )
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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von TBT » 31.12.2017 21:08:39

Was passiert eigentlich, wenn dir am Abend vor der Prüfung der private Laptop abraucht?
Da müssen sie ja Ersatzgeräte vorhalten, das kann ja immer mal passieren - im Worst Case bei allen Prüfungsteilnehmern ;)

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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von guennid » 31.12.2017 21:49:28

Ganz früher soll der Rohrstock mal eine moderne pädagogische Methode gewesen sein.
Man ist versucht hikaru zu glauben: Die Formen ändern sich, der Unverstand nicht.

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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von Jana66 » 31.12.2017 21:50:44

paedubucher hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 15:42:54
Ich studiere Informatik an einer Fachhochschule.
Der weitere Text in Relation dazu:
Ich würde zum Prüfungsamt gehen, allgemeine Pruefungsbedingungen einsehen oder Schule wechseln, Dummheit selbsternannter "Experten" und deren Lakeien spricht sich unter Firmen rum.
So eine Aktion werde ich bei nächsten Mal organisieren. Ich brauche nur zwei, drei Mitstreiter und schon gewinnt die Sache an Fahrt.
Schon mal an was Wichtigeres als an Karriere-Aktionen gedacht? Die Alt-68er verachten und herrschen nicht umsonst ... (Ich gehöre nicht dazu.)

Da ich oft korrigiere und trotzdem Kürze und Übersichtlichkeit mag, habe ich sogar meine Prüfungen vertrauensvoll mit Bleistift und Radiergummi geschrieben. Da ich keine einzige "W" hatte, gehe ich mal davon aus, das ich der einzige Radierer meiner Prüfungsarbeiten war. Gab nie eine Rückfrage zur "Radierung".
Tatsächlich erstellt der Browser beim Start eine Prüfsumme um mögliche Manipulationen an der Software auszuschliessen. Unterscheidet sich die Version auch nur in einem Bit von der vorgesehenen, kann die Prüfung nicht gestartet werden. Zugegeben: das ergibt aus sicherheitstechnischer Perspektive Sinn.
Selbst entwickelte Technik dieser "Institution" (alternativlos? welcher Nutzen?) scheint nicht praktikabel zu sein. Wenn trotzdem benutzt/verlangt, nennt man das entweder Dummheit, Arroganz oder Weltfremdheit. Wird am Arbeitsmarkt selten verlangt.
Unterm Strich müssen sich ca. 30 Studierende eine Software auf ihren Rechner installieren, die bekannte Sicherheitslücken aufweist. Diejenigen, die zur Speicherung ihres sicheren Schulpassworts einen Passwort-Manager verwenden, müssen dieses anpassen. Weiter müssen alle Kandidaten mindestens 15 Minuten früher zur Prüfung erscheinen, damit genügend Zeit besteht, die Technik noch einmal zu testen. Sollte es auch nur an einem Rechner nicht funktionieren, würde das den ganzen Prüfungsablauf nach hinten schieben und zwar für alle Kandidaten. Der Assistent hat scheinbar mehrere Tage oder gar Wochen Zusatzaufwand. Aber Hauptsache Cybert muss sich nicht mit Papier herumplagen. In der Ökonomie bezeichnet man dies auch als externalisierte Kosten.
Ich nehme mal kackfrech an, Effizienz ist in der Privatwirtschaft ein höheres Gut als im öffentlichen Dienst. Wirst wohl künftigen Beruf und Schule "abgleichen" müssen. Sapere aude - sonst tun es andere für oder über dich. Vielleicht seid ihr auch nur Versuchskaninchen. Selbst das würde mir nicht passen ...

"Kreuzelpruefungen" gab es bei uns noch nicht, wir mussten selber rechnen, uns artikulieren.
. SQL, relationale Datenbanken und Normalisierung wurden behandelt und als eher altbacken und überholt abgetan.
Rückblickend muss ich sagen, ich weiß von allem etwas und von nichts richtg. Normalformen relationaler Datenbanken sind erst Wissenschaft und dann hat man's im Gefühl. Zumindest bis 3. NF, die meist genügt. Ich musste damit mal mein Brot verdienen, das selber lernen. Am Ende hat meine Firma damit Rechnungen für eine öffentliche Vermittlungsstelle gegenüber Endkunden und Telekom (hochtrabend Interconnection) erstellen können. Einschließlich Einzelverbindungsnachweis. SQL auf relationale DB und aufgehuebschte Darstellung entsprechend Wünschen der Buchhaltung. Im nächsten Leben würde ich mir die Schule besser zu meinen Fähigkeiten passend aussuchen. Meine Studienrichtung würde ich wieder wählen.

Mein Rat für dich: Die Pruefungsorganisation (mit Heulen und Zähneklappern beschrieben) ist doch nur lebensferner, nicht mal akademischer Kleinkram/Pippifax, stelle dir besser prinzipielle (Zukunfts-/Bildungs-/Lebens-) Fragen! Ein Theater machst du wegen der (Des-) Organisation einer einzigen Prüfung.
Unterm Strich müssen sich ca. 30 Studierende eine Software auf ihren Rechner installieren, die bekannte Sicherheitslücken aufweist.
Du armer Kleiner! Soll sogar Menschen geben, die frieren und hungern. Das sind nicht deine Probleme und du jammerst trotzdem?

Was meinst du, was dich im "Real Life" erwartet, wenn Mutti und Vati dich offenbar zu viel behütetes Einzelküken (?) in der wohl ersten Lebenskrise (?) nicht mehr hoffnungsvoll bebrueten, füttern? Mein Gott, ein Weichei-Thread um Prüfungsorganisation und offenbar zu faul oder zu doof, zum Prüfungsamt zu gehen, Pruefungsbedingungen einzusehen? :facepalm:

Eine ganz große Dose Mitleid für 2017 schenkt und etwas mehr Lebens- und Denkkraft für 2018 wünscht eine alte Hexe mit etwas Lebenserfahrung! :wink:
Zuletzt geändert von Jana66 am 31.12.2017 23:22:27, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn keiner was sagt, wird sich nichts ändern. Wenn alle nur reden ebenfalls nicht.

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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von Jana66 » 31.12.2017 23:32:09

guennid hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 21:49:28
Ganz früher soll der Rohrstock mal eine moderne pädagogische Methode gewesen sein.
Man ist versucht hikaru zu glauben: Die Formen ändern sich, der Unverstand nicht.
Heutzutage würden daran selbst übergewichtige Teenager und nachfolgend Lehrer sterben. :mrgreen:
Wenn keiner was sagt, wird sich nichts ändern. Wenn alle nur reden ebenfalls nicht.

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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von paedubucher » 31.12.2017 23:41:58

Jana66 hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 21:50:44
Ein Theater machst du wegen der (Des-) Organisation einer einzigen Prüfung.
Unterm Strich müssen sich ca. 30 Studierende eine Software auf ihren Rechner installieren, die bekannte Sicherheitslücken aufweist.
Du armer Kleiner! Soll sogar Menschen geben, die frieren und hungern. Das sind nicht deine Probleme und du jammerst trotzdem?
Tolle Argumentationstechnik:

- Problem: Ein Cryptotrojaner hat meine Festplatte verschlüsselt.
- Jana66: Du Armer, es gibt Leute, die nicht einmal einen Computer haben!

- Problem: Ich habe mir das Bein gebrochen.
- Jana66: Heul nicht rum, es gibt Leute, die nicht einmal Beine haben!

- Problem: Ich habe einen Hirntumor.
- Jana66: Was beschwerst du dich? Es gibt Leute, die gar kein Gehirn haben!

Aber vielleicht sollte ich einfach deinem Ratschlag folgen und die "Schule wechseln" :facepalm:

Trotzdem einen guten Rutsch ins neue Jahr.
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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von paedubucher » 31.12.2017 23:48:08

Meillo hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 20:58:22
Schade, dass ihr scheinbar keine Studenten mit Behinderungen habt, die entweder gar keine Computer nutzten koennen (das waere natuerlich lustig in der Informatik) oder nur in speziellen Softwareumgebungen arbeiten koennen. Fuer die muesste man ja einen Fallback haben. Wuerde mich stark interessieren wie der dann aussehen wuerde.
Wobei das mit einem persönlichen Gerät in der Regel doch noch besser geht als mit einem von der Schule bereitgestelltem.
Meillo hat geschrieben: Programmieren von Hand auf Papier sind zwar nicht unbedingt das was dem Berufsalltag entspricht, aber es lehrt einige wichtige Lektionen, darum finde ich das (nachdem ich es durchgemacht habe) nicht mehr falsch.
Ich finde es nicht grundsätzlich falsch, nur halt recht mühsam. Zum Korrigieren ist es sicher auch sehr aufwändig, da verstehe ich den Professor schon. Codeleseaufgaben lassen sich aber auf Papier hervorragend durchführen. Die sind dann auch einfach zu korrigieren.
Meillo hat geschrieben: Viel wichtiger fand ich aber, wenn man zu Pruefungen Material und Informationen mitnehmen durfte.
Das dürfen wir, aber nur handgeschriebene Sachen, was ich wiederum sehr sinnvoll finde!
Meillo hat geschrieben: Da sollte IMO die Loesung liegen: Lasst den Studenten doch ihre Rechner offen, macht dafuer die Aufgaben schwerer. ;-) Also stellt Aufgaben, bei denen man selbststaendig denken muss, dann hilft einem das Internet auch nichts. Bloss einen WLAN-Stoersender muesste man natuerlich aufstellen ... oder als Pruefer ebenfalls dem dann zwangslaeufig entstehenden Chatraum beitreten und das dort Geschiebene in die Bewertung einfliessen lassen. ;-)
Den Ansatz fände ich schon interessant. Selbst Internetrecherche könnte erlaubt sein, aber Kommunikation mit sollte man halt unterbinden können. Sonst kann man die Aufgabe eben outsourcen. Und so viel Praxisrelevanz wäre dann auch für eine Fachhochschule zuviel des Guten ;-)
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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von MSfree » 01.01.2018 16:25:41

Jana66 hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 21:50:44
Ich würde zum Prüfungsamt gehen, allgemeine Pruefungsbedingungen einsehen oder Schule wechseln, Dummheit selbsternannter "Experten" und deren Lakeien spricht sich unter Firmen rum.
Jetzt fährst du aber schwere Geschütze auf :mrgreen:
Klar, allgemeine Pruefungsbedingungen sind sicher ein guter Anfang, Dummheit der Lakaien kann sicher nicht. Ignoranten gibt es an jeder Bildungseinrichtung und auch bei jedem Arbeitgeber, das komplett zu vermeiden, ist also völlig unmöglich und wegen dieser hier dargestellten Sache doch er ein Kanonenschuß auf Spatzen.
Da ich oft korrigiere und trotzdem Kürze und Übersichtlichkeit mag, habe ich sogar meine Prüfungen vertrauensvoll mit Bleistift und Radiergummi geschrieben.
Dagegen ist durchaus nichts einzuwenden. In meinem eigentlichen Berufsfeld gilt der Bleistift sogar als dokumentenecht, bei der Feldarbeit draußen im Regen gibt es auch praktisch nichts anderes, das auf nassem Papier noch erkenntbare Schriftzeichen produzieren könnte. Korrekturren dürfen da aber nur durch ausstreichen gemacht werden, wobei da inzwischen auch fast nichts mehr geschrieben wird, das ist inzwischen auch alles digitalisiert.
Selbst entwickelte Technik dieser "Institution" (alternativlos? welcher Nutzen?) scheint nicht praktikabel zu sein. Wenn trotzdem benutzt/verlangt, nennt man das entweder Dummheit, Arroganz oder Weltfremdheit. Wird am Arbeitsmarkt selten verlangt.
Wie gesagt, kein Problem, wenn die Arbeitsmittel von der Lehrinstitution gestellt werden. Bei meinem Arbeitgeber sind prinzipiell auch BYOD erlaubt, ich hatte es auch mal mit meinem Schlauphone versucht, aber dann doch darauf verzichtet, weil die IT praktisch mein höchstpersönliches Privateigentum übernehmen wollen. Dazu gehörte nicht nur Zustimmung zu Nutzungsbedingungen, sondern auch Registrierung des Geräts, Installation von Managementsoftware etc. Nein Danke, wenn mein Arbeitgeber verlangt, daß ich ein Schlauphone raumtragen muß, sollen sie mir eins zur Verfügung stellen.
Unterm Strich müssen sich ca. 30 Studierende eine Software auf ihren Rechner installieren, die bekannte Sicherheitslücken aufweist.
Das Hauptproblem hier ist, daß bei bewußt inkauf genommenen Sicherheitslücken das Prüfungsergebnis anfechtbar wird. Wer garantiert dafür, daß "meine" Prüfung nicht von jemand, der mich nicht leiden kann, negativ manipuliert wurde.

Auch ein unverschuldeter technischer Ausfall, der nie ganz auszuschließen ist, kann da sehr unangenehme Auswirkungen auf das Prüfergebnis haben. Mir ist mal bei einer solchen Arbeit (siehe oben, Floppy statt Papier), der Rechner 2 mal zwischendurch abgestürzt und mußte neu gebootet werden, was auf 4.77MHz 8088 Rechner nicht gerade raketenschnell vonstatten ging. OK, der Test war nicht besonders wichtig, bestanden hatte ich den auch, die Note wäre aber ohne die Reboots besser ausgefallen.
Vielleicht seid ihr auch nur Versuchskaninchen. Selbst das würde mir nicht passen ...
Ich war damals auf jeden Fall in der Gruppe der Guineapigs, das Rechnerlabor war brandneu, und wir waren die ersten, die das so durchmachen mußten. Aber, wie gesagt, nicht als Hauptprüfung, nur Scheine.
"Kreuzelpruefungen" gab es bei uns noch nicht
Auch das habe ich mitgemacht, Multiple-Choice-Tests, auf Lochkarten, bei denen man mit einem weichen Bleistift, der zur Verfügung gestellt wurde, die zur Antwort passenden Kästchen ausmalen mußte, statt sie auszustanzen.
wir mussten selber rechnen, uns artikulieren.
Das wird wohl auch heute hoffentlich noch so sein.
Unterm Strich müssen sich ca. 30 Studierende eine Software auf ihren Rechner installieren, die bekannte Sicherheitslücken aufweist.
Du armer Kleiner! Soll sogar Menschen geben, die frieren und hungern. Das sind nicht deine Probleme und du jammerst trotzdem?
Harter Tobak. Wie schon oben erwähnt, die Prüfung wird dadurch anfechtbar.
Eine ganz große Dose Mitleid für 2017 schenkt und etwas mehr Lebens- und Denkkraft für 2018 wünscht eine alte Hexe mit etwas Lebenserfahrung! :wink:
:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von Tintom » 01.01.2018 16:55:49

Interessant, dass sich da keiner beschwert. Sofern in der Prüfungs-/Studienordnung nichts von einem Laptop steht, der zum studieren zwingend erforderlich ist, baut die gesamte Prüfung auf einem ganz wackeligen Fundament...

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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von paedubucher » 02.01.2018 21:49:44

Tintom hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
01.01.2018 16:55:49
Interessant, dass sich da keiner beschwert. Sofern in der Prüfungs-/Studienordnung nichts von einem Laptop steht, der zum studieren zwingend erforderlich ist, baut die gesamte Prüfung auf einem ganz wackeligen Fundament...
Einen Laptop müssen wir schon haben, und MacOS oder Windows soll er auch drauf haben. Von daher steht die Prüfung nicht unbedingt auf tönernen Füssen. Was MSfree angesprochen hat ist aber durchaus interessant, denn aufgrund der Sicherheitslücke ist das Prüfungsergebnis evtl. anfechtbar. Ich frage mich, was im Falle eines Konnektivitätsproblems passieren würde. Das könnte dann heiter werden...
Habe nun, ach! Java
Python und C-Sharp,
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Re: Prüfungen am Computer ablegen

Beitrag von Jana66 » 03.01.2018 09:15:05

paedubucher hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 23:41:58
- Problem: Ich habe einen Hirntumor.
- Jana66: Was beschwerst du dich? Es gibt Leute, die gar kein Gehirn haben!
:mrgreen: Schöner Lacher!
Du hast Recht, dass Relativierung eine schlechte bis gar keine Argumentation ist. Regt mich (politisch) auch oft auf, nun bin ich zu Silverster ("hicks" :mrgreen: ) in den gleichen Stil verfallen. Man möge mir verzeihen.

Es ist auch vernünftig, sich für Protest/Argumentation weitere Argumente oder Meinungen Dritter (Forum) einzuholen. Zum Einen sollte es danach nicht beim "Sturm im Wasseglas" bleiben, zum Anderen um wesentliche Dinge gehen. Auf Arbeit (und im Leben) wird niemandem alles passen. Zumindest Kleinkram muss man oft schlucken, "Kampfkraft" auf Wichtiges konzentrieren. Worunter Prüfungs- (Des-) Organisation fällt, kann man sich nun streiten. :wink:
paedubucher hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.12.2017 23:41:58
Aber vielleicht sollte ich einfach deinem Ratschlag folgen und die "Schule wechseln" :facepalm:
Falls du mit der Qualität der Lehre in mehreren Kernfächern unzufrieden bist, ist das ratsam. Du hattest ja über die "Misshandlung" Relationaler DB geschrieben. Jedenfalls von dir wird nach dem Studium erwartet.
Wenn keiner was sagt, wird sich nichts ändern. Wenn alle nur reden ebenfalls nicht.

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