Telekom: Glasfaser bis in Wohnung auch für Konkurzenz öffnen?

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MoonKid
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Telekom: Glasfaser bis in Wohnung auch für Konkurzenz öffnen?

Beitrag von MoonKid » 18.01.2018 08:39:33

Ich nutze die pyhsische DSL-Leitung eines regionalen Netzanbieters - bin also nicht nur vertraglich, sondern auch technisch völlig unabhängig von der T.
Jetzt hatte ich aber eine Nachricht, dass demnächst eine Baukollone bei uns anrückt und ein Glasfaser der Telekom bis in die Wohnung (nicht nur Haus!) zieht. Konnte es kaum glauben und hab mich telefonisch bei der Firma erkundigt. Fibre-to-home nennt sich das glaube ich im Marketing-Deutsch der T.

Ok, jetzt werde ich schwach und überlege ernsthaft nach fast 20 Jahren Telekom-Freiheit doch umzusatteln.

Aber muss die Telekom die Glasfaser (bis in die Wohnung!) nicht auch der Konkurenz zur Verfügung stellen? Ok, die T bekommt dann im Hintergrund trotzdem mein Geld, aber wenigstens kann ich auch der T-Konkrenz weiter unter die Arme greifen.

Wie sieht es hier regulatorisch aus?

dufty2
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Re: Telekom: Glasfaser bis in Wohnung auch für Konkurzenz öffnen?

Beitrag von dufty2 » 18.01.2018 14:00:59

MoonKid hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.01.2018 08:39:33
Fibre-to-home nennt sich das glaube ich im Marketing-Deutsch der T.
Das ist eine Standardbezeichnung, genauer lautet sie: Fiber-to-the-home, abgekürzt als FTTH
Von diesen fiber-Sachen gibt es eine ganze Menge, deshalb ist der "Oberbegriff" FTTx, z. B.
FTTD: Fiber-to-the-desk also Glasfaser bis an den Arbeitsplatz/Schreibtisch (das höchste der Gefühle ;) )
FTTH: Fiber-to-the-home also Glasfaser bis in die Wohnung
FTTB: Fiber-to-the-buiding also Glasfaser bis ins Haus (nicht unbedingt bis in die Wohnung)
und noch weitere.

Normalerweise legt der Anbieter sein Kabel (auch wenn es über Dein Grundstück läuft) bis in den Keller bis zum sog. Demarkationspunkt.
Ab diesen ist der Hausherr/Hausverwaltung für die weitere in-Haus-Verlegung verantwortlich (bis in die einzelnen Wohnungen)

Ob die Telekom nun auch Glasfaser auch für andere Anbieter zur Verfügung stellen muss oder kann,
kann ich Dir leider nicht sagen oder ob sich das nur auf das gute alte Kupfer-Telefonkabel beschränkt.

r4pt0r
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Re: Telekom: Glasfaser bis in Wohnung auch für Konkurzenz öffnen?

Beitrag von r4pt0r » 18.01.2018 16:57:22

Da die Telekom ein verbrieftes Monopol (Relikt aus den Zeiten als die Telekom noch Post und Staatlich war) auf die letzten Meter Kupfer ("Telefonleitungen") zu jedem Gebäude hat _müssen_ sie diese Leitungen auch an andere Anbieter vermieten. Alle anderen Medien (LWL, Koax) kann jeder Anbieter selbst verlegen und ist dann alleiniger Inhaber dieser Leitungen, muss hier also nichts an andere Anbieter abgeben.

FTTH der Telekom mit vollwertigem Endpunkt (=normales Ethernet ohne irgendwelche tunneling-geschichten) gibt es nur für Businesskunden und kostet mindestens beide Arme und den Erstgeborenen: fängt bei ca 700EUR an für 10MBit synchron (Stand ~Anfang 2017)

Das was man von der Telekom als Endkunde vorgesetzt bekommt ist shared fiber via TDN-PON [1], teilweise soll es wohl auch Lösungen mit DOCSIS geben (KA ob auch bei der Telekom oder nur Kabelanbieter die sowieso schon DOCSIS einsetzen).
Somit wieder die selben Beschränkungen und Probleme wie mit bestehenden xDSL und Kabel-Lösungen: starke überprovisionierung, schlechte Bandbreite und Latenz zu stoßzeiten, ggf wieder DualStack Lite und andere Hürden die dann ständig Probleme bereiten.

Tipp: In immer mehr Regionen gibt es regionale Anbieter die Breitbandausbau per LWL und teilweise in Kombination mit Richtfunk vorantreiben. Dort bekommt man i.d.R. wesentlich bessere Leistungen (dedicated fiber!) zu besseren Konditionen und mit besserem/kompetentem Support.

Wir sind hier z.b. von einem lokalen Anbieter per Richtfunk mit 100MBit synchron angebunden bis die Anbindung des Industriegebiets zur LWL-Trasse des Anbieters fertig ist. Die synchrone 1GBit Anbindung per Glasfaser kostet gerade mal 119EUR/Monat ohne Mindestlaufzeiten; bei Transfers innerhalb des Anbieternetzes gibt es auch bei kleineren Anschlüssen keine Bandbreitenbegrenzung, man kann die volle Geschwindigkeit des Ports (mind. 1GBit) nutzen. Man bekommt einen vollwertigen Ethernet-Endpunkt (=direkt am Port eines Switches aufgeschaltet) ohne PPP oder sonstige Verrenkungen, öffentlich routbare IPv4 + IPv6 präfix - also so wie es schon lange üblich sein sollte. Auch der Einsatz von externen Routingprotokollen, multi-WAN oder Failover-gateways ist damit Problemlos möglich.

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