Begriffsstutzig - Desktop Environment - Display Manager - GTK

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Smartie4u
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Begriffsstutzig - Desktop Environment - Display Manager - GTK

Beitrag von Smartie4u » 18.09.2019 21:51:08

Ich benutze jetzt seit etwa 5 Monaten Buster als OS und würde mich noch als Anfänger bezeichnen.
Vieles habe ich inzwischen im Griff, aber ich glaube, mir fehlen noch einige Basics, die sich mir noch nicht hundertprozentig erschlossen haben. Insbesondere, wenn man Fehlersuche betreibt, weil eine Kleinigkeit nicht so funktioniert, wie man es erwartet, stosse ich dann auf Schwierigkeiten.

Ich verstehe schlicht noch nicht den Zusammenhang oder auch, was genau welche Rolle übernimmt.
Ich nutze aktuell den Gnome Desktop. Da ich eine NVIDIA Karte habe (shame on me), mit Xorg.

Was genau ist Xorg bzw. wayland? Was ist ein "Display Manager" und welche Aufgabe übernimmt er?
Ausserdem lese ich des öfteren etwas von GTK-Versionen - auch den Begriff habe ich noch nicht verstanden. Ich sehe zwar, welche Version ich nutze, hab aber keinen blassen Schimmer, was genau das eigentlich für eine Komponente ist.

Ich wäre dankbar, wenn mir jemand einen kurzen Abriss darüber geben kann, womit ich es zu tun habe und wie diese Komponenten zusammenspielen. Insbesondere, weil Gnome bei mir nicht wirklich performant läuft (ja, ich weiß, es ist eben Gnome, trotzdem nervt es).

Bonusfrage: Von Gnome ist gerade eine neue Version erschienen - Debian ist nun nicht bekannt dafür, ein Rolling Release zu sein - sehe ich es korrekt, dass man als Debian-Nutzer entsprechend auf das nächste Release hoffen muss, um die neue Gnome Version zu bekommen oder gibt es Chancen, dass die neue Version in die aktuelle Stable aufgenommen wird, insbesondere, weil die aktuelle Stable ja noch recht jungfräulich ist?

Ich hoffe, das war nicht zu konfus und ich danke schon mal für jeden Versuch mich zu erhellen ;)

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willy4711
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Re: Begriffsstutzig - Desktop Environment - Display Manager - GTK

Beitrag von willy4711 » 18.09.2019 22:33:30

Ich mache es mir mal einfach und gebe dir etwas Stoff zum Futtern :mrgreen:
Smartie4u hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.09.2019 21:51:08
Was genau ist Xorg bzw. wayland?
Xorg: https://de.wikipedia.org/wiki/X_Window_System
Wayland: https://de.wikipedia.org/wiki/Wayland_( ... Protokoll)
Smartie4u hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.09.2019 21:51:08
Ausserdem lese ich des öfteren etwas von GTK-Versionen - auch den Begriff habe ich noch nicht verstanden.
GTK: https://de.wikipedia.org/wiki/GTK_(Programmbibliothek)
QT; https://de.wikipedia.org/wiki/Qt_(Bibliothek)
Smartie4u hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.09.2019 21:51:08
Was ist ein "Display Manager" und welche Aufgabe übernimmt er?
Display. Manager: https://de.wikipedia.org/wiki/Displaymanager
Fenster-Manager: https://de.wikipedia.org/wiki/Fenstermanager
Smartie4u hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.09.2019 21:51:08

Bonusfrage: Von Gnome ist gerade eine neue Version erschienen - Debian ist nun nicht bekannt dafür, ein Rolling Release zu sein - sehe ich es korrekt, dass man als Debian-Nutzer entsprechend auf das nächste Release hoffen muss, um die neue Gnome Version zu bekommen oder gibt es Chancen, dass die neue Version in die aktuelle Stable aufgenommen wird, insbesondere, weil die aktuelle Stable ja noch recht jungfräulich ist?
Wahrscheinlich nicht. Wenn du etwas Erfahrung gesammelt hast, und auch mal Schwierigkeiten bereit bist, zu bearbeiten, könntest du irgendwann auf Testing (z.Z Bullseye) umsteigen. Das ist quasi ein "rollig release". Einen Versionssprung wirst du dabei nicht bemerken.
Ist auch wesentlich "arbeitsintensiver", da im Schnitt (einfach mal geschätzt) täglich so an die 50 Pakete neu eingepflegt werden.
Pflicht sollte da ein tägliches apt full-upgrade sein.

guennid
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Re: Begriffsstutzig - Desktop Environment - Display Manager - GTK

Beitrag von guennid » 18.09.2019 22:56:11

xorg und wayland sind die Basiskomponenten (Server) für die grafischen Oberflächen (auch GUIs genannt) und die grafischen Programme. Eine dieser Oberflächen, Untergruppe Desktop Environment (DE) ist dein gnome, eine andere DE wäre KDE. Man kann auch einen Fenstermanager ( icewm,jwm, openbox, etc) als einfache GUI anstatt einer DE benutzen. Bei den DEs ist der Fenstermanager nur ein Bestandteil derselben. xorg ist der trditionelle Server, wayland der kommende. Einige GUIs haben noch Probleme mit ihm. Standard ist er nur bei gnome in buster - soweit ich weiß. gtk-Versionen sind grafische Werkzeugsammlungen, vor allem für die gnome-Ecke. Das Pendant bei KDE ist qt.

Der Display Manager sollte für meinen Geschmack besser Login Manager heißen, weil er meistens als solcher benutzt wird. Er regelt die Anmeldung (login) des Users an seiner GUI. Man kann auch ohne Login-/Display-Manager seine (einfache) GUI starten. Betreibt man mehrere GUIs nebeneinander, kann man den Manager dann tatsächlich auch als Display-Manager nutzen, indem man mit ihm eine dieser GUIs startet.

Eine neue gnome-Version wirst du in buster nicht kriegen, denn das erforderte eine Menge anderer Bilbliotheks-Pakete (libs), die es in stable ebenfalls nicht gibt , das ist Prinzip bei Debian. Es sei denn einige findige Entwickler portieren das neue gnome auf die stable libs um, dann erscheint das in den Debian-backports und dann kann es - wenn explizit ausgewählt - auch installiert werden. Beim dist-/full-upgrade werden aber die backports-Programme nicht erfasst.

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hikaru
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Re: Begriffsstutzig - Desktop Environment - Display Manager - GTK

Beitrag von hikaru » 19.09.2019 00:22:20

guennid hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
18.09.2019 22:56:11
Eine dieser Oberflächen, Untergruppe Desktop Environment (DE) ist dein gnome, eine andere DE wäre KDE. Man kann auch einen Fenstermanager ( icewm,jwm, openbox, etc) als einfache GUI anstatt einer DE benutzen. Bei den DEs ist der Fenstermanager nur ein Bestandteil derselben.
Der Zusammenhang zwischen DE und WM lässt sich mMn am besten verdeutlichen, indem man mal Debianlxde in seine Bestandteile zerlegt, weil es ein vergleichsweise einfaches und sehr modulares DE ist*:

- zentraler Bestandteil ist eigentlich der WM Debianopenbox, welcher sich durchaus auch allein nutzen lässt. Das ist nicht bei allen WMs wirklich sinnvoll. Ich habe z.B. noch nie davon gehört, dass jemand Debianmutter ohne Gnome benutzt.
- fügt man zu openbox Debianlxsession und Debianlxde-common hinzu, hat man die Abhängigkeiten von Debianopenbox-lxde-session, was seinerseits über das virtuelle Paket Debianlxde-session zusammen mit Debianlxpanel und Debianpcmanfm die Abhängigkeiten von Debianlxde-core bildet
- lxde-core ist im Grunde schon eine rudimentär benutzbare Desktopumgebung mit Panel und Dateimanager. Das ist für gewöhnlich mein Ausgangspunkt, wenn ich einen LXDE-Desktop aufziehe.
- Debianlxde fügt jetzt im Wesentlichen ein vordefiniertes Set an Komfort und "Eye-Candy" hinzu, lasse ich aber z.B. weg, weil ich im Detail von der Vorgabe abweichende Vorlieben habe. Einzelne Abhängigkeiten von lxde installiere ich dafür selbst.
- fast vergessen: Wählt man LXDE im Installer aus, so wird dabei Debiantask-lxde-desktop installiert, was bei den Abhängigkeiten kaum einen Unterschied zu Debianlxde macht, allerdings kommt hier über die Empfehlungen Einiges an Gedöns hinzu.


*) Ich konzentriere mich hier auf die Abhängigkeiten (Depends) um die Komplexität klein zu halten. Es bietet sich aber an, sich dabei auch bewusst die Empfehlungen (Recommends) und Vorschläge (Suggests) anzuschauen, dann bekommt man auch gleich ein Gefühl dafür.
Um mal zwei interessante Details herauszugreifen:
1. Debianpolicykit-1 ist "nur" eine Empfehlung von lxde-core. Das ist insofern bemerkenswert, weil dieses Paket über seine Abhängigkeiten der Einstieg in so zentrale Komponenten wie Debiandbus und Debiansystemd ist. Außerdem ist das Policykit-Framework notwendig um den Rechner grafisch ausschalten zu können - eine ziemlich zentrale Funktion wie man meinen könnte.
2. Der Browser, vielleicht die für Desktopnutzer wichtigste Einzelanwendung Debianfirefox-esr ist sogar nur ein Vorschlag von lxde-core, wird also relativ früh beim Aufbau des Desktops aus Einzelteilen mit einbezogen, allerdings nur, wenn man Vorschläge mitiinstalliert (was der Standard ist, ich aber abschalte).

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