WLAN-Hardware(ac) ohne proprietäre Treiber?

Debian auf Notebooks und speziellen Geräten wie eingebetteten Systemen, Routern, Set-Top-Boxen, ...
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Norcoen
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WLAN-Hardware(ac) ohne proprietäre Treiber?

Beitrag von Norcoen » 16.04.2018 20:46:42

Hallo zusammen,

ist euch eine aktuelle WLAN-Hardware bekannt die mit den aktuellen WLAN-Standards (ac, MU-MIMO, usw.) zurechtkommt, aber keinen proprietären Treiber benötigt?

Laut dieser Liste (https://en.wikipedia.org/wiki/Compariso ... ss_drivers) waren wohl bisher die Atheros-Chips ganz gut, die neuen brauchen wohl auch ein BLOB.

Ich habe aktuell eine 8260 von Intel im Notebook und hätte gerne was vergleichbares ohne BLOB.

LG, Frank

Jana66
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Re: WLAN-Hardware(ac) ohne proprietäre Treiber?

Beitrag von Jana66 » 17.04.2018 16:08:30

Norcoen hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
16.04.2018 20:46:42
... aber keinen proprietären Treiber benötigt?
So wie ich Linux verstehe, sind Treibermodule "Kernel-Zubehör" und damit quelloffen. Du meinst wohl Firmware, die in's (WLAN-) Device geladen wird und dort "läuft", diese steuert. Es sind mir keine aktuellen WLAN-"Hochleistungskarten" (802.11n/ac, MIMO, MU-MIMO) bekannt, die ohne Blob (dafür frei verwendbarer Quelltext) auskommen.

Zum Begriff proprietär:
1. Im juristischen Sinne ist der Begriff gleichbedeutend mit „urheberrechtlich geschützt“. Er ist kein juristischer Terminus, da nach europäischer Rechtstradition eine vollkommene Aufgabe der Urheberrechte nicht möglich ist („Das Band zwischen Urheber und seinem Werk kann nicht vollständig zerschnitten werden“, sog. Monismus). Juristisch bedeutet proprietär den umfassenden Vorbehalt des Urhebers für alle bzw. fast alle ihm zustehenden geistigen Eigentumsrechte.

2. Davon abweichend benutzt die Freie-Software-Bewegung den Begriff für Dinge, die nicht „frei“ sind. Auf der einen Seite ist damit Software gemeint (proprietäre Software oder Closed Source), auf der anderen Seite Dateiformate, Protokolle usw. Freiheit im Sinne von freier Software bedeutet juristisch das Angebot des Urhebers an die Allgemeinheit, alle ihm zustehenden Urheberrechte mitnutzen zu dürfen.[2]

2.1 Proprietäre Software ist jegliche Software, die keine freie und quelloffene Software ist. Mit dem urheberrechtlichen Schutz (siehe 1.) hat diese Definition jedoch wenig zu tun: Ein urheberrechtlich geschütztes Programm, das unter der Softwarelizenz GPL veröffentlicht wurde, ist hiernach „frei“. Hingegen gilt ein urheberrechtlich geschütztes Programm, das unter einer nicht-„freien“ Lizenz steht – auch bei offengelegtem Quelltext – als proprietär. Bekannte Beispiele proprietärer Software sind Microsoft Windows, Adobe Photoshop, AutoCAD und Adobe Flash sowie die meisten Videospiele von kommerziellen Anbietern. Unter Linux findet man den Begriff besonders häufig im Zusammenhang mit Treibern, die nicht offen sind, sondern vom Hersteller zur Verfügung gestellt wurden, und deren Code nicht einsehbar (und damit auch nicht von der Linux-Community pflegbar) ist. Ein Beispiel hierfür ist AMD Catalyst für Linux, auch ‚fglrx‘ genannt. Siehe auch Closed Source.
2.2 Protokolle, Dateiformate und Ähnliches werden als „proprietär“ bezeichnet, wenn sie nicht oder nur mit Schwierigkeiten von Dritten implementierbar und deshalb nicht zu öffnen oder zu lesen sind, weil sie z. B. lizenzrechtlich, durch herstellerspezifisches Know-how oder durch Patente beschränkt sind. Beispiele für proprietäre Dateiformate sind das MS-Word-Format, das WMA-Format oder Dateiformate der Lotus Smartsuite. Beispiele für nicht proprietäre, offene Formate sind die OpenDocument-Formate, Ogg Vorbis, das Portable-Network-Graphics-Format und das HTML-Format.

3. Traditionell werden im IT-Bereich solche Dateiformate, Protokolle usw. aber auch Hardware als proprietär bezeichnet, die nicht allgemein anerkannten Standards entsprechen, also eigene Entwicklungen sind. Beispiele hierfür sind die Cisco VoIP-Telefone mit Skinny-Protokoll und die Software Skype. Proprietäre Formate werden einerseits zur Vereinfachung und damit Verminderung des Implementierungsaufwands verwendet, wenn Standards zu aufwendig wären. Oft werden sie aber auch zur Abgrenzung von Standards und damit als zusätzliche Einnahmequelle von Lizenzgebühren genutzt, z. B. bei Herstellern von Arbeitsspeicher und bei einigen Softwareherstellern.
https://de.wikipedia.org/wiki/Propriet%C3%A4r
Proprietäre Software kann nach Begriffsverwendung 1, 2.1 und 3 auch quelloffen sein. Verwendung 3 ist in der IT sehr üblich für nichtstandardisierte Protokolle und Protokollerweiterungen der Hersteller. Diese können irgendwann Standards einfließen oder werden späteren Standards angepasst.
Beispiel: Cisco-Netflow https://packages.debian.org/search?keyw ... ection=all

Debian ist mit dem Begriff "nonfree" m. E. besser/konkreter "aufgestellt" als die Freie-Software-Bewegung mit dem in der IT (als viel größere Gruppe) traditionell anders zu deutenden Begriff "proprietär".
Wenn keiner was sagt, wird sich nichts ändern. Wenn alle nur reden ebenfalls nicht.

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