Von Ubuntu zu debian wechseln?

Warum Debian? Was muss ich vorher wissen? Wo geht's nach der Installation weiter?
rei19
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Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von rei19 » 19.03.2020 17:12:51

Hallo,
ich habe jahrelang mit lubuntu gearbeitet. Etwas störend finde ich die häufigen updates. Dabei denke ich, dass die Software noch nicht ausgereift veröffentlicht wird und laufend nachgebessert werden muss. (Ob es so ist, weiß ich nicht.)
Bei debian bleibt das System viel länger vertraut. Kann mir jemand etwas zu diesem Unterschied schreiben? Warum ist das so?
Ich habe debian noch nicht ausprobiert. Mit welchen Schwierigkeiten müsste ich als Umsteiger anfangs rechnen? Gibt es sonst noch bedeutende Unterschiede, die man bei einem Wechsel bedenken sollte?

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Lord_Carlos
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von Lord_Carlos » 19.03.2020 17:40:32

Bei Ubuntu kannst du auch die LTS version nehmen. Die gibt es alle zwei Jahre.
Ubuntu 14 LTS wird sogar noch unterstuetzts. Das ist 6 Jahre alt. Ubuntu 18 LTS wird noch bis 2028 geflegt. Aktuelles Debian Buster wird "nur" bis 2024 gepflegt. Sicherheitsupdates nur bis 2022. Bin gerade nicht sicher was da der unterschied ist.
https://wiki.ubuntu.com/Releases
https://en.wikipedia.org/wiki/Debian_ve ... ease_table

Die Standart Ubuntu releases die es 2 mal im Jahr gibt sind ganz nett wenn man aktuelle Software verwenden will.

Bei Debian gibt es keine festen Releasecyclen.
Bei Ubuntu hat man nicht freie Treiber gleich mit dabei. Bei Debian muss man darauf achten controb / non-free zu den Packet quellen hinzuzufuegen.
Bei Debian gibt es weniger Benutzter und dadurch auch etwas weniger Hilfquellen im Internet. Aber vieles was fuer Ubuntu beschrieben ist, geht auch mit Debian.

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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von kalle123 » 19.03.2020 18:30:34

Die Unterschiede in der DEBIAN 'Schiene' (also DEBIAN selbst und die Derivate wie die Buntus, Linux Mint, MX ...) haben sich über die Jahre m.E. immer mehr angenähert. Die Zeiten, da DEBIAN was für die 'Experten' war, ist schon lange vorbei. Die Derivate haben halt out-of-the-box etwas mehr 'Bling-Bling' dabei. That's it.

Pack dir doch DEBIAN (stable, also BUSTER * ) mal in eine VM (Virtualbox z.B.) und schau es dir an. :D

* DEBIAN testing und sid sind ne andere Geschichte.

cu KH
ASUS PRIME X370-A + AMD Ryzen 5-2600, GeForce GT1030, 16GB, DEBIAN-Buster Xfce
ASUS P5QL + Intel Core2 Duo E6750, GeForce GT710, 8GB, DEBIAN Testing Xfce
Lenovo Thinkpad T450s, DEBIAN Testing Xfce

tobo
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von tobo » 19.03.2020 19:28:30

Lord_Carlos hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
19.03.2020 17:40:32
Bei Ubuntu kannst du auch die LTS version nehmen. Die gibt es alle zwei Jahre.
Ubuntu 14 LTS wird sogar noch unterstuetzts. Das ist 6 Jahre alt. Ubuntu 18 LTS wird noch bis 2028 geflegt. Aktuelles Debian Buster wird "nur" bis 2024 gepflegt. Sicherheitsupdates nur bis 2022. Bin gerade nicht sicher was da der unterschied ist.
Ein gewaltiger Unterschied liegt z.B. in der Anzahl der Pakete, die diesen LTS-Support genießen dürfen:
https://www.heise.de/ct/artikel/Ubuntu- ... 79960.html
viewtopic.php?f=37&t=169993&hilit=ubuntu+lts

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Floki
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von Floki » 19.03.2020 20:10:35

Bei Debian erhältst Du Sicherheitsaktualisierungen auf theoretisch alle Pakete im main Repository. Also das Repo, in dem die quelloffenen Pakete liegen. Die Sicherheitsaktualisierungen bekommst Du etwa für 5 Jahre ab Veröffentlichungstermin. Pakete in contrib und non-free bekommen nur dann Aktualisierungen, wenn der Maintainer sich darum kümmert.

Bei Ubuntu bekommst Du auch nur Pflege auf Pakete im Main Repository. Universe und Multiverse (Partner) können zwar auch Updates bekommen aber nur dann, wenn der Maintainer sich drum kümmert. Ubuntu selbst versorgt nur main und kümmert sich i.d.R. nicht um Pakete der anderen Repos.

Kannst es Dir hier auch bei 11:25 in etwa anschauen: https://youtu.be/LYyhhsuoMz4

Den Wechsel wirst Du nicht ohne Neuinstallation bewerkstelligen können.

rei19
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von rei19 » 20.03.2020 09:17:46

Danke für die Infos! Vieles zum Thema "Sicherheit" hatte ich noch nicht gewusst. Das ist mir nun sehr wichtig geworden.
Ich habe nun verstanden, dass debian etwas sicherer ist als ubuntu. Allerdings werden in der sicheren Version manche Funktionen nicht laufen, weil man dafür unfreie Software bräuchte. Habe ich das richtig verstanden?
Dann stellt sich mir die Frage, ob eine kostenpflichtige Distribution das Sicherste und Komfortabelste wäre. Oder ist es nicht so?

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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von MSfree » 20.03.2020 09:56:47

rei19 hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
20.03.2020 09:17:46
Ich habe nun verstanden, dass debian etwas sicherer ist als ubuntu.
Ich glaube nicht, daß man das so verallgemeinern kann.
Allerdings werden in der sicheren Version manche Funktionen nicht laufen, weil man dafür unfreie Software bräuchte. Habe ich das richtig verstanden?
Doch, das wird schon laufen, wenn man die entsprechenden Softwarepaket installiert. "non-free" ist allerdings per Default bei Debian nicht freigeschaltet, muß also von Hand nachgetragen werden. Der Grund hierfür ist aber ein philossophisches und lizenzrechtliches und hat mit Sicherheit wenig bis gar nichts zu tun.
Dann stellt sich mir die Frage, ob eine kostenpflichtige Distribution das Sicherste und Komfortabelste wäre.
Du kaufst bei kostenpflichtige Distribution in erster Regel Dienstleistungen ein. Also z.B. Unterstützung bei der Installation, Einrichtung und Betrieb von Software. Sicherheitsupdates bekommst du aber bei allen großen Distribution und das sogar mehr oder weniger gleichzeitig.

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Lord_Carlos
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von Lord_Carlos » 20.03.2020 10:26:26

Ich kann mir gut vorstellen das es Situationen gibt wo ein System "sicherer" ist wenn es 2 mal in Jahr frische Pakete bekommt, als ein System was nur alle 5 Jahre geupdatet wird.
__________

Ein minimales Debian wird sicherlich "sicherer" sein als ein voller Ubuntu Desktop. Einfach weil da mehrere Pakete installiert sind. Und dann ist es bei Ubuntu auch noch so einfach fix ein PPA repository hinzuzufuegen, was "irgendein" Typ eingerichtete hat. Aber das hat weniger mit dem System, als mit dem Benutzterverhalten und defaults zu tun.

Guck dir einfach mal Debian an.

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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von TomL » 20.03.2020 10:50:22

Lord_Carlos hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
20.03.2020 10:26:26
Aber das hat weniger mit dem System, als mit dem Benutzterverhalten und defaults zu tun.
Ich glaube auch, dass das einer der wichtigsten Aussagen ist. Aber ...

...wenn man 'Sicherheit' sagt, sollte man immer auch eine möglichst genaue Vorstellung von 'Sicherheit vor wem oder was' haben. So eine schwammige Aussage wie 'Sicher vor dem Internet oder vor Google oder vor Hackern' hat mit Sicherheit imho nur wenig zu tun. Debian Stable hat m.E. den Vorteil, dass man über mehrere Jahre hinweg ein sehr stabiles Betriebssystem betreiben kann, welches seine (für mich beeindruckende) Stabilität durch eine sehr geringe Menge an wesentlichen Änderungen (keine Versionswechsel bei den installierten Software-Paketen) behält, aber gleichzeitig bezogen auf Sicherheit-Patches dennoch sicherheitstechnisch aktuell ist.

Aber es ist wie beim Autofahren... das sicherste Auto aller Zeiten, mit den besten elektronischen Assistenzsystemen und der besten Hardware (Chassis, Fahrwerk, Bremsen, etc.) wird durch einen schlechten Fahrer, der sich über alle Sicherheits-Aspekte hinwegsetzt (weil er das als KFZ-Admin darf), schließlich doch zur Gefahr für das Auto, den Fahrer und für alle anderen im Verkehr. Für unangemessenes Benutzerverhalten gibt es kein sicheres Betriebssystem.
vg, Thomas

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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von Animefreak79 » 20.03.2020 15:50:21

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass du keinen sonderlich großen Unterschied bemerken wirst, bis auf die Tatsache, dass viele Pakete in älteren Versionen vorliegen und sich zum Beispiel die gewählte Desktop-Umgebung näher am Upstream befindet, also vom Wallpaper abgesehen nicht mit distributionsspezifischen Vorkonfigurationen "glänzt". Möglicherweise wirst du dich in einem etwas größerem Umfang mit der Konfiguration deiner Paketquellen auseinadersetzen müssen, um zum Beispiel aktuellere Versionen aus den Backports zu bekommen, etc. Das alles sind jedoch eher kleine Details, in die man sich zügig eingearbeitet hat.
TomL hat geschrieben:Aber es ist wie beim Autofahren... das sicherste Auto aller Zeiten, mit den besten elektronischen Assistenzsystemen und der besten Hardware (Chassis, Fahrwerk, Bremsen, etc.) wird durch einen schlechten Fahrer, der sich über alle Sicherheits-Aspekte hinwegsetzt (weil er das als KFZ-Admin darf), schließlich doch zur Gefahr für das Auto, den Fahrer und für alle anderen im Verkehr. Für unangemessenes Benutzerverhalten gibt es kein sicheres Betriebssystem.
Eben... Wenn man alle wichtigen Sicherheitsaspekte in den Wind schießt, also beispielsweise alle Arbeiten als root erledigt, sämtliche Ports offen lässt wie ein Scheunentor, Passwörter lokal auf der HD speichert (natürlich in einem Ordner namens Passwoerter oder ähnlich), seine Software aus allen erdenklichen zwielichtigen Quellen im Web zusammensucht anstatt auf die ofiziellen Paketquellen zurückzugreifen und Debiantelnet anstelle von Debianssh verwendet, braucht sich über ein kompromittiertes System nicht zu wundern.
~ Never change a flying system ~

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berkman
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von berkman » 21.03.2020 12:33:25

Hallo reit19,

du hast ja schon einige Infos zu den Unterschieden zwischen Debian und Ubuntu bekommen.

Ich will dich ermuntern, Debian einfach mal auszuprobieren. Ich bin vor knapp acht Jahren von Ubuntu auf Debian umgestiegen und habe es nie bereut. Den Umstieg fand ich schon damals sehr leicht, heute ist die Installation und Nutzung von Debian nochmal einfacher geworden. Du kannst dir, wie schon vorgeschlagen wurde, Debian in einer VM anschauen oder dir eine Live-CD brennen.
Just do it. ;)

LG, berkman

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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von uname » 21.03.2020 14:05:15

Bei Ubuntu vs. Debian geht es auch um das Projekt dahinter. Lese die jeweiligen Wikpedia-Seiten.

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berkman
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von berkman » 21.03.2020 14:37:58

@ uname,

du meinst, dass hinter Ubuntu ein Unternehmen (Cannonical) des Millionärs Shuttleworth steht und hinter Debian eine Community mit einem Gesellschaftsvertrag?

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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von TRex » 21.03.2020 15:02:29

Sowas zb, und wo die jeweiligen Prioritäten stehen und wie diese entstehen.
Jesus saves. Buddha does incremental backups.
Windows ist doof, Linux funktioniert nichtDon't break debian!

rei19
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Re: Von Ubuntu zu debian wechseln?

Beitrag von rei19 » 24.03.2020 17:46:19

Floki hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
19.03.2020 20:10:35
Bei Debian erhältst Du Sicherheitsaktualisierungen auf theoretisch alle Pakete im main Repository. Also das Repo, in dem die quelloffenen Pakete liegen. Die Sicherheitsaktualisierungen bekommst Du etwa für 5 Jahre ab Veröffentlichungstermin. Pakete in contrib und non-free bekommen nur dann Aktualisierungen, wenn der Maintainer sich darum kümmert.

Bei Ubuntu bekommst Du auch nur Pflege auf Pakete im Main Repository. Universe und Multiverse (Partner) können zwar auch Updates bekommen aber nur dann, wenn der Maintainer sich drum kümmert. Ubuntu selbst versorgt nur main und kümmert sich i.d.R. nicht um Pakete der anderen Repos. ...
Ich dachte, wenn ich mich bei debian auf main Repository beschränke, bin ich sicherer als mit ubuntu, wofür ich auch Pakete außerhalb main gebraucht habe. Ich habe nun mit "netinst" ein debian mit xfce iinstalliert. Zu meiner Enttäuschung steht aber in der sources.list dieses:

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deb http://deb.debian.org/debian/ buster main non-free contrib
deb-src http://deb.debian.org/debian/ buster main non-free contrib
Frage: Wie macht man es, ein reines main-system zu installieren und stellt sicher, dass es nur main bleibt? Aber würde das überhaupt laufen? Oder braucht man im Grunde doch Einiges aus non-free und contrib?

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