ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Einrichten des lokalen Netzes, Verbindung zu anderen Computern und Diensten.
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guennid
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ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von guennid » 26.03.2017 17:32:40

Soweit ich das überblicke, ist die im Internet auffindbare Information zu Kombinationen/Inkompatibilitäten von Debianifupdown,Debianip,/etc/network/interfaces/Netzwerkmanager(diverse) eher chaotisch als klärend.

Mein Ziel ist, ausschließlich mit ip ohne ifupdown und ohne einen Netzwerkmanager zu arbeiten.

Ich fang mal hiermit an:
1. ifconfig, ifup, ifdown, ifconfig [device] up/down sind Teile des Paketes ifupdown - richtig?

2. Geht das: Ausschließlich mit ip und ohne Netzwerkmanager zu arbeiten?

3. /etc/network/interfaces ist zumindest in der rudimentären Form:

Code: Alles auswählen

auto lo
iface lo inet loopback
nach wie vor unverzichtbar?

4. greift ip auf Angaben zu eth?, wlan?, wenn sie denn drinstehen in der interfaces, auf diese Angaben zu?

dufty2
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von dufty2 » 26.03.2017 18:16:47

guennid hat geschrieben: 1. ifconfig, ifup, ifdown, ifconfig [device] up/down sind Teile des Paketes ifupdown - richtig?
Falsch, was zum Paket "ifupdown" gehört sieht man z. B. hier:
https://packages.debian.org/stretch/amd ... n/filelist
Somit ist ifconfig nicht Bestandteil.

"ifupdown" ist der "debian-way" um Netz(e) zu konfigurieren und somit schon eine Abstraktionsebene höher als ifconfig (alt) oder ip (neu).
Man könnte darauf verzichten, dann muss man halt alles händisch per "ifconfig" resp. "ip" nachbilden.

Dein lockback-Beispiel ist verzichtbar, da ifupdown das loopback-device seit einiger Zeit automatisch hochnimmt.
Wenn man auf ifupdown (und somit /etc/network/interfaces) verzichtet, müsste man das "lo" natürlich wieder per ifconfig/ip nachbilden, da man Netzwerk(e) nur in seltenen Ausnahmefällen ohne Loopback-device(s) fährt.

TomL
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von TomL » 26.03.2017 19:11:43

guennid hat geschrieben:1. ifconfig, ifup, ifdown, ifconfig [device] up/down sind Teile des Paketes ifupdown - richtig?
Darauf würde ich verzichten, weil das alte Paket "net-tools" dahinter steht, welches in der ursprünglichen Form wohl gar nicht mehr lebt, sondern nur noch im Kompatibilitäts-Mode auf das aktuelle Paket Debianiproute2 verzeigert ist. Aber mit der Verzeigerung via symlinks bin ich etwas unsicher, auf jeden Fall ist iproute2 die Zukunft.

Mit dem von Dir schon genannten "ip" kannst Du alles erreichen, sogar ganz ohne NWM, wie z.B.
NIC-Status anzeigen lassen, alle oder ein bestimmtes:

Code: Alles auswählen

ip a s dev eth0
Ein Interface öffnen:

Code: Alles auswählen

ip link set dev eth0 up
und wieder schließen:

Code: Alles auswählen

ip link set dev eth0 down
Dem geöffneten Interface eine IP zuweisen:

Code: Alles auswählen

ip addr add  172.10.10.31/24 dev eth0
IPs vom NIC entfernen:

Code: Alles auswählen

ip addr flush dev eth0
IPs via DHCP manuell anfordern

Code: Alles auswählen

dhclient -v eth0
Das funktioniert alles bestens mit kabelgebundenen Verbindungen. Nur für WLAN-Verbindungen brauchst Du bekanntermaßen noch weitere Pakete.....

Hth
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dufty2
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von dufty2 » 26.03.2017 19:37:27

TomL hat geschrieben: Darauf würde ich verzichten, weil das alte Paket "net-tools" dahinter steht, welches in der ursprünglichen Form wohl gar nicht mehr lebt, sondern nur noch im Kompatibilitäts-Mode auf das aktuelle Paket Debianiproute2 verzeigert ist.
Wie, was, wo?
;)
Wär mir jetzt neu, möglicherweise meinst Du "iproute", welches ein transitional dummy package für "iproute2" darstellt.

TomL
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von TomL » 26.03.2017 19:47:22

dufty2 hat geschrieben:Wie, was, wo?
Ich habe auch keine Ahnung, was Du jetzt meinst.... :mrgreen:

Debianiproute ist als Übergangspaket zu Debianiproute2 bezeichnet. Das interpretiere ich so, dass iproute2 letztendlich das richtige und zukunftsträchtige Paket ist. Der Suffix "(oldlibs)" sagt ja auch noch was dazu aus. Klicks einfach an... und Du siehst die Texte dazu. Und was das Paket Debiannet-tools angeht, ist der folgende Link vielleicht interessant:

https://lists.debian.org/debian-devel/2 ... 00780.html
vg, Thomas

guennid
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von guennid » 26.03.2017 20:02:56

Erst mal danke für die bisherigen Hinweise!

Tja Jungs, ich sagte es ja schon: Auf dem Gebiet herrscht nach meinem Eindruck z.Z. Informationschaos.

So, ich rekapituliere mal das Bisherige: ifconfig steht in Konkurrenz zu ip?

Beides hat mit ifupdown nichts zu tun?

Was ist jetzt mit der /etc/network/interfaces?
Für mich gehörte die bisher ebenfalls zum "Debian Way" der Netzwerkkonfiguration. Wieweit ist die nun entbehrlich, wenn man mit der "Zukunft" liebäugelt?

Und wo wir schon bei der Zukunft sind: Welche Rolle spielt systemd im gegebenen Zusammenhang?

dufty2
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von dufty2 » 26.03.2017 20:13:34

guennid hat geschrieben: So, ich rekapituliere mal das Bisherige: ifconfig steht in Konkurrenz zu ip?
Richtig.
ifconfig = Unix von (Anfang der) 80'.
ip = Linux-only von 1999.
guennid hat geschrieben: Beides hat mit ifupdown nichts zu tun?
Richtig.
guennid hat geschrieben: Was ist jetzt mit der /etc/network/interfaces?
Gehört zu "ifupdown".
guennid hat geschrieben: Und wo wir schon bei der Zukunft sind: Welche Rolle spielt systemd im gegebenen Zusammenhang?
systemd (genauer: systemd-networkd.service) ist unabhängig von "/etc/network/interfaces" und somit von "ifupdown" und quasi in Konkurrenz damit (und auch zu den Networkmanagern).

TomL
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von TomL » 26.03.2017 20:31:54

dufty2 hat geschrieben:
guennid hat geschrieben: So, ich rekapituliere mal das Bisherige: ifconfig steht in Konkurrenz zu ip?
ifconfig = Unix von (Anfang der) 80'.
ip = Linux-only von 1999.
Wobei es mir bei 20 Jahren Unterschied ein wenig unpassend erscheint, es noch als Konkurrent zu bezeichnen. Und bis heute kommen noch mal 17 Jahre drauf.... also wenn die 80'er als Geburtsjahr wirklich stimmen, würde ich nicht mehr über ein Paket nachdenken, was ja schon fast ein biblisches Alter erreicht hat. :mrgreen:
vg, Thomas

guennid
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von guennid » 26.03.2017 22:12:14

Wobei es mir bei 20 Jahren Unterschied ein wenig unpassend erscheint, es noch als Konkurrent zu bezeichnen. Und bis heute kommen noch mal 17 Jahre drauf.... also wenn die 80'er als Geburtsjahr wirklich stimmen, würde ich nicht mehr über ein Paket nachdenken, was ja schon fast ein biblisches Alter erreicht hat. :mrgreen:
TomL, das Alter allein kann niemals ein Argument für oder gegen ein Stück Software sein. Wir sind hier nicht bei einer Modenschau.

Ihr drückt euch beide um eine meiner Meinung nach wesentliche Frage herum: ifconfig kann ich durch das "modernere", vielleicht besser gesagt, weniger "alte" ip ersetzen, soviel scheint klar, und wenn ich mich an unsere australische Konversation erinnere, muss ich dass im Zusammenhang offener hotspots womöglich sogar. Aber was ist mit ifupdown und damit der interfaces? Solange ich klar definierte und meiner Kontrolle unterliegende Netzwerkschnittstellen habe, kann ich damit alles via dieser Datei und den net-tools-Befehlen regeln. Wieweit kann oder muss man, gestützt nur auf iproute2 und seine Bestandteile, insbesondere ip - auch ohne systemd -auf die /etc/network/interfaces verzichten?

Mal konkret am Beispiel:

Was steckt hinter der Zeile "auto eth0" in dieser Datei? Löst das nicht im init-Prozess ein "ifup eth0" unter Verwendung der dortigen Angaben zu eth0 aus (also net-tools-Verwendung)? Das Gleiche könnte ich auch via ip erreichen, könnte dabei aber nicht mehr auf die Angaben in /etc/network/interfaces zurückgreifen - richtig? Nicht dass mir das zu umständlich wäre, aber es wirft die Frage auf, wozu ich die Datei dann noch brauchte? Und wenn ich etwas noch nie gelesen habe, dann, dass man sie gar nicht mehr brauchte.

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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von dufty2 » 26.03.2017 22:57:20

guennid hat geschrieben:Und wenn ich etwas noch nie gelesen habe, dann, dass man sie gar nicht mehr brauchte.
Man braucht sie gar nicht mehr.
So, jetzt hast Du es gelesen.
Natürlich hast Du nach einem Reboot dann auch kein Netz (unter der Annahme Du verwendest keine Networkmanager oder systemd-networkd).
Also dann
a) jedesmal händisch per "ip" konfigurieren
oder
b) per (init-)script die ip-befehle hinterlegen.
Was letztendlich auch nicht anderes ist als /etc/network/interfaces.

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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von guennid » 26.03.2017 23:07:35

b) per (init-)script die ip-befehle hinterlegen.
Das war von Anfang an mein Plan! Und du bist sicher, die /etc/network/interfaces wird damit vollständig überflüssig?

Immerhin bestehen selbst die mir bekannten Netzwerkmanager auf deren Existenz, wenn auch nur in der schon angeführten reduzierten Form (loopback).

dufty2
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von dufty2 » 26.03.2017 23:15:48

"ifupdown" ist m. W. kein essential-package, lässt sich also entfernen.
Und Networkmanger(s) verwendest Du ja nicht.

Warum probierst Du es nicht einfach aus und erzählst uns dann von Deinen Helden-netzwerk-taten?
:D

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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von TomL » 26.03.2017 23:29:56

guennid hat geschrieben:Und du bist sicher, die /etc/network/interfaces wird damit vollständig überflüssig?.
Auf die kann man völlig verzichten, wenn man das Netzwerk selber anderes startet. Seit Jessie brauche ich die immer nur beim allerersten Boot nach dem Installer .... weil /etc/init.d/networking drauf zurückgreift. Das erste, was ich mache, ist "networking" deaktivieren und damit wird die /etc/network/interfaces als Conf schlicht und einfach zu 'ner bedeutungslosen Datei. Ich nutze systemd-networkd für den automatischen Netzwerkstart auf einer Maschine.... ich nutze "selnic" für den automatischen Netzwerkstart auf 'ner anderen Maschine.... ich nutze ein simples Script mit ip-Kommandos auf wiederum ner anderen Maschine. Das ist doch alles derselbe kokolores... probiers doch einfach... es gibt etliche Möglichkeiten, das Netz zu starten.
Zuletzt geändert von TomL am 26.03.2017 23:34:30, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von guennid » 26.03.2017 23:31:08

Ich bin nicht so der "testing"-Typ. :wink:

Und dufty, ich schau mich noch mal um, soweit ich sehe, ist die Datei essentiell. Ob auch für systemd weiß ich nicht. Aber das müsste TomL wissen. :wink:

Siehste! TomL war schneller. :wink:

TomL
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Re: ifupdown, ip, /etc/network/interfaces

Beitrag von TomL » 26.03.2017 23:33:50

Nein, systemd braucht die auch nicht...... die ist m.W. nach nur für das sysvinit-Script "networking" und für diesen ifupdown-Kram notwendig. Nutzt Du das nicht, brauchste die imho auch nicht.
vg, Thomas

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