Der 3. Weltkrieg, divide et impera

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Jana66
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von Jana66 » 11.01.2017 14:09:16

@debianoli: Deinen Beitrag finde ich fair. Beide Seiten aus deiner Sicht beleuchtet.
Mit Nachteilen für Afrika durch EU-Vertraege mit Afrika habe ich mich allerdings nicht befasst. Wird wohl auch nicht groß in den Medien behandelt. Jedenfalls wenig davon mitgekriegt.

@debianoli und hikaru: Bezüglich Weltkrieg. Ich denke oft direkt mit den Worten eines Begriffes, bei Fremdworten schaue ich mir manchmal die Wortherkunft und deren eigentliche Bedeutung an. Definitionen sind eh willkürliche, hoffentlich sinnvolle Festlegungen. Viele definieren unterschiedlich. Persönlich mache ich den Begriff eher an der Anzahl direkt und INDIREKT beteiligter Staaten (auch durch Auswirkungen) fest. Exakte Schwellwerte festlegen sollen andere. Die Toten kann man erst später zählen, meist nur sehr grob und oft politisch geschönt schätzen. Kriege verursachen auch Hunger, Krankheit, neuerdings auch Ertrunkene. Vlt. ist ein globaler kalter Krieg auch ein Weltkrieg. Reine Definitionsfrage über die sich kein Streit lohnt. Zumal bei Drohneneinsatz im Talatue, Drohnensteuerung über Drittstaaten. :wink:
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hikaru
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von hikaru » 11.01.2017 14:13:10

guennid hat geschrieben:@hikaru
Nur für's Protokoll: Ich möchte in deinem "wir" nicht mitgemeint sein!
Welches "wir" meinst du?
guennid hat geschrieben:
hikaru hat geschrieben:Ich bin mir also gar nicht so sicher wie viel unsere "Werte" überhaupt wert sind
Mein alter Vorwurf: zu unhistorisch :wink:
Warum?
guennid hat geschrieben:Zur Saudi-Frau: Ich habe den Film nicht gesehen, insofern möchte ich das Folgende nur unter Vorbehalt - soweit ich deine Darstellung verstanden habe - formulieren:
hikaru hat geschrieben:die Werte und Kultur des "Westens" sind mit den Vorstellungen in manchen anderen Kulturkreisen inkompatibel.
Durchaus nicht. jedenfalls nicht in deinem Beispiel. Du vermengst hier etwas.

Wenn die Dame für sich fordert, einen bestimmten Lebensentwurf leben zu dürfen, dann ist das eine durchaus "westliche" (mir wäre die Bezeichnung "aufklärerische" lieber) Forderung, nämlich die nach der Freiheit, tun und lassen zu dürfen, was das Gesetz erlaubt.
Und wenn sie fordert, Rechtssubjekt sein zu dürfen (Klagerecht), dann ist das ebenfalls eine zwar andere, aber ebenso "westliche" Forderung, nämlich die nach Gleichberechtigung. Letzteres scheint mir in Gesellschaften, die nicht mal das (Frauen als Rechtssubjekte) gewähleisten, eine ziemlich fortschrittliche Gleichberechtigungsforderung zu sein.
Sie fordert aber auch das Recht ein, die Verantwortung für ihr eigenes Leben an andere (ihre männlichen Beschützer/Betreuer - irgend so ein Wort nutzte sie falls die Übersetzung stimmte) delegieren zu können. Das halte ich nicht für vereinbar mit der westlichen Idee der individuellen Selbstbestimmung. Sie mag nach unseren Maßstäben in der Lage sein, diese Verantwortung aus freien Stücken von sich zu schieben, aber sie hätte nicht das Recht, diese Verantwortung jemand anderem aufzubürden.
Dass sie eine Vorstellung davon hat was sie da fordert nehme ich an, denn wie gesagt, sie hat einige Zeit auf eigene Verantwortung in Europa gelebt.

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von debianoli » 11.01.2017 15:14:39

Jana66 hat geschrieben:Bezüglich Weltkrieg. Ich denke oft direkt mit den Worten eines Begriffes, bei Fremdworten schaue ich mir manchmal die Wortherkunft und deren eigentliche Bedeutung an. Definitionen sind eh willkürliche, hoffentlich sinnvolle Festlegungen. Viele definieren unterschiedlich.
Da muss ich dir als gewissenhafter :mrgreen: Geisteswissenschaftler massiv widersprechen. GERADE die oft WILLKÜRLICHE Verwendung von Begriffen in der öffentlichen Diskussion macht diese UNMÖGLICH. Insbesondere wenn dies entgegen etablierter Begrifflichkeiten in Geschichts- oder Politikwissenschaften geschieht. Man sollte sich entweder an etablierte Begrifflichkeiten halten oder definieren, was man unter einem Begriff "versteht". Sonst führen Diskussionen ins Leere.

Zudem gibt es zuviele Kampfbegriffe, die von allen politischen Seiten mit den verschiedensten Zielrichtungen und teilweise völlig entgegen der eigentlichen Bedeutung genutzt werden. Da ist eine klare Definition des Begriffes vor der Diskussion eigentlich lebenswichtig.

Beispiel: "Faschismus" war ursprünglich eine ca. 1922 gegen linke Arbeiter entstandene ITALIENISCHE Bewegung. Hauptzielrichtungen waren u.a. ein radikaler Nationalismus und der Kampf gegen den "Marximus". Ein deutscher Nationalsozialist hätte sich NIEMALS selber als Faschist bezeichnet, denn das waren nur "ausländische" Italiener.

Doch schon schnell wurden damit die unterschiedlichsten Bewegungen in der ganzen Welt als Faschisten bezeichnet. Und auch der politische Gegner, selbst wenn der eigentlich auf der "eigenen" Seite stand: So wurde die SPD von Kommunisten Anfangs der 1920er Jahre als "Sozialfaschisten" bezeichnet. Ebenso bezeichnen heute "besorgte Bürger" und AfDler die Antifa gerne als "Linksfaschisten", was eine völliger Verdrehung des Begriffs ist. Denn Faschisten sind wie erwähnt gegen Marxisten = Linke.

Ein andere Seite der Medaille erlebt man gerade bei eigentlich klar definierten Begriffen, die plötzlich wieder aus der historischen Versenkung kommen und nun "endlich" wieder positiv gesehen werden sollen. "Völkisch" ist so ein Wort, bei dem jeden geschichtlich Interessierten die Hutschnur platzt. Das Wort steht eindeutig für rechtsradikale Denkweisen und wurde nur in diesem Bereich genutzt. Ebenso das Unwort des Jahres "Volksverräter".

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von Jana66 » 11.01.2017 16:06:52

@debianoli: Theoretisch hast du Recht. Ich widerspreche auch gar nicht. :D
Praktisch sieht es oft so aus, deshalb meine obigen Worte, die deine Kritik herausforderten: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Postfaktische_Politik
Den ganzen Artikel wenigstens überfliegen.
Von der Wortbedeutung her, ohne Wikipedia zu lesen, würde man das Wort Postfaktizitaet als "nach/hinter den Tatsachen" verstehen. Also entweder gar nicht verstehen oder sogar das Gegenteil vermuten. Na ja, und wozu angehangene "Ismen" dienen ist bekannt. Aus all diesen Gründen und weil ich modische Schlagworte/Schubkästen nicht mag, mein persönliches Unwort. :mrgreen:
Zuletzt geändert von Jana66 am 11.01.2017 16:10:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von guennid » 11.01.2017 16:08:44

hikaru hat geschrieben:Sie fordert aber auch das Recht ein, die Verantwortung für ihr eigenes Leben an andere (ihre männlichen Beschützer/Betreuer - irgend so ein Wort nutzte sie falls die Übersetzung stimmte) delegieren zu können.
Sowas würde nur Sinn machen, wenn sie ein Recht hätte, verheiratet zu werden. Wie anders wollte sie fordern können, "die Verantwortung für ihr eigenes Leben an andere [...] delegieren zu können"? Ich kann mir nur vostellen, dass sie fordert, ihre Versorgungsrechte aus einem mehr oder weniger freiwillig eingegangenen existierenden traditionellen Eheverhältnis auch juristisch geltend machen zu können. Offenbar ist z.Z. nicht mal das in Saudi-Arabien für Frauen möglich. Und diese "Pflichten" verheirateter Männer gibt es, jedenfalls im Koran, dort aber eben nicht als Rechte der Frau, sondern lediglich als mit vom Propheten mit erhobenem Zeigefinger an die Männer gerichtete Ermahnung. Inwieweit und wo diese Ermahnung auch in Gesetzesform gegossen worden ist, weiß ich nicht.
hikaru hat geschrieben:Welches "wir" meinst du?
:
hikaru hat geschrieben:wir als Kontinent von Kolonialherren so gehandelt haben und immer noch handeln
hikaru hat geschrieben:wir (enthalten) (unsere "Werte") anderen vor, bzw.( wollen sie) nur so lange leisten, so lange sie uns bequem sind.
Warum du mir zu unhistorisch warst:
Das Beispiel zeigt es doch. Du kannst das nicht unhistorisch gegenüberstellen: "hier ist es so, woanders ist es anders". In frühreren Zeiten war das hier ebenfalls so ähnlich. Für mich ist das Fortschritt, für dich, wenn ich recht, sehe purer Zufall, Mode, Geschmacksfrage etc. Und dass das dort immer noch so ist, hängt mit der dortigen historischen Entwicklung zusammen.
Und ich meine gezeigt zu haben, dass das, was dort jetzt von Frauen gefordert wird, durchaus als das Nachholen von Aspekten der Aufklärung begriffen werden kann, wiewohl es das gar nicht zu sein scheint und auch den Akteur(inn)en nicht als ein solches bewusst ist.

Oder noch überspitzter formuliert: Ich glaube, die Frau tut mir ihrem konkretistischen kleinen Begehren mehr für die Frauenemanzpation in Saudi-Arabien, als alle "westlichen" Schreihälse zusammengenommen, die völlig abstrakt die Unterdrückung der Frauen in Saudi-Arabien anprangern.

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von guennid » 11.01.2017 16:27:47

Ein deutscher Nationalsozialist hätte sich NIEMALS selber als Faschist bezeichnet, denn das waren nur "ausländische" Italiener.
OH oh, debianoli.

Hitler war durchaus ein begeisterter Mussolini-Verehrer, später ... na ja, den "Zauberlehrling" kennst du wohl.
Sein Putschversuch von 1923 sollte in IMitation von Mussolinis "Marsch auf Rom" ein "Marsch auf Berlin" werden.
Man mag von Ernst Nolte halten was man will, sein "Faschsimus in seiner Epoche" ist nach wie vor Standard. Im Übrigen zeigst du im Satz vorher selber wesentliche Gemeinsamkeiten auf.


@TomL
Das Thema hatten wir schon.... war da nicht irgendwas mit "struktureller Gewalt", die keiner Person zuzuordnen ist .... *grübelgrübel* ...
Also ich spar mir jetzt die Mühe, den ganzen Zusammenhang zu zitieren, aber da kriege ich deine Argumentation nicht auf die Reihe. Wenn ich die Gleichung Urheber des Verbrechens=Verbrecher aufmache, dann hat das doch nichts damit zu tun, wie bewusst dem einen oder dem anderen oder beiden ihr Handeln ist.

"Das Wasser-Video"? Thomas ich steh' auf dem Schlauch. :wink:

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von hikaru » 11.01.2017 16:51:38

guennid hat geschrieben:Sowas würde nur Sinn machen, wenn sie ein Recht hätte, verheiratet zu werden. Wie anders wollte sie fordern können, "die Verantwortung für ihr eigenes Leben an andere [...] delegieren zu können"?
Im Fall dass sie unverheiratet bleibt (oder geschieden wird - auch das ist in Saudi Arabien wohl nicht mehr undenkbar) möchte sie diese Ansprüche gegenüber den Männern in ihrer Familie stellen können (Vater, Brüder, etc.). Auch das sagt sie in der Dokumentation.
Wohlgemerkt, es geht hier nicht um die Pflege von Kranken oder Behinderten. Sie möchte schlicht nicht die Verantwortung für ihr eigenes gesundes Leben tragen müssen.
guennid hat geschrieben:
hikaru hat geschrieben:Welches "wir" meinst du?
:
hikaru hat geschrieben:wir als Kontinent von Kolonialherren so gehandelt haben und immer noch handeln
hikaru hat geschrieben:wir (enthalten) (unsere "Werte") anderen vor, bzw.( wollen sie) nur so lange leisten, so lange sie uns bequem sind.
Du bist doch wie ich Bewohner des Kontinents Europa, oder ist mir etwas entgangen? Und kollektiv als Gesellschaft handeln wir Bewohner Europas teils immer noch wie Kolonialherren. Ob dir das als Individuum passt oder nicht ist nebensächlich. Du bist Teil dieser Gesellschaft, profitierst in Form deines Lebensstandards von diesem Kollektivverhalten und hältst dieses Verhalten durch deine Systemkonformität mit aufrecht.
guennid hat geschrieben:Warum du mir zu unhistorisch warst:
Das Beispiel zeigt es doch. Du kannst das nicht unhistorisch gegenüberstellen: "hier ist es so, woanders ist es anders". In frühreren Zeiten war das hier ebenfalls so ähnlich. Für mich ist das Fortschritt, für dich, wenn ich recht, sehe purer Zufall, Mode, Geschmacksfrage etc. Und dass das dort immer noch so ist, hängt mit der dortigen historischen Entwicklung zusammen.
Und ich meine gezeigt zu haben, dass das, was dort jetzt von Frauen gefordert wird, durchaus als das Nachholen von Aspekten der Aufklärung begriffen werden kann, wiewohl es das gar nicht zu sein scheint und auch den Akteur(inn)en nicht als ein solches bewusst ist.
Ich glaube ich beginne zu verstehen was du meinst. Den Vorwurf, "unhistorisch" zu sein möchte ich aber von mir weisen.
Ja, auch hier gab (und gibt es teilweise) es eine Ungleichbehandlung von Frauen und Männern. Und ja, die Bewegung in Saudi-Arabien könnte man als Auswirkung von deren Version einer beginnenden Aufklärung ansehen.
Ich halte es aber für zu einfach gedacht, die "Aufklärung in Saudi-Arabien" als ein Nachholen der europäischen Aufklärung zu betrachten. Selbst wenn es Parallelen gibt, so sind doch die Rahmenbedingungen ganz andere, also mag auch das Ergebnis ganz anders aussehen. Es gibt jedenfalls keinen Grund anzunehmen, dass beide Ergebnisse miteinander kompatibel wären.

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von debianoli » 11.01.2017 17:14:16

guennid hat geschrieben:
Ein deutscher Nationalsozialist hätte sich NIEMALS selber als Faschist bezeichnet, denn das waren nur "ausländische" Italiener.
OH oh, debianoli.

Hitler war durchaus ein begeisterter Mussolini-Verehrer, später ... na ja, den "Zauberlehrling" kennst du wohl.
Sein Putschversuch von 1923 sollte in IMitation von Mussolinis "Marsch auf Rom" ein "Marsch auf Berlin" werden.
Man mag von Ernst Nolte halten was man will, sein "Faschsimus in seiner Epoche" ist nach wie vor Standard. Im Übrigen zeigst du im Satz vorher selber wesentliche Gemeinsamkeiten auf.
Natürlich haben die Gemeinsamkeiten und erkannten sich auch als Brüder im Geiste. Trotzdem hätte sich kein Nationalsozialist als Faschist bezeichnet. Dazu war diese Bewegung zu radikal-nationalistisch. Das gleiche gilt für die spanische Falange. Wobei man streiten kann, ob die Franco Bewegung wirklich faschistisch war.

Das macht den Begriff ja so schwierig: Das, was Zeitgenossen als Faschismus bezeichnet haben, hing immer vom Standpunkt ab. Marxisten zB hatten ein Riesenproblem mit der Einordnung der Faschisten in ihr Weltbild. Denn die Bewegung kam lange nach Marx auf und deshalb gab es dafür keine marxistische Erklärung.

Nolte hat damals neue Facetten der Forschung geöffnet, doch Forschung bleibt nie stehen. Payne hat in seinem sTandardwerk die Kennzeichen einer faschistischen Bewegung erstellt. Ich kann dir das mal raussuchen, wenn es dich interessiert.

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von guennid » 11.01.2017 17:28:40

hikaru hat geschrieben:Im Fall dass sie unverheiratet bleibt (oder geschieden wird - auch das ist in Saudi Arabien wohl nicht mehr undenkbar) möchte sie diese Ansprüche gegenüber den Männern in ihrer Familie stellen können (Vater, Brüder, etc.). Auch das sagt sie in der Dokumentation.
Ich werde wohl die Klappe halten oder mir die Doku ansehen müssen. Ich sagte ja - ich habe sie bisher nicht gesehen. So wie du's jetzt darstellst, wär'das ja ein Ding.
hikaru hat geschrieben:Ich halte es aber für zu einfach gedacht, die "Aufklärung in Saudi-Arabien" als ein Nachholen der europäischen Aufklärung zu betrachten.
Ich nicht, und obwohl ich auch nicht denke, dass das "einfach" ist: da müssen die durch - aber unbeeinflusst von Besserwessis :wink:
hikaru hat geschrieben:Und kollektiv als Gesellschaft handeln wir Bewohner Europas teils immer noch wie Kolonialherren. Ob dir das als Individuum passt oder nicht ist nebensächlich.
Tut mir leid, aber ich weigere mich, mich da vereinnahmen zu lassen. Das sind Menschen, die da möglicherweise als Kolonialherren handeln und wenn die von systemischen Zwängen geleitet werden, müssen sebige bewusstgemacht, notfalls aufgebrochen werden.
hikaru hat geschrieben:Selbst wenn es Parallelen gibt, so sind doch die Rahmenbedingungen ganz andere, also mag auch das Ergebnis ganz anders aussehen.
Glaub ich nicht. Bei "Partiell anders" würde ich zustimmen und eventuell sogar darauf bestehen.

Ich bin halt eine unverbesserlicher Optimist im "Bewusstsein des Fortschritts der Freiheit" :wink:

@debianoli

Payne ist mir bisher durch die Lappen gegangen, den kannte ich bisher nicht. Danke für den Hinweis.

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von debianoli » 11.01.2017 18:12:38

@ guennid
Stanley Payne - Geschichte des Faschismus

Auch lesenswerte Darstellung der Betrachtung desGesamtphaenomens ist Wolfgang Wippermann - Faschismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bisheute ( falls du dasnicht schon kennst)

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von guennid » 11.01.2017 18:22:04

Wolfgang Wippermann - Faschismustheorien

Der war zu meiner Zeit HiWi bei Nolte in Marburg :mrgreen:

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von debianoli » 11.01.2017 18:36:14

:mrgreen: Vielleicht gibt dir Wippermann Rabatt für sein Buch, wenn ihr euch kennt?

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von guennid » 11.01.2017 20:58:53

Im Fall dass sie unverheiratet bleibt (oder geschieden wird - auch das ist in Saudi Arabien wohl nicht mehr undenkbar) möchte sie diese Ansprüche gegenüber den Männern in ihrer Familie stellen können (Vater, Brüder, etc.). Auch das sagt sie in der Dokumentation.
Ich habe es mir angesehen hikaru. "Die heimliche Revolution - Frauen in Saudi Arabien", 10.01.2017,18:00 Uhr auf Phönix. Die Doku ist aber ein oder zwei Jahre älter. Und ich konnte es nicht so finden, wie von dir erinnert. Im Falle von Unterhaltsansprüchen ging es immer nur um Ansprüche aus Eheverhältnisssen, nicht gegenüber Vätern oder Brüdern. Und die Damen meinten, dass sie diese Ansprüche in Saudi-Arabien besser durchsetzen könnten als Frauen in "westlichen" Ländern. Was die Unverheirateten anging, so kommentierten die Macherinnen der Doku, dass immer häufiger dieser Lebenentwurf (keine Heirat) gewählt werde. Aber da ging's dann nicht um Versorgungsansprüche.

Die Mädels waren ganz schön cool drauf - aber alle Akteurinnen waren Angehörige der Oberschicht, mindestens der gehobenen Mittelschicht.

Ich vermute, die Saudis haben historisch gelernt, und zwar aus dem Untergang des Schah-Regimes im Iran. Aber das war 1979, vor deiner Zeit. :wink:

Grüße, Günther

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von TomL » 12.01.2017 14:30:52

hikaru hat geschrieben:
und also solcher unbedingt für eine gemeinsam erlebtes und politisch gemeinsam geführtes westliches Europa. Ich bin aber gleichermaßen und ebenfalls ohne jeden Zweifel auch ein Fan kultureller Globalisierung
Dann wirst du dich unweigerlich in Widersprüche verstricken, denn die Werte und Kultur des "Westens" sind mit den Vorstellungen in manchen anderen Kulturkreisen inkompatibel.
Nicht zwingend.... es würde funktionieren, wenn der eine nicht seine Lebensweise bzw. sein Weltbild dem anderen abverlangen würde und nicht seine eigene Lebensart mit Nachdruck in der Heimat des anderen erzwingen wollte, indem z.B. muslimische Frauen hier in Europa auf die Vollverschleierung verzichten würden, und ebenso selbstverständlich europäische Frauen auf Reisen im muslimischen Heimatland auf die Zuschaustellung von zuviel Haut verzichten würden. Aus Repekt vor dem islamischen Glauben sollte sich gerade bei dem Aspekt die hier gewohnte Freizügigkeit auf das Urlaubs-Camp-Gelände beschränken. Wenn ich Gast bin, habe ich mich den Regeln anzupassen, die ich dort vorfinde... und dabei steht es mir nicht zu, dass zu kritisieren. Wenn mir das jedoch nicht gefällt, muss ich halt wieder gehen. Das gleiche erwarte ich von Muslimen, die mit unserer Normalität nicht klar kommen.
Aber nur deshalb, weil wir als Kontinent von Kolonialherren so gehandelt haben und immer noch handeln, sind wir überhaupt in der komfortablen Position, uns untereinander unsere "westlichen Werte" leisten zu können.
Und genau das wird die nächste Welle an Flüchtlingen erzeugen, die hier in Europa ihr Überleben sichern wollen. Das habe ich heute morgen in unserer Dorfzeitung gelesen, hier aus einem anderen Blatt "entliehen":
http://www.badische-zeitung.de/wirtscha ... 39241.html
Auf welch tönernen Füßen die stehen sieht man ja sehr schnell, wenn nur mal ein paar Leute mehr als gewöhnlich von außerhalb kommen.
Dieser oben zitierte Fischfang, ebenso wie das weiter oben verlinkte Wasser-Video sind u.a. Bestandteile der von Dir erwähnten westlichen Kolonialherrschaft. Und m.E. sind das die wahren Fluchtursachen und nicht allein der Terrorismus. Ich glaube sogar, dass das alles noch viel dichter verzahnt ist, als uns hier allen bewusst ist. Und jeder, der hier in DE Konsument ist, ist gleichzeitig auch Teilhaber und Mitverursacher dieser Misere... und wenn man sich aus dem "Wir" herausnehmen will, ist es nur das, was Mausfeld schon als "bequemes Verleugnen" bezeichnet hat.
Ich bin mir also gar nicht so sicher wie viel unsere "Werte" überhaupt wert sind, wenn wir sie uns nur deshalb leisten können, weil wir sie anderen vorenthalten, bzw. nur so lange leisten wollen, so lange sie uns bequem sind.
Warum bist Du da unsicher? Raub, Mord, Überfälle gibt es seit Menschen die Keule schwingen können. Wir haben das Töten und diese Raubüberfälle lediglich mit moderner Kriegstechnik und den Rechtsabteilungen milliardenschwerer Konzerne digitalisiert, aber es ist dennoch nix anderes. Das Verlogene ist nur das hinterher folgende Gejammer hier unserer "Gutmenschen" in DE, über die armen Menschen dort, die sterben, weil sie erschossen werden, auf der Flucht ertrinken, im Winter erfrieren, verhungern, verdursten.... weil niemand sagt, dass es unsere aggressive westliche Globalisierungspolitik ist, also wir selber, die das angerichtet haben und weiterhin anrichten.
vg, Thomas

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Re: Der 3. Weltkrieg, divide et impera

Beitrag von guennid » 12.01.2017 17:17:08

@ThomL
Verbirgt sich das Wasser-Video hinter einem Youtube-Link? Da will Google irgend ein Einverständnis von mir, das ich noch nicht mal lesen will.

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