HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

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wanne
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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von wanne » 30.03.2021 09:35:05

Der Witz ist aber, daß die Blockgröße bei SSDs in der Regel nur 512Bytes groß
Sicher nicht. Die wird nur so angegeben, damit die Dinger unter Windows laufen. Das verweigert nämlich den Dienst sobald die sector size nicht 512 ist. Deswegen haben wir jetzt zusätzlich zur "sector size" ne "physical sector size" die auch 4096 sein darf. – Erneut zu klein für SSDs. Die machen intern irgend was anderes. Genau so wenig wie deine platte sicher keine 64 Leseköpfe hat obwohl das alle angeben.
Die Wahrscheinlichkeit, aus den Reserveblöcken zusammenhängende, sinnvolle Daten rekonstruieren zu können,
Bei SSDs relativ problemlos. Du musst die Zordnung zurück rechnen. Das ist nicht immer eindeutig möglich. (Aber sehr häufig und in den anderen Fällen dürfte es zumindest für kürzlich gelöschte Sachen relativ einfach zu raten sein. Insbesondere bei allen Platten die blkdiscard --secure unterstützen ist es immer möglich.) Nebenbei Versuch einfach mal aus:

Code: Alles auswählen

split -b 512 $FILE /tmp/test
cat $(ls /tmp/R* | sort -R)
So als Beispiel:

Code: Alles auswählen

 Es ist notwendig, dass ein Wörterbuch nicht zu viele Wörter
   enthält. Zum einen kann ein selten verwendetes Wort gerade so
   geschrieben werden wie ein falsch geschriebenes Wort in dem zu
   prüfenden Text, welches dann nicht als fehlerhaft erkannt wird. Zum
   anderen belastet ein sehr großes Wörterbuch den Arbeitsspeicher eines
   Computers evtl. so sehr, dass die Prüfung unerträglich lange dauert.



**** Eigenschaften ****

Dieses Wörterbuch liegt nicht als eine große Datei vor, sondern di
----------

e
Wörter sind nach verschiedenen Kriterien in einzelne Dateien
aufgeteilt. Dadurch wird es möglich, ein relativ kleines Wörterbuch
zusammenzustellen, das den individuellen Anforderungen leichter
genügt. Nicht zuletzt ist das Gesamtwerk so besser zu warten.
Durch die Unterteilung in Unterwörterbücher ist gleichzeitig auch die
Kategorisierung der verschiedenen Wortbestandteile für Kompositabildung
mit Hunspell realisiert.

Außerdem sind Schreibweisen, die alternativ zu `alten' Schreibweisen
existieren
----------

        **********************************************
                           igerman98
                       *****************
Ein deutsches Wörterbuch zur Rechtschreibkontrolle nach den neuen
 Rechtschreibregeln mit den Programmen Ispell, Myspell, Hunspell
        **********************************************



Bei einer automatischen Rechtschreibkontrolle sollen Schreibfehler in
einem Text von einem Prüfprogramm gefunden werden. Die korrekte
Schreibweise wird dazu in einem Wörterbuch hinterlegt
----------

. 

Bei der Zusammenstellung des Wörterbuchs sind jedoch die drei
folgenden Kriterien zu berücksichtigen.

1. Voraussetzung für zuverlässige Ergebnisse ist, dass das
   Wörterbuch selbst möglichst keine Fehler enthält. 

2. Das Wörterbuch muss einen breiten Wortschatz abdecken. Andernfalls wird
   das Prüfprogramm viele korrekte Wörter eines Textes als falsch
   abweisen, die nicht in dem Wörterbuch enthalten sind. Dieses Verhalten
   ist lästig und versperrt den Blick auf die wahren Fehler.

3.
----------

 in separaten Wörterbuchdateien. So ist es möglich,
`progressive' Schreibweisen wie `Delfin' zu erzwingen, indem man die
älteren Schreibweisen (`Delphin') deaktiviert. Wem `Delfine' oder
`Jogurts' nicht gefallen kann natürlich auch die progressiveren
Schreibweisen deaktivieren und fortan seine Delphine mit Joghurt
füttern. (vgl. INSTALL - Dateien)
Natürlich kann man das rekonstruieren oder sinnvolle Informationen raus ziehen. Das zusammenpusseln ist ein Kinderspiel. Noch einfacher wird es für mp3s, weil da direkt ung gut erkennbar mp3-timestamps drin liegen. jpegs wird vermutlich schwieriger aber mit KI sicher nicht unmöglich. Nach JFIF suchen und dann alle Möglichkeiten für 4 weitere Blöcke ausprobieren. Wenn eine Katze raus kommt war es richtig. Lediglich für moderne Filme dürftest du wirklich Probleme bekommen.
Mit Elektronenbeschuß ändert sich die Magnetisierung der Oberfläche, da bleibt von der ursprünglichen Magnetisierung nichts mehr über.
Ich hab selber keine Ahnung aber ich weiß, dass es da mal ein proof of concept dafür gab, dass die Nutzung vorschlug. Du musst denken, dass du da starke ferromagneten hast. Die drehst du nicht so einfach. Die Idee ist wohl, dass du bei den Dingern aus den 80ern ein Restfeld hast, das es dein Bild ausreichend verzerrt und du dann Rückschlüsse ziehen kannst.
Wie gesagt: Bei SSDs eh alles irrelevant. Spannungsunterchiede haben die Eigenschaft sich in (Halb)leitern zu eliminieren. Da macht mehrfach überschreiben gar keinen Sinn.
Für den Privatmann, der ausrangierte Platten bei eBay verschachern will, bietet sich https://ata.wiki.kernel.org/index.php/ATA_Secure_Erase als nichtdestruktive Alternative an.
Wie gesagt: ATA_Secure_Erase dürfte deutlich sicherer wie die meisten mechanischen Methoden sein. Am Ende kann man die immer wieder zusammen setzen. Was um Größenordnungen einfacher ist als an irgend welchen Rändern wieder Rüchlüsse auf nicht mehr vorhandene Magnetfelder zu ziehen. Wir reden hier von nanotesla die überhaupt zu messen ist nicht easy. Aber welche wieder zu erkennen, die da mal waren...
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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von wanne » 30.03.2021 09:56:41

reox hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 07:05:47
Ich hab mal einen Vortrag gesehen von einem Datenrettungsunternehmen. Der meinte, sie können von den Plattern die Daten schon bitweise auslesen, aber das macht keiner weils einfach zu lange dauert.
Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass irgend ein Datenrettungsunternehmen da wirklich die passende Expertise hat. Die bauen die platten halt in ein anderes Gehäuse und kommen so wieder an die reservierten Blöcke. Die besseren manipulieren eventuell noch die Firmware. Thats it.
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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von reox » 30.03.2021 11:07:22

wanne hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 09:56:41
reox hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 07:05:47
Ich hab mal einen Vortrag gesehen von einem Datenrettungsunternehmen. Der meinte, sie können von den Plattern die Daten schon bitweise auslesen, aber das macht keiner weils einfach zu lange dauert.
Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass irgend ein Datenrettungsunternehmen da wirklich die passende Expertise hat. Die bauen die platten halt in ein anderes Gehäuse und kommen so wieder an die reservierten Blöcke. Die besseren manipulieren eventuell noch die Firmware. Thats it.
Die Aussagen von dem war halt auch nur "es geht" und das Kunden das wohl auch schon angefragt hätten. Mit Hinweis auf entsprechende Dauer und Kosten ("append many zeros here") sind die Daten dann doch nicht so wichtig.
Ich müsst lügen aber er meinte glaub ich realistisch sind <1mm² pro Woche? Den Vortrag hab ich 2011 gehört, da hat die Welt auch noch anders ausgeschaut. Also ich glaube nicht, dass er sich da auf 18TB platten bezog.

Es gibt vom SANS einen Blogeintrag von 2009: https://web.archive.org/web/20110604060 ... disk-data/
SSM klingt ja richtig cool - aber kA wie das in heutige Bit-dichten skaliert.
Interessant ist aber auch der Absatz:
This stated, the practice of drilling a small hole in a drive platter can result in minimal damage to the platter itself. In the case where this process does not shatter the platter, a recovery rate of over 99% of data can be achieved. Shattering the platter will not only add the requirement to reconstruct a "jigsaw puzzle" of immense complexity, but will also result in significant data loss. In this event, recovery can be as low as 20% (no sequentially) of the data on the platter (assuming that the entire platter has been completely — and accurately — reconstructed). The significance of this is that a single complete wipe of a hard disk drive is far more effective then drilling a hole in a drive platter or even hitting the drive casing with a hammer. The cost and time associated with reconstructing a shattered drive is in itself economically prohibitive and would limit nearly any recovery efforts.
dH obwohl die recovery von einem zersplitterten Platter nicht in Relation zu den Daten steht, ist es dennoch sicherer einfach einmal drüber zu schreiben.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von slu » 30.03.2021 11:55:02

reox hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 07:05:47
Aber im Ernst: Wir hatten in der Firma dafür einen alten PC mit einer 8x SATA Karte in der Ecke stehen. Da war DBAN drauf und die alten Platten (die noch funktionierten) wurden da fürs Wochenende angehängt und fertig.
"So" machen wir das im Moment auch, allerdings mit Debianscrub.
Das ganze wurde in ein kleines Bash Script gepackt welches die Seriennummer und die benötigte Lösch-Zeit in eine Logdatei schreibt.

Sollte das durchlaufen werden die Platten geschredderd (von einem Datenvernichter), mit dem überschreiben habe ich für mich die Sicherheit falls die mal Mist bauen.
Gruß
slu

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Debian Buster, sonst nichts.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von debianoli » 30.03.2021 13:01:44

MSfree hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 08:15:16
debianoli hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 06:55:22
Das Problem bei der Thematik ist doch eher, dass man gesetzlich verpflichtet ist, Festplatten zu löschen.
Nein, dazu ist man nicht generell verpflichtet. Nur, wenn dort personenbezogene Daten drauf sind oder in Amtsstuben gibt es diese Verpflichtung. Firmen machen das nicht aus gesetzlicher Verpflichtung sondern weil sie ihre Betriebsgeheimnisse bewahren wollen.
Nicht richtig. Aufgrund des Datenschutzes muss man Festplatten komplett löschen, sobald personenbezogene Daten darauf sein könnten. Du brauchst eigentlich in jeder Firma ein Löschkonzept für Daten, siehe DSZVO. Da steht das mit drin, neben Fristen.

Das eimaliges Nullen reicht, mag bewiesen sein. Trotzdem interessiert das das BSI nicht. Und die geben in D nun mal mit vor, wie man was machen müsste, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Den so bist du eher auf der rechtlich sicheren Seite. Vor Gericht würde ich mich wegen dem Thema nicht streiten wollen, das wäre in D ein absoluter Alptraum.

In A sieht das anders aus, dort gehört zufälliges Schreddern zum guten Ton in der Politik😀

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von heisenberg » 30.03.2021 13:16:02

debianoli hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 13:01:44
Nicht richtig. Aufgrund des Datenschutzes muss man Festplatten komplett löschen, sobald personenbezogene Daten darauf sein könnten. Du brauchst eigentlich in jeder Firma ein Löschkonzept für Daten, siehe DSGVO. Da steht das mit drin, neben Fristen.

Das eimaliges Nullen reicht, mag bewiesen sein. Trotzdem interessiert das das BSI nicht. Und die geben in D nun mal mit vor, wie man was machen müsste, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Den so bist du eher auf der rechtlich sicheren Seite. Vor Gericht würde ich mich wegen dem Thema nicht streiten wollen, das wäre in D ein absoluter Alptraum.
Kannst Du mal eine Stelle in einem beliebigen deutschen Gesetzestext nennen, wo auf Methoden des BSI zur Löschung verwiesen wird oder auf eine geforderte Methode zur Löschung von Festplatten explizit eingegangen bzw. näher spezifiziert wird? Meines aktuellen Wissenstandes ist Löschen gefordert. Punkt. Kein 1x,3x,9x,... überschreiben. Nur löschen. Insofern freue ich mich über Erkenntnisse, falls die gesetzlich Lage da konkretes verlangt und die Veröffentlichungen des BSI mehr als nur Empfehlungscharakter haben.
Ich biete keine Lösungen sondern gebe Hilfe zur Selbsthilfe.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von debianoli » 30.03.2021 18:27:33

heisenberg hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 13:16:02
Kannst Du mal eine Stelle in einem beliebigen deutschen Gesetzestext nennen, wo auf Methoden des BSI zur Löschung verwiesen wird oder auf eine geforderte Methode zur Löschung von Festplatten explizit eingegangen bzw. näher spezifiziert wird? Meines aktuellen Wissenstandes ist Löschen gefordert. Punkt. Kein 1x,3x,9x,... überschreiben. Nur löschen. Insofern freue ich mich über Erkenntnisse, falls die gesetzlich Lage da konkretes verlangt und die Veröffentlichungen des BSI mehr als nur Empfehlungscharakter haben.
Nein, das steht so nicht im Gesetz und das habe ich so auch nicht behauptet. Noch mal zum besseren Verständnis:
Die BSI gibt als Behörde der BR Deutschland technische Empfehlungen heraus. Wie du auch geschrieben hast.

Nur was machst du bei einem Prozess als Beklagter, wenn sich der technisch völlig unwissende Richter genau diese BSI-Anleitungen als Richtschnur nimmt? Und dann deine Interpretation des Löschens als ungenügend ablehnt? Dann hast du ein teures Problem, denn jetzt kommen in der Regel teure Gutachter ins Spiel. Die viel Geld kosten und damit dein Risiko erhöhen.
Wenn du dich dagegen an die Ratschläge des BSI gehalten hast, dürfte dies deine Chancen vor Gericht erhöhen, denn dann hat die klagende Seite das Problem, per Gutachten eine staatliche Behörde zu widerlegen.

Genau das ist das Problem bei nicht klar gesetzlich beschrieben Themen wie Löschen. Du bist immer in der Nachweispflicht nach DSGVO und es gibt keine wirklichen Standards. Das bringt dann Empfehlungen des BSI einen Rang ein, der dem wahren technischen Inhalt nicht entspricht.

Ein vergleichbarer Mist ist die Archivierungspflicht für E-Mails, da gibt es meines Wissens auch keinen echten Standard.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von MSfree » 30.03.2021 19:42:27

debianoli hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 18:27:33
Nur was machst du bei einem Prozess als Beklagter
Ich halte das Risiko, daß ein Mitarbeiter eines Datenvernichters sich ein wenig nebenher verdienen möchte, indem er angelieferte Platten abzweigt und dann ungelöscht bei Ebay verhökert, für deutlich höher, als wenn ich eine Platte selbst nulle. Die bisher bekannt gewordenen Fälle von noch vorhandenen Daten kamen ja auch praktisch alle aus Ebay-Bereich, und da hat es sich immer um völlig ungelöschte oder nur schnell formatierte Platten gehandelt.

Wenn du die Platte mit Nullen füllst, wird dich keiner verklagen (können).

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von debianoli » 30.03.2021 20:02:37

MSfree hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
30.03.2021 19:42:27

Ich halte das Risiko, daß ein Mitarbeiter eines Datenvernichters sich ein wenig nebenher verdienen möchte, indem er angelieferte Platten abzweigt und dann ungelöscht bei Ebay verhökert, für deutlich höher, als wenn ich eine Platte selbst nulle.
...

Wenn du die Platte mit Nullen füllst, wird dich keiner verklagen (können).
Nur das du bei Fall 1 als Unternehmen belegen kannst, dass das von dir beauftrage Unternehmen Mist gebaut hat. Schützt dich nicht völlig vor Strafen, aber dürfte im Fall der Fälle das Schlimmste abwenden.

Bei Fall 2 bist du jedoch vollständig in der Nachweispflicht.

Ob und wie dieses Thema ein großes Risiko für teure Prozesse birgt, muss jeder Verantwortliche selber abwägen. Ist halt wieder ein Punkt, aufgrund unklarer gesetzlicher Vorgaben teuer wrden der kann.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von reox » 31.03.2021 08:21:22

Was ich mich da aber frage: wie weise ich vor Gericht (oder meinem Kunden dem ich das zertifiziere) sicher nach, dass ich die Platte 1, 2, ..., 9 oder drölf mal überschrieben habe?
Bzw wie kann es mir ein Gutachter nachweisen?
Im Zweifelsfall bringt ja ein Zertifikat auf dem steht, dass es 9x überschrieben wurde auch nichts, wenn niemand den Nachweis antreten kann.

Vor und nach dem Löschen die SMART Ausgaben speichern und per Zeitstempel signieren? Funktioniert halt nur, wenn die Festplatte "Blocks/Bytes written" ausgibt.
(Zumal ich mir diese Angaben ja auch aus den Fingern hab saugen können, bzw ich nehm die Werte nach dem löschen und subtrahiere 9x<Größe der Platte> (sollte halt nicht negativ werden :D) - den Zeitstempel fälschen ist dann halt auch schwer, also würde ich sagen das ist ein halbwegs brauchbarer Nachweiß, außer ich rechne mir die Zahl die später da stehen soll schon vorher aus und ändere sie bei der vorher-Ausgabe entsprechend)

Ansonsten ist ja unter der Annahme, dass zwischen 1 und n mal überschreiben kein Unterschied feststellbar ist, es auch für einen Gutachter schwer zu erkennen ob man sich an die BSI Vorgaben gehalten hat.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von MSfree » 31.03.2021 08:59:01

reox hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.03.2021 08:21:22
Was ich mich da aber frage: wie weise ich vor Gericht (oder meinem Kunden dem ich das zertifiziere) sicher nach, dass ich die Platte 1, 2, ..., 9 oder drölf mal überschrieben habe?
Bzw wie kann es mir ein Gutachter nachweisen?
Ihr denkt alle viel zu sehr um die Ecke.

Wenn eine Firma alte Festplatten loswerden will, kann sie entweder die alten Platte gebraucht verkaufen oder sie einem Aktenvernichter übergeben.

Wenn die Firma die gebrauchten Platten selbst verkaufen will, wird sie auch dafür Sorge tragen, die Platten entsprechend zu löschen (einmaliges Nullen reicht). Danach kann keiner mehr alte Daten rekonstruieren und man braucht auch nichts zu beweisen. Es wird hier also nie zu einem Prozeß kommen können.

Wenn die Firma die gebrauchten Platten einem Datenvernichter übergibt, gibt es eine Übergabebescheinigung. Was der Dienstleister mit den Platten macht, ist nicht mehr in seiner Kontrolle. Wenn dabei einzelne Platten ihren Weg ungelöscht auf Ebay finden, dann ist der Dienstleister dran.

Wenn ein Mitarbeiter (egal ob ursprüngliche Firma oder Dienstleister) mit krimineller Energie Platten irgendwo abzweigt und selbst "vermarktet", ohne sie zu löschen, haftet dieser kriminelle Mitarbeiter. Das wird mit Sicherheit in einer fristlosen Kündigung und einer Anzeige wegen Diebstahls enden.

Letzten Endes ist es eine Frage des Preises. Platten mechanisch zu zerstören ist nunmal um ein vielfaches weniger zeitaufwändig und somit billiger als Platten irgendwo anzuhängen und diese zu nullen, mit anschließender Verifizierung, daß wirklich nur noch Nullen gelesen werden können.

Bei Platten, die noch mit Daten ihren Weg zu Ebay finden, ist es keine Frage, ob jemand die Platte neunmal mit Zufallszahlen überschrieben hat, da wurde einfach gar nichts mit der Platte gemacht. Dabei erübrigt sich auch die Frage, ob man es "richtig" oder "falsch" gelöscht hat, und das ist sogar technisch unbedarften Juristen klar.
Zuletzt geändert von MSfree am 31.03.2021 11:52:18, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von reox » 31.03.2021 10:43:53

MSfree hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.03.2021 08:59:01
Danach kann keiner mehr alte Daten rekonstruieren und man braucht auch nichts zu beweisen. Es wird hier also nie zu einem Prozeß kommen können.
Ja, das ist natürlich richtig.
MSfree hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
31.03.2021 08:59:01
Ihr denkt alle viel zu sehr um die Ecke.
sowieso :D Es ging ja um den hypothetischen Fall, dass der Richter die BSI Richtlinie zu meinen Ungunsten auslegt und meint ich soll mal nachweisen, dass ich die angewendet habe.
Aber ja, wo kein Kläger da kein Richter ;)

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von heisenberg » 31.03.2021 12:25:01

@debianoli:

Deine Argumentation, dass man sich besser an Vorgaben vom BSI hält ist grundsätzlich ein guter Ratschlag. In dem speziellen Fall halte sie für jedoch nicht sinnvoll sie anzuwenden.

Ganz einfach aus dem Grund - und da wiederhole ich mehr oder weniger die Begründung von MSfree: Was ist denn der Worst-Case, wenn ich eine Platte nur einmal statt 7 Mal überschrieben habe? Keiner. Die Daten sind weg. Und wenn keine Daten da sind, dann kein Verstoß gegen die Löschpflicht. Demnach kann/will/wird auch keiner einen Strick draus drehen, dass das nicht 7 Mal überschrieben wurde, mal davon abgesehen, dass es - wenn überhaupt - nur mit erheblichem technischen Aufwand nachgewiesen werden kann. Ich gehe wie auch MSfree davon aus, dass wenn alte Daten irgendwie auftauchen, dass dann mit Sicherheit kein einziges Überschreiben stattgefunden hat.

---

Ansonsten, was das Thema ATA Secure Erase betrifft: Man muss da auch wieder aufpassen, dass es auch funkioniert. Es geht z. B. möglicherweise in USB-Docks nicht. (Siehe: https://ata.wiki.kernel.org/index.php/ATA_Secure_Erase). Aber wenn einem auch die letzten max. wenige MB wichtig sind, die über die als zufällig verteilte Reserve-Sektoren noch geleakt werden könnten, dann ist das auch IMHO gut, dass auch zu nutzen.

---

Und damit komme ich zu dem Fragen(bzw. eigene Einstellungen), die mir an der Sache wichtig sind:
  • Muss ich aus Angst Dinge tun, die Zeit kosten und total überflüssig sind?
  • Muss ich aus Angst Gesetze befolgen, die die so gar nicht geschrieben stehen?
  • Muss ich aus Angst Resourcen zerstören, die noch gut nutzbar sind?
Die Frage ist für mich dabei: Ist die Angst begründet oder unbegründet und somit neurotisch? In dem Fall würde ich schon eher sagen, dass da die rationalen Gründe - wie im Thread dargelegt dagegen sprechen.
Ich biete keine Lösungen sondern gebe Hilfe zur Selbsthilfe.

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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von debianoli » 01.04.2021 07:03:36

Was ihr zum sicheren Löschen schreibt, ist alles sehr plausibel.

Aber erklärt das alles mal einem "Entscheider", der nicht wirklich Ahnung von IT hat.

Die Folge: Es wird weiterhin sinnlos zig mal eine Festplatte gelöscht, obwohl einmaliges Nullen reichen würde.

MSfree
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Re: HDD und SSD Sicher löschen - Wie machen das Dienstleister?

Beitrag von MSfree » 01.04.2021 08:17:31

debianoli hat geschrieben: ↑ zum Beitrag ↑
01.04.2021 07:03:36
Die Folge: Es wird weiterhin sinnlos zig mal eine Festplatte gelöscht, obwohl einmaliges Nullen reichen würde.
Dem "Entscheider" sind solche langwierigen Löschaktionen schlicht zu teuer. Die Folge ist, daß funktionierende Hardware im Shredder landet statt sie zu recyclen.

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